{"id":21892,"date":"2022-06-12T12:07:00","date_gmt":"2022-06-12T12:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/guentersahler.de\/?p=21892"},"modified":"2022-11-05T17:54:54","modified_gmt":"2022-11-05T17:54:54","slug":"buch-wie-das-meer-nach-hause-kam-b-brunner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guentersahler.de\/?p=21892","title":{"rendered":"Buch: &#8222;Wie das Meer nach Hause kam&#8220; (B. Brunner)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"473\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/brunner01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21994\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/brunner01.jpg 300w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/brunner01-190x300.jpg 190w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Umschlag: Bernd Brunner &#8222;Wie das Meer nach Hause kam&#8220;<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bei dem Buch von Bernd Brunner handelt es sich um eine kulturwissenschaftliche Arbeit. Wie es der Titel schon beschreibt, geht es hier nicht um Pflege, Haltung oder die Auswahl von Pflanzen und Fischen f\u00fcr ein Aquarium, sondern es werden die \u00c4nf\u00e4nge Aquaristik in der westlichen Welt beschrieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Menagerien, die Vorl\u00e4ufer der Tierg\u00e4rten, wurde mit dem Aquarium versucht, die Tierwelt in unsere Welt zu holen. Die Tiere die im Meer lebten, kannte kaum einer. Dabei ist der Wunsch, das Meer und deren Bewohner kennenzulernen, &#8222;diese Lust am Meer ist noch gar nicht so alt, sie bildete sich erst im 18. Jahrhundert heraus. Vorher war das Meer &gt;eine Art Tabu und Ort der Angst per excellence&lt; &#8230; Die Fluten waren ein verdammtes Reich der Finsternis, in dem sich Monster von abenteuerlicher Gestalt gegenseitig das Leben zur H\u00f6lle machen und alles verschlingen.&#8220; (Brunner, S. 13)<\/p>\n\n\n\n<p>Fischer, Kaufleute oder Naturforscher kannten das Meer. Die restliche Bev\u00f6lkung hielt sich ihm eher fern. Erst allm\u00e4hlich traute man sich mit Vern\u00fcgen an den Strand, &#8222;als Ort, an dem es sich aufzuhalten lohnt &#8230; Untersuchungen \u00fcber die heilsamen Wirkungen des Meerwassers unterst\u00fctzen die Gr\u00fcndung von Badeorten an den K\u00fcsten &#8211; erst in England, etwas sp\u00e4ter in Deutschland und Frankreich.&#8220; (Brunner, S. 14)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"255\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/badeka001.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21997\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/badeka001.jpg 400w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/badeka001-300x191.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption>Strandvern\u00fcgen &#8222;Am Wasser&#8220; der Ostsee (&#8222;Gru\u00df aus Kellerhusen&#8220;, Postkarte fr\u00fches 20. Jh.). Aus sittlichen Gr\u00fcnden zog man sich im Badekarren um und ging von dort mit angemessener Badekleidung auch ins Wasser.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Naturforscher oder Biologen traten auch an die K\u00fcsten und erforschten die Meeresoberfl\u00e4chen, &#8222;aber die Unterwasserwelt und vor allem die Tiefsee behalten ihre Geheimnisse noch geraume Zeit f\u00fcr sich.&#8220; (Brunner, S. 15) Doch sie begann sie aber &#8222;Bootsfahrten auf dem Meer zu unternehmen und mithilfe von Fischern Meerestiere zu sammeln.&#8220; (Brunner, S. 15)<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Geist heraus kam es auch zur Entwicklung des Aquariums. Als einen der Personen, die die Haltung von Pflanzen und Tieren in einem Glasbeh\u00e4lter bekannt machte gilt der Engl\u00e4nder Philip Henry Gosse (1810 &#8211; 1888). &#8222;In seinem 1853 ver\u00f6ffentlichtem Buch A Naturalist\u00b4s Rambles on the Devonshire Cost &#8230; tauch der Begriff des &gt;Meeresvivariums&lt; auf, aber auch schon &gt;Meeresaquarium&lt; (&gt;marine aquarium&lt;).&#8220; (Brunner, S. 37) Gosse war ein bekannter Naturforscher, ja ein richtiger Experte der K\u00fcstenfaune. Der nicht nur forschte und publizierte, sondern sein Wissen auch in Vortr\u00e4gen weitergab. Offenbar war er so gut, dass &#8222;die Londoner B\u00fcrger nur so zu seinen Vortr\u00e4gen&#8220; str\u00f6men. (Brunner, S. 41)<\/p>\n\n\n\n<p>Um nun die Flora und Fauna des Meeres besser kennenzulernen, gibt es zwei M\u00f6glichkeiten. Erstens man tauch ins Meer hinab und schaut sich alles vor Ort an. Oder zweitens, man holt sich Pflanzen und Tiere aus dem Meer, setzt sie in einen Teich oder ein Gef\u00e4\u00df aus Glas und versucht die Unterwasserwelt nachzubilden. Philip Henry Gosse war ein Anh\u00e4nger der zweiten M\u00f6glichkeit. F\u00fcr hatte dies den Vorteil, dass man sich auf diese Weise &#8222;mit den &gt;seltsamen Gesch\u00f6pfen des Meeres&lt; bekanntmachen, ohne daf\u00fcr mit einer komplizierten Taucherapparatur in die Tiefen hinabsteigen zu m\u00fcssen. Fast ver\u00e4chtlich \u00e4u\u00dfert sich Gosse \u00fcber einen franz\u00f6sischen Zoologen (&#8230; Henri Milne-Edwards), der in einem wasserdichten Anzug, mit einer besonderen Brille und einem Atemrohr versehen, den Grund des Mittelmeeres entlangwanderte, um auf direkte Tuchf\u00fchlung mit dem unterseeischen Leben zu gelangen.