{"id":16972,"date":"2021-09-11T10:23:36","date_gmt":"2021-09-11T10:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/guentersahler.de\/?p=16972"},"modified":"2022-11-06T10:47:15","modified_gmt":"2022-11-06T10:47:15","slug":"buch-das-6-sterben-wie-der-mensch-naturgeschichte-schreibt-e-kolbert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guentersahler.de\/?p=16972","title":{"rendered":"Buch: &#8222;Das 6. Sterben \u2013 Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt\u201c (E. Kolbert)"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim aktuellen Artensterben, dem sechsten Sterben der Arten in der Erdgeschichte, dachte ich in erster Linie an das Insektensterben. Das die Zahl der Insekten dramatisch in den letzten Jahrzehnten gesunken ist, kann man sich schnell vor Augen f\u00fchren, wenn man sich an lange Autobahnreisen vor 20 oder 30 Jahren erinnert: Die Frontscheibe war zumindest im Sommer stets voll mit verungl\u00fcckten Insekten. Heute bleibt die Windschutzscheibe fast ganz sauber. Dieses Beispiel ist jedem sofort bewusst und kann es best\u00e4tigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Klimawandel als Problem ist mittlerweile in weiten Teilen der westlichen Bev\u00f6lkerung angekommen und zum Teil auch als ein Solches erkannt und akzeptiert. Das das Artensterben ein Problem sein k\u00f6nnte hinkt in der \u00d6ffentlichkeit noch hinterher. Die Massenartensterben in der Vergangenheit und das derzeitige stehen im Mittelpunkt des Buchs &#8222;Das 6. Sterben&#8220; (im Original als &#8222;<em>The Sixth Extinction: An Unnatural History<\/em>&#8222;, 2014) von Elizabeth Kolbert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"490\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/6deathbook.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16973\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/6deathbook.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/6deathbook-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Titelseite von &#8222;Das 6. Sterben&#8220; (2017), Suhrkamp Verlag, 313 Seiten. <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Direkt vorweg gesagt: Obwohl mir bewusst war, dass der Mensch schon \u00f6fters daf\u00fcr gesorgt hat, dass bestimmte Arten ausgestorben sind (oder in bestimmten Regionen fast ausgerottet, siehe Wolf [<em>Canis lupus<\/em>)] in verschiedenen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern), war ich doch erschrocken, dass Kolbert im Buch beschreibt, wie der Mensch nach seinem Auftauchen in einer Region oder auf einem neuen Kontinent, den er besiedelt, \u00fcber kurz oder lang bestimmte Tierarten bis zur Ausrottung jagd. Genannt wird die Ausrottung der flugunf\u00e4higen Moas (<em>Dinornithiformes<\/em>), Laufv\u00f6gel auf Neuseeland durch die polynesische Einwanderer ab dem Ende des 13. Jahrhunderts  &#8212; bereits 100 Jahre sp\u00e4ter waren die Moas ausgestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>Elizabeth Kolbert schreibt, dass die \u00fcber Generationen erfolgte Ausrottung einer Art den Menschen gar nicht bewusst war, weil man nicht wu\u00dfte, dass fr\u00fcher der Bestand der Population noch gr\u00f6\u00dfer war. So kam es vielleicht \u00fcber 1000 Jahre der Bejagung dieser einen Art &#8212; auch wenn nur der notwendige Bedarf f\u00fcr die eigene Ern\u00e4hrung erlegt wurde &#8212; irgendwann zum Aussterben. <\/p>\n\n\n\n<p>Mir f\u00e4llt dabei auch die Bisonjagd in Nordamerika ein, bei der der Bestand von ca. 25 Millionen auf unter 1000 Tiere am Ende des 19. Jahrhunderts dezimiert wurde. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhundert wurde aus dem Bison, den die amerikanischen Ureinwohner zuvor f\u00fcr ihren Bedarf gejagt hatten zu einem Exportschlager, verkauft wurden die H\u00e4ute der Bison \u00fcberwiegend ins Ausland. Bekannt sind auch die Fotos aus den 1870er Jahren mit H\u00fcgeln aus Bison-Sch\u00e4deln.