{"id":16571,"date":"2021-08-21T15:40:23","date_gmt":"2021-08-21T15:40:23","guid":{"rendered":"http:\/\/guentersahler.de\/?p=16571"},"modified":"2023-03-17T12:07:26","modified_gmt":"2023-03-17T12:07:26","slug":"das-geheime-leben-von-fast-allem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guentersahler.de\/?p=16571","title":{"rendered":"Das geheime Leben von (fast) allem"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00dcber die Jahre erschienen einige Sachb\u00fccher, die Leserinnen \u00fcber das geheime bzw. das geheimnisvolle Leben von Pflanzen, Insekten, B\u00e4umen und Pilzen aufkl\u00e4rten. Es sind Sachb\u00fccher, die sich an ein breiteres Publikum richten, an der Natur interessierte Leserinnen. Robert Hofrichter hatte den Vorsatz gehabt &#8222;in einem hoffentlich unterhaltsamen Sachbuch \u00fcber Pilze eine m\u00f6glichst allgemeinverst\u00e4ndliche Sprache&#8220; zu verwenden, wenn es auch nicht immer leicht sei (&#8222;Das geheimnisvolle Leben der Pilze&#8220;, S. 69)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Voraussetzung f\u00fcr die Lekt\u00fcre dieser B\u00fccher ist demnach nicht ein Studium in Biologie, sonstigen Natur- oder Geo- oder Forstwissenschaften. Offenbar gibt es einen Bedarf dem Laien dieses &#8222;geheime&#8220; Leben n\u00e4her zu bringen.  So schaffen es diese B\u00fccher auch in die Buchhandlungen und nicht nur in wissenschaftliche Bibliotheken. Eine feine Sache finde ich. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"457\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchbirdplants.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16569\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchbirdplants.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchbirdplants-197x300.jpg 197w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Peter Tompkins \/ Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen. Erschien urspr\u00fcnglich 1973 (T<em>he Secret Life of Plants<\/em>) . Die Abbildung zeigt das Titelbild der 26. Auflage von 2009.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"459\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchmancplants.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16568\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchmancplants.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchmancplants-196x300.jpg 196w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Stefano Mancuso\/Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen. Die Originalausgabe (Verde brillante. Sensibilit\u00e0 e intelligenza del mondo vegetale) erschien 2013 in Italien. Die deutsche Ausgabe im Jahr 2015.<br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Biologe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stefano_Mancuso\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stefano_Mancuso\" target=\"_blank\">Stefano Mancuso<\/a> ist Professor f\u00fcr Pflanzenkunde an der Universit\u00e4t in Florenz. Sein Fachgebiet ist die umstrittene Pflanzenneurobiologie. Alessandra Viola ist Wissenschaftsjournalistin. <\/p>\n\n\n\n<p>Mancuso versucht in dem Buch die Pflanzenwelt in das ihr geb\u00fchrende Licht zu r\u00fccken. Es kann ja auch nicht sein, dass wir weiterhin die Pflanzen als dumme, vor sich hin vegetierende, Dinge betrachten. Pflanzen sind ja keine Steine, nur weil sie &#8222;sesshafte Organismen sind, die sich nicht von der Stelle r\u00fchren&#8220; (S. 8), sondern wie wir Lebewesen. Es ist nicht nur der Wind der sie hin und her bewegt, sondern &#8222;sie wachsen zum Licht, weichen Gefahren aus oder neigen sich in Richtung Kletterhilfe.\u201c (S. 40) Die Autoren stellen dar, wie wir zu unserer Denkweise \u00fcber Pflanzen gekommen sind, sie blicken zur\u00fcck bis in die Antike. <\/p>\n\n\n\n<p>An einigen Stellen des Buches dachte ich mir, dass wir mit unserem Wissen und Denken \u00fcber die Pflanzen noch nicht viel weiter gekommen sind. Noch immer h\u00e4ngen wir in alten Denkweisen fest: \u201eDie Biologie, so kann man sagen, ist dem vorkopernikanischen Denken weiter verhaftet. Sie glaubt, der Mensch sei das wichtigste Lebewesen, um das sich alles dreht.