{"id":23211,"date":"2016-07-02T08:59:00","date_gmt":"2016-07-02T08:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/guentersahler.de\/?p=23211"},"modified":"2026-03-11T17:43:21","modified_gmt":"2026-03-11T17:43:21","slug":"interview-mit-detlef-surrey-illustrator-und-zeichner-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guentersahler.de\/?p=23211","title":{"rendered":"Interview mit Detlef Surrey,  Illustrator und Comiczeichner (2016)"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"163\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Logo-Surrey.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37668\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Logo-Surrey.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Logo-Surrey-300x98.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ein Antiheld, in einem rasanten Abenteuer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 Ein Interview mit Detlef Surrey, dem Zeichner von \u201eEmil\u201c \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Der Comic-Strip \u201eEmil\u201c von Illustrator und Zeichner Detlef Surrey erschien ab 1983 f\u00fcr die folgenden acht Jahre im Berliner Stadtmagazin \u201eZitty\u201c. Auf der Suche nach den Urspr\u00fcngen von Emil bin ich auf mehrere B\u00fccher gesto\u00dfen, an denen Detlef Surrey in den fr\u00fchen Achtziger Jahren beteiligt war. Bevor ich mit dem Berliner Zeichner ein E-Mail-Interview f\u00fchrte, schaute ich mir zun\u00e4chst diese B\u00fccher an und informierte mich ein wenig \u00fcber die damaligen Underground-Comix-Zeichner in Westdeutschland.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"621\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37648\" style=\"width:503px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey1.jpg 700w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey1-300x266.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Comicbuch \u201eLegal, Illegal, Schei\u00dfegal! \u2013 Der illustrierte H\u00e4userkampf\u201c (VSA-Verlag, Hamburg, 1981), dessen Inhalt \u00fcber die linksalternative West-Berliner \u201eInstandbesetzer\u201c-Szene berichtete, erz\u00e4hlt ein St\u00fcck Zeitgeschichte: Den Kampf von Wohnungsbaumanagern, St\u00e4dteplanern sowie der Polizei auf der einen Seite und B\u00fcrgerinitiativen, die zum Abbruch vorgesehene H\u00e4user besetzten, auf den anderen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz Wohnungsmangel gab es damals in West-Berlin Tausende von leerstehenden Wohnungen. Hunderte von H\u00e4usern galten als entmietet, weil die Eigent\u00fcmer auf Wohnungssanierungen verzichtet hatten, mit dem Ziel so leichter einer Abbruchgenehmigung zu erhalten, um sp\u00e4ter auf dem Grundst\u00fcck Luxuswohnungen zu bauen, die sich die alten Mieter nie h\u00e4tten leisten k\u00f6nnen. Es kam vor allem im dichtbesiedelten Bezirk Kreuzberg zu zahlreichen Hausbesetzungen, die oft durch R\u00e4umungen seitens der Polizei beendet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch einige Comiczeichner waren damals aktiv dabei und illustrierten die Publikationen der Protestbewegung mit ihren Cartoons und Comics. In ihrem Comicbuch \u201eLegal, Illegal, Schei\u00dfegal!\u201c fassten Peter Fuchs, Harald Juch, Peter Petri und Detlef Surrey ihre Cartoons und Comics zum Thema zusammen und erz\u00e4hlen darin Geschichten aus der Hausbesetzerbewegung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"464\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37651\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey2.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey2-300x278.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlicher Besetzung \u2013 wieder mit Harald Juch, Detlef Surrey, Peter Petri, Peter Fuchs, verst\u00e4rkt um Rolf Boyke und Tomas Bunk \u2013 entstand 1982 das Comicbuch \u201eFriede, Freude, Eierkuchen\u201c (Semmel-Verlag, Kiel). Dieses Mal allerdings mit einem pazifistischen Grundton.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"449\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37653\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey3.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey3-300x269.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>1983 erschien \u201eIRRWITZ Comics\u201c (Weissmann-Verlag, M\u00fcnchen) von Gerhard Seyfried, Tomas Bunk, Wolfgang Stein (Meisterstein), Detlef Surrey und Hansi Kiefersauer \u2013 der zwischen 1979 und 1983, erst von M\u00fcnchen aus, sp\u00e4ter dann aus Berlin, das \u201eZomix \u2013 Deutsches Komiks\u201c-Magazin machte. Diese Zeichner wurden zum deutschen Underground-Comix gez\u00e4hlt und ver\u00f6ffentlichten in Magazinen wie \u201eHinz &amp; Kunz\u201c, \u201ePardon\u201c, \u201eZomix\u201c, \u201eRad ab\u201c oder \u201eU-Comix\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Gerhard Seyfried mit Comics wie \u201eInvasion aus dem Alltag\u201c (1981 beim Rotbuch Verlag, Berlin) hohe Auflagen erzielte, siedelte Tomas Bunk in die USA \u00fcber und zeichnete dort f\u00fcr \u201eMAD\u201c. Auf der anderen Seite betrat in \u201eIRRWITZ\u201c erstmals Emil die Comicwelt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Frage: Die ersten Comicb\u00fccher an denen Du beteiligt warst, kamen aus der linksalternativen, pazifistischen bzw. Hausbesetzer-Bewegung. Wie kann man sich die Zusammenarbeit der K\u00fcnstler vorstellen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Die Zusammenarbeit begann schon 1979\/80. Da waren Fuchsi, Peter Petri und ich, als in der gleichen Szene zeichnend, aufeinander aufmerksam  geworden. Wir beschlossen \u201eetwas zusammen zu machen\u201c, zogen Hansi Kiefersauer aus M\u00fcnchen und Harald Juch hinzu und konzipierten den \u201eKopf hoch!