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nun konkret zum Buch. Elizabeth Kolbert hat viel recherchiert und bei zahlreichen Themen einige Orten besucht und sich dort mit Wissenschaflern getroffen, sodass sich das Buch in weiten Teilen wie eine Reportage liest. Eines der Recherchethemen war, wie es dazu kam, dass man verstand das Arten aussterben k\u00f6nnen. Carl von Linn\u00e9, der die bin\u00e4re Nomenklatur einf\u00fchrte, nach der wir bis heute den Arten Namen geben, sah einen Unterscheidung zwischen lebenden und ausgestorbenen Arten als nicht notwendig. Er listete 1758 nur lebende Arten auf. Die ausgestorbenen Arten sammelte man damals aber durchaus schon in Kuriosit\u00e4tenkabinetten. Aber erst Jean-L\u00e9opold-Nicholas Fr\u00e9d\u00e9ric Cuvier (Achtung er hat einen Bruder: Fr\u00e9d\u00e9ric Cuvier, der ebenfalls Zoologe war) besch\u00e4ftigte sich damit, dass eine Art aussterben konnte. Es hatte also eine Welt vor der unseren gegeben. Eine Welt deren Arten nun nicht mehr existierten. Cuvier glaubte zwar daran, dass Arten aussterben konnten, aber den Transformismus, also die Evolutionstheorie lehnte er ab. Jean-Baptiste Lamarck hingegen glaubte an die Ver\u00e4nderbarkeit der Arten, lehnte aber Cuviers Aussterbentheorie ab. Fossilienfunde, wie die der Sammlerin Mary Anning, lie\u00dfen also richtig intepretiert erkennen, dass es zuvor andere Arten auf der Erde gegeben hatte. <br>Es folgen die Thesen des Geologen Charles Lyell, nachdem sich ein Artensterben so langsam fortschritt, dass es in der Zeit an einem bestimmten Ort unbemerkt blieb. Lyell vertrat die Auffassung, dass verschwundene Lebewesen unter geeigneten Bedingungen wieder auftauchen w\u00fcrden. Das ein Lebewesen sich aber weiterentwickeln und sich neue Arten entwickeln k\u00f6nnten war f\u00fcr ihn unverstellbar. Das dies aber die Normalit\u00e4t ist, begann mit Charles Darwins ber\u00fchrten Fahrt auf dem Schiff Beagle. Tiere, ja auch Menschen, hatten sich in einem langen Transformationsprozess entwickelt, der \u00fcber viele Generationen stattgefunden hatte. F\u00fcr Darwin geh\u00f6rten Evolution und Aussterben zusammen. Das Entstehen einer neuen Art vollzieht sich sehr langsam und ist im Gegensatz dem Aussterben einer Art nicht beobachtbar.<br>Elizabeth Kolbert arbeit sich so durch die Entdeckungen der verschiedenen Wissenschaftler und kommt so in die Gegenwart, dem Anthropoz\u00e4n.<br>Den Begriff Anthropoz\u00e4n stammt vom niederl\u00e4ndischen Meteologen Paul Crutzen, weil er fand, dass wir auf der Erde nicht mehr im Zeitalter des Holoz\u00e4n leben, sondern ein Zeitalter erreicht haben, in der der Mensch bleibende erdgeschichtliche Spuren hinterlassen hat. Dies betrifft die vom Menschen umgestaltete Landfl\u00e4che, die umgeleiteten und einged\u00e4mmten Fl\u00fcsse, den S\u00fc\u00dfwasserverbrauch oder die Ver\u00e4nderung der Atmosph\u00e4re beispielsweise durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe und die Abholzung der W\u00e4lder, die den Gehalt an Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) in der Luft hat ansteigen lassen. Die Zunahme von CO<sub>2<\/sub> in der Atmosph\u00e4re kann zu einem globalen Temperaturansieg von zwei bis vier Grad f\u00fchren. Dieser Klimawandel hat nat\u00fcrlich Einfluss auf die Arten und ihre Lebensr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>Elizabeth Kolbert ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. F\u00fcr &#8222;<em>The Sixth Extinction: An Unnatural History<\/em>&#8220; erhielt Elizabeth Kolbert 2015 den Pulitzer-Preis in der Kategorie General Non-Fiction (Sachbuch) und das Buch wurde im selben Jahr als <em>Wissensbuch des Jahres<\/em> ausgezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim aktuellen Artensterben, dem sechsten Sterben der Arten in der Erdgeschichte, dachte ich in erster Linie an das Insektensterben. 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