\u201c (S. 42\/43) Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass &#8222;99,5 Prozent der gesamten Biomasse auf der Erde&#8220; (S. 43) die Pflanzen zur Verf\u00fcgung stellen. Und sie erm\u00f6glichen uns erst das Leben auf der Erde, denn \u201eohne Fotosynthese [der Pflanzen] h\u00e4tte sich der Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, nie gebildet. Pflanzen stehen auch am Anfang unserer Nahrungskette und ihnen verdanken wir \u2026 unsere Energieressourcen, die fossilen Brennstoffe \u2026\u201c (S. 9) Trotzdem werden die Pflanzen weiterhin &#8222;v\u00f6llig untersch\u00e4tzt, obwohl unser \u00dcberleben und unsere Zukunft auf der Erde genau davon abh\u00e4ngen.\u201c (S.30) Verwundert bin ich daher, dass wir als Menschen immer noch so wenig \u00fcber die Pflanzen wissen, sie wie mechanische Dinge oder einen leblosen Stein betrachten. Die Kommunikation mit Pflanzen ist nun wirklich nicht so einfach, aber als intelligente Wesen, sollten wir doch versuchen sie zu verstehen, wo sie als Nutzpflanzen doch unsere Grundnahrungsmittel (Mais, Reis, Weizen, Kartoffeln, Soja etc.) und zahlreiche Rohstoffe f\u00fcr die industielle Produktion liefern.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fccher wie &#8222;Die Intelligenz der Pflanzen&#8220; sind erst der Anfang das Wissen \u00fcber die Pflanzenwelt zu dokumentieren. Die Wahrheit \u00fcber das wirkliche Wesen <em>Pflanze<\/em>, so scheint es mir, scheint noch im dichten Nebel versteckt zu sein. Jetzt schon von &#8222;intelligenza&#8220; bei Pflanzen zu reden, geht einigen Kritikern des Buches deutlich zu weit. Sehen, h\u00f6ren, f\u00fchlen, kommunizieren, denken und Entscheidungen treffen &#8211; das k\u00f6nnen wir Menschen (und die Tiere), aber den Pflanzen wird dies abgesprochen. Und gerade dies, also sehen, h\u00f6ren, f\u00fchlen, kommunizieren, denken wollen die Autoren den Pflanzen zusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritiker werfen diesen Art von B\u00fcchern teilweise die Verwendung von W\u00f6rtern wie &#8222;Familie&#8220; und &#8222;Verwandtschaft&#8220; bei Pflanzen vor. Ein Satz wie \u201ePflanzen k\u00f6nnen nicht nur zweifellos Verwandte erkennen, sie sind ihnen auch \u00fcberaus freundlich gesonnen&#8220; klingt provokativ. Wie sollen Pflanzen ihre Kinder, Eltern oder Enkel erkennen? Logischerweise sind dies Metaphern, um mit unserer Sprache, sich ein wenig den Pflanzen als Lebewesen ann\u00e4hern zu k\u00f6nnen. Wenn man sich aber klar macht, &#8222;dass das eigentliche Ziel des Lebens die Verteidigung des eigenen Erbguts ist [, ist] \u2026 jede Konkurrenz mit engen Blutsverwandten nichts als Energieverschwendung.\u201c (S. 92\/93) Ich denke so l\u00e4sst sich doch verstehen, was mit der Metapher <em>Verwandtschaft<\/em> hier gemeint ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen die Pflanzen zumeist nur als Lebewesen \u00fcber der Erdoberfl\u00e4che. Die Wurzeln betrachten wir als Beiwerk, dass die Pflanze in der Erde verankert, w\u00fcrde sie doch sonst vom Wind weggetragen. Klar wissen wir, dass die Pflanzen \u00fcber die Wurzeln Wasser und N\u00e4hrstoffe aufnehmen. Aber sonst? \u00dcberhaupt ist die Wurzel\u00f6kologie noch eine Welt f\u00fcr sich, mit denen sich auch nicht all zu viele Forscher zu besch\u00e4ftigen scheinen (vgl. aber B\u00fccher wie \u201eWurzelatlas\u201c und \u201ePflanzenwurzeln\u201c oder Forscherinnen wie Lore Kutschera, Erwin Lichtenegger oder Monika Sobotik, Webseite: wurzelforschung.at). Spannend finde ich auch das, die \u201eKommunikation zwischen Pflanzen&#8220; \u00fcber &#8222;unz\u00e4hlige chemische Molek\u00fcle in Luft oder Wasser abl\u00e4uft\u201c (S. 90) und sie sogar mit Insekten in Kontakt treten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"470\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchgoulinsec.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16567\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchgoulinsec.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchgoulinsec-191x300.jpg 191w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Dave Goulson: Das Summen in der Wiese &#8212; Das geheime Leben der Insekten. Die Orginalausgabe (A Buzz in the Meadow) erschien 2014 in Gro\u00dfbritannien. In Deutschland 2016. Die Abbildung zeigt die Taschenbuchausgabe von 2018.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"490\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchwohlltrees.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16566\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchwohlltrees.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/buchwohlltrees-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Peter Wohlleben: Das geheime Leben der B\u00e4ume. Das Buch erschien erstmals 2015.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"476\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/buchhalbe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16920\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/buchhalbe.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/buchhalbe-189x300.jpg 189w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Torben Halbe: Das wahre Leben der B\u00e4ume. Das Buch erschien erstmals 2017. Titelbild: Vierte Auflage 2020.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In einer gr\u00f6\u00dferen Buchhandlung auf der Weender Stra\u00dfe in G\u00f6ttingen gibt es auf der ersten Etage drei Bereiche in denen man B\u00fccher, die sich im weitesten Sinne mit Natur besch\u00e4ftigen, finden kann. Hier w\u00e4re zuerst der Bereich mit popul\u00e4rwissenschaftlicher Literatur. Dort finden sich B\u00fccher, die sich wissenschaftlichen Themen widmen, aber an ein breites Publikum gerichtet sind. Dann gibt es in einer ganz anderen Ecke der Buchhandlung einen Bereich mit Garten- und Naturb\u00fcchern. Hier fand ich auch alle B\u00fccher von Peter Wohlleben, aber auch Joe Harkness&#8216; &#8222;Bird Therapy&#8220; oder einen unglaublich dicken Insektenf\u00fchrer sah ich dort. In einer anderen Ecke, direkt neben den Fach- und Lehrb\u00fcchern f\u00fcr Mediziner, waren Fach- und Lehrb\u00fccher f\u00fcr Forst- und Landwirte, wo  auch ein paar B\u00fccher zur Biologie standen. Alle drei Bereiche waren r\u00e4umlich getrennt, wohl weil die Buchh\u00e4ndlerinnen dachten, dass das Zielpublikum unterschiedlich sei. Vielleicht ist dies auch so. Der Leser der sich f\u00fcr die Natur interessiert, beispielsweise Tiere und Pflanzen bestimmen will, die er bei einem Spaziergang gesehen hat, m\u00f6chte nun nicht unbedingt detailliert wissen, wie ein Wald bewirtschaftet wird (oder vielleicht heute doch?). Peter Wohllebens &#8222;Das geheime Leben der B\u00e4ume&#8220; vermischt die Bereiche etwas. Aus seiner Sicht als F\u00f6rster schreibt er einerseits dar\u00fcber, weshalb der Wald in dem Zustand ist wie er nun ist und was man anders machen k\u00f6nnte, und andererseits baut er in seine Texte neuere Erkenntnisse der Wissenschaft ein, die versuchen das \u00d6kosystem Wald n\u00e4her zu erkl\u00e4ren. Letzteres schlie\u00dft sich inhaltlich an die Forschungen von Stefano Mancuso an. &#8222;Die Intelligenz der Pflanzen&#8220; (2013\/dt. 2015) und &#8222;Das geheime Leben der B\u00e4ume&#8220; (2015) erschienen in der gleichen Zeit. Torben Halbes &#8222;Das wahre Leben der B\u00e4ume&#8220; erschien 2017 als Antwort auf Wohllebens Buch, d.h. ohne &#8222;Das geheime Leben der B\u00e4ume&#8220; h\u00e4tte es &#8222;Das wahre Leben der B\u00e4ume&#8220; nie gegeben. Die Antwort von Halbe entstand, weil offenbar Teile der Forstwissenschaft meinte die Aussagen von Wohlleben gerader\u00fccken zu m\u00fcssen, bevor die Leser von Wohllebens Buch weiter auf falsche F\u00e4hrten gelockt w\u00fcrden. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Wikipedia-Artikel zum Autor Peter Wohlleben wird in der Kritik erw\u00e4hnt, dass Wohlleben sich wohl an &#8222;The Secret Life of Plants&#8220; (gemeint ist sicher Peter Tompkins \/ Christopher Bird: &#8222;Das geheime Leben der Pflanzen&#8220;) orientieren w\u00fcrde. Ich hingegen denke, dass man sich evtl. beim Titel an diesem Buch und \u00e4hnlichen orientiert hat, inhaltlich aber eher an den Forschungen von Stefano Mancuso und Kolleginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber noch mal zur\u00fcck zu den drei Regalen in der G\u00f6ttinger Buchhandlung. Wohllebens Buch &#8222;Das geheime Leben der B\u00e4ume&#8220; stand bei den Garten- und Naturb\u00fcchern und bekam vom weit entfernten Regal der Forst- und Landwirte quasi eine Antwort. Da ich aus beiden B\u00fcchern lernen wollte, lie\u00df ich mich gerne auf das &#8222;geheime&#8220; und auch auf das &#8222;wahre&#8220; Leben der B\u00e4ume ein.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"475\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchhofrpilze.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16570\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchhofrpilze.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchhofrpilze-189x300.jpg 189w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Robert Hofrichter: Das geheimnisvolle Leben der Pilze. Das Buch erschien erstmals 2017. Titelbild der Taschenbuchausgabe von 2018. <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Autor <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Hofrichter\" target=\"_blank\">Robert Hofrichter<\/a> ist Zoologe und Biologe. Sein Pilzbuch ist kein Bestimmungsbuch, sondern es geht um das Lebewesen Pilz an sich. So erl\u00e4utert Hofrichter schon fr\u00fch im Buch die Partnerschaft zwischen Pflanzen und Pilzen, die man Mykorrhiza nennt (vgl. Mancuso, S. 95, Wohlleben, S. 50f.). Bei dieser Symbiose &#8222;kommen die F\u00e4den des Pilzes bis in die Zellen der Wurzelrinde des Pflanzenpartners&#8220; (Endomykorrhiza) (S. 15). Mit <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strigolactone\" target=\"_blank\">Strigolactonen<\/a>, Pflanzenhormonen, werden die Pilze zur den Pflanzenwurzel gelockt. Die Pflanzen erhalten \u00fcber die Pilze eine bessere &#8222;Versorgung mit Phosphaten, weiteren N\u00e4hrstoffen und Wasser aus dem Boden&#8220; und der Pilz &#8222;bekommt seinen Anteil am Zucker, den die Pflanze durch Photosynthese erzeugt&#8220;. (S. 26) 90 Prozent der Pflanzen sollen diese Partnerschaft mit den Pilzen eingehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hofrichter erl\u00e4utert, dass Pilze fr\u00fcher zu den Pflanzen gez\u00e4hlt wurden. Es sei vielen Menschen bis &#8222;heute nicht klar, dass unsere Welt mit mehr als nur zwei Grundtypen von Lebewesen bev\u00f6lkert ist. Sie meinen, dass Pilze so etwas wie urt\u00fcmliche Vorfahren der Pflanzen sind. Und so stand es ja lange Zeit auch in den Lehrb\u00fcchern der Botanik.\u201c (S. 17) &nbsp;Aber Pilze seien den Tieren n\u00e4her als den Pflanzen. Die Pflanzen ern\u00e4hren sich \u00fcber die Photosynthese selber, aber die Pilze m\u00fcssen wie die Tiere fressen. Pilze betreiben keine Photosynthese. Die Pilze waren vor den Pflanzen auf der Erde und haben den Pflanzen den Landgang \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht (S. 18, S. 36).<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren spannend finde ich das Kapitel &#8222;Die Evolution der Pilze und ihre Erforschung&#8220; (ab S. 69). Robert Hofrichter schildert hier den langen Weg bis die Pilze als eigene Lebensform anerkannt wurden und sie nicht mehr als &#8222;k\u00fcnstliche Wohnungen von Insekten&#8220; (Friedrich Wilhelm Weis im 18. Jahrhundert) oder &#8222;Produkte verwitternder oder g\u00e4hrender Pflanzenteile und blo\u00dfe Spiele der Natur seyen&#8220; (Georg Friedrich M\u00e4rklin), sondern seit 1969, nach Einteilung (vgl. &#8222;F\u00fcnf Reiche&#8220;\/&#8220;five kingdom taxonomic&#8220;) durch den amerikanischen Botaniker und Klimatologe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Whittaker\" target=\"_blank\">Harding Whittaker<\/a> als Pilze (Fungi) neben den Tieren (Animalia), den Pflanzen (Plantae), den Einzellern (Protista) sowie den Mikroorganismen (Monera) stehen (S. 79). <\/p>\n\n\n\n<p>Wie Eingangs erw\u00e4hnt ist &#8222;Das geheimnisvolle Leben der Pilze&#8220; kein Bestimmungsbuch. Dennoch geht Hofrichter auf die Bestimmung von Pilzen ein. Wobei er dies kritisch betrachtet. Es geht ihm um das Nichtwissen der Laien und die Gefahren, die sich durch eine Verwechslung ergeben k\u00f6nnen und die &#8222;brachiale Weise&#8220; mit der heute wie wild Kofferraumladungen von Pilzen gesammelt werden, die dann per Schwarmwissen von anderen Laien (&#8222;die vielleicht nur geringf\u00fcgig mehr wissen als man selbst&#8220;, S. 122) identifiziert werden sollen. Hofrichter erw\u00e4hnt den Mykologen und Buchautor (&#8222;Illustriertes Lexikon der Pilze&#8220;) Ladislav Hagara, der schrieb, dass &#8222;mutige Nichtwisser in der Lage sind, jeden beliebigen Pilz mit jedem anderen beliebigen Pilz zu verwechseln&#8220; (Zitat auf S. 121)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Jahre erschienen einige Sachb\u00fccher, die Leserinnen \u00fcber das geheime bzw. das geheimnisvolle Leben von Pflanzen, Insekten, B\u00e4umen und Pilzen aufkl\u00e4rten. 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