&lt; (Brunner, S. 42)<\/p>\n\n\n\n<p>Im deutschen Sprachraum wurde erstmals 1854 \u00fcber das Aquarium berichtet. Die Zeitschrift &#8222;Die Gartenlaube&#8220; ver\u00f6ffentliche einen Artikel mit dem Titel &#8222;Der Ocean auf dem Tische&#8220;. Der Mitbegr\u00fcnder der Gartenlaube, Emil Adolf Ro\u00dfm\u00e4\u00dfler, war einer der F\u00f6rderer des Aquariums. Von ihm erschien 1857 das Buch &#8222;Das S\u00fc\u00dfwasser-Aquarium &#8211; Eine Anleitung zur Herstellung und Pflege desselben&#8220;. Ein S\u00fc\u00dfwasser-Aquarium war gregen\u00fcber dem Meeres-Aquarium der bequemere Weg. Die Schwierigkeiten beim Meeres-Aquarium begannen schon mit der Beschaffung des Meerwassers, weshalb man es auch k\u00fcnstlich mit Kochsalz, Bromnatrium, schwefelsaurem Kali, Glaubersalz, Gips, Magnesia und Chlormagnesium herstellte (Brunner, S. 64). <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/wien021.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Clownfisch und Seeanemone im Haus des Meeres, Wien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ab 1869 wurden exotische Zierfische nach Europa exportiert. Als erstes wurden Makropoden (Paradiesfische) geliefert. Fischer und auch Schiffpassagiere brachten von ihren Fahrten lebende Fische mit. &#8222;Einheimische fangen die Tiere meist mit Keschern und Wurfnetzen in der freien Natur, zuweilen werden kleine Seitenarme von Fl\u00fcssen abgesperrt. Bekannt ist auch der Einsatz von Pflanzengiften aus Baumrinden und Bl\u00e4ttern, die in niedriger Konzentration in das Wasser gegeben werden, um die Fische zu bet\u00e4uben&#8220;. (Brunner, S. 74)<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den heimischen Wasserbeh\u00e4ltern gab es ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch erste \u00f6ffentliche Schauaquarien. Das erste dieser Art er\u00f6ffnete 1853 im Londoner Regent\u00b4s Park. Auf dem europ\u00e4ischen Kontinent folgen Aquaien in Paris und Wien. Das Wiener Aquarium wurde 1860 von Gustav J\u00e4ger eingerichtet. In Paris gibt es ein Deckenaquarium, bei dem die &#8222;Decke ganz aus Glas ist und in der der Zuschauer mit steil nach oben gerichtetem Blick das Treiben im Becken beobachten kann &#8211; so als w\u00fcrde er selbst auf dem Meeresgrund stehen.&#8220; (Brunner, S. 97)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/sylt002.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Glastunnel im Meerwasser-Aquarium in Westerland, Sylt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnt werden von Bernd Brunner au\u00dferdem Aquarien die von der Wissenschaft genutzt wurden. Beispielsweise das 1874 er\u00f6ffnete &#8222;Stazione Zoologica&#8220; bei Neapel. Die Wissenschaftler gingen nun selber ins Meer, tauchten und brachten von dort Lebewesen mit, die sie sp\u00e4ter im Labor untersuchten.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/wien007.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Haus des Meeres, Wien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute gibt das Ozeanarium &#8222;die f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, die Meeresfauna noch authentischer zu zeigen&#8220; (Brunner, S. 111). Auf der anderen Seite gibt es Parks wie die Sea-Life-Center, bei denen weniger das Erlangen von Wissen, sondern mehr das Vern\u00fcgen im Vordergrund steht. <\/p>\n\n\n\n<p>Brunners Buch gibt einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der Aquaristik und der Aquarianer, l\u00e4\u00dft dabei die Jetztzeit nicht aus und nennt auch die berechtigte Kritik. \u00c4hnliche B\u00fccher zum Thema: Das 2018 ver\u00f6ffentlichte Buch von Mareike Vennen &#8222;Das Aquarium &#8211; Paktiken, Techniken und Medien der Wissensproduktion (1840 &#8211; 1910)&#8220; oder ganz speziell zur Heimhaltung des Schwanzlurch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Axolotl\" target=\"_blank\">Axolotl<\/a> im Aquarium, dass Buch von Christian Rei\u00df &#8222;Der Axolotl &#8211; ein Labortier im Aquarium&#8220;, welches 2020 erschien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem Buch von Bernd Brunner handelt es sich um eine kulturwissenschaftliche Arbeit. 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