\u201c Karikaturen-Postkarten-Kalender, den wir dann gemeinsam acht Jahre lang herausgaben.<br>Zuerst im Selbstverlag, sp\u00e4ter im Berliner Leue Verlag. Wir Zeichner erlebten einander als Kollegen und Freunde. Mit Hansi Kiefersauer arbeite ich noch heute im gemeinsam 1998 gegr\u00fcndeten Atelier zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der \u201eKopf hoch!\u201c-Kalender kam also bereits vor dem ersten Comicbuch 1981. Habt ihr jeder f\u00fcr sich gearbeitet und dann alles zum Schluss zusammengeworfen?<br>Ich kann mir denken, dass bei einem Projekt mit mehreren Zeichnern viel organisiert werden muss.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Ja, es hat aber viel Spa\u00df gemacht. Am Anfang stand die Frage: Was wollen wir \u00fcberhaupt machen? Wir wussten nur, dass wir unsere Cartoons zusammenlegen und ein gemeinsames Projekt auf die Beine stetzen wollten. Als die Idee \u201eKalender\u201c stand, mussten wir uns sachkundig machen, wie man so etwas produziert? Wo man es drucken lassen kann? Wie binden? Wer \u00fcbernimmt den Vertrieb? Wie k\u00f6nnen wir es finanzieren?<br>Als das gekl\u00e4rt war, haben wir jeweils unsere Cartoons des letzten Jahres  zusammengetragen. Bei den ersten Kalendern diskutierten wir inhaltlich noch jedes Bild durch: \u201eAnti AKW \u2013 haben wir schon zwei Motive\u201c, \u201eFrauenbewegung \u2013 fehlt noch\u201c. Auch stilistisch: \u201eDa hast du aber noch bessere!\u201d\u2026 etc. Die kleinen Bildchen und die verbindenden Texte haben wir dann zusammen gezeichnet, manchmal direkt vor Ort beim Treffen. Es traf den Nerv der Zeit. Insgesamt lag die verkaufte Auflage bei 5500 bis 8000 St\u00fcck. Das war nicht schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast f\u00fcr Dich das Zeichnen \u201cals Teil der politischen Arbeit\u201c angesehen. Wenn ich mir die Comicb\u00fccher aus dieser Zeit ansehe, \u00fcberrascht mich das Politische dieser Comics, wie es heute wohl selten geworden ist. Gab es da damals Vorbilder?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Sehr stark beeinflusst war ich von den amerikanischen Underground Zeichnern. Gilbert Shelton, Robert Crumb, Ron Cobb. Gerhard Seyfrieds anarchisch optimistischer Humor war lange f\u00fcr mich pr\u00e4gend.<\/p>\n\n\n\n<p><em>In IRRWITZ-Comics hat Emil in der Geschichte \u201eWaffen f\u00fcr die Heilsarmee\u201c seinen ersten Auftritt. Wie kam es dazu?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey: <\/strong>IRRWITZ-Comics war urspr\u00fcnglich als regelm\u00e4\u00dfiges Comicheft geplant. Gerhard Seyfried hatte die Idee und sprach einige Zeichner an, ob sie Lust h\u00e4tten, mit zu machen? Nat\u00fcrlich hatten wir das!<br>Wir trafen uns, brain-stormten drauflos und hatten eine Menge Spa\u00df. Allerdings f\u00fcrchteten wir uns vor der notwendigen Kontinuit\u00e4t eines regelm\u00e4\u00dfigen Heftes und beschlossen daher, zuerst einmal ein Buch herauszubringen.<br>Wir konzipierten es so, dass jeder von uns eine Geschichte zeichnen sollte und die Hauptfiguren der Geschichten sich jeweils zwischen den Geschichten im \u201eCaf\u00e9 IRRWITZ\u201c treffen sollten, um die n\u00e4chste Story einzuleiten. So erdachte ich EMIL.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"621\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37655\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey4.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey4-242x300.jpg 242w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Emil wirkt wie ein einfacher Angestellter, der bei Frau Krauthuber zur Miete wohnt (die ihm sogar das Fr\u00fchst\u00fcck ans Bett bringt), mit W\u00e4rmflasche ins Bett geht, dort \u201cTarzan\u201d-Comics liest und sp\u00e4ter davon tr\u00e4umt selber Tarzan zu sein. Ein harmloser, gutm\u00fctiger, altersloser Typ. Eigentlich ein Antiheld, in einem rasanten Abenteuer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Antiheld ist schon die richtige Beschreibung. Wobei er unwillentlich ja eine Kette von Ereignissen ausl\u00f6st und am Ende von den Punks und Hausbesetzern als Held gefeiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachdem \u201cIrrwitz\u201d nicht fortgesetzt wurde, erschienen die \u201cEmil\u201d-Strips dann in der \u201cZitty\u201d [Berliner Stadtzeitschrift]. Wie hat sich dies ergeben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"404\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37657\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey5.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey5-300x242.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey: <\/strong>1983 war ich f\u00fcr einige Wochen in Barcelona. Die dortige Comic Szene faszinierte mich. Man sp\u00fcrte den kulturellen Aufbruch nach der Stagnation in der Franco-Zeit. Es gab sehr interessante Zeichner (Mariscal, Pere Joan oder Max) und innovative Comic Magazine (El V\u00edbora, Cairo, Makoki, Madriz). Sie waren auch politisch anarchisch \u2013 aber gleichzeitig grafisch sehr interessant! Das hat mich stark inspiriert. Zur\u00fcck in Deutschland brach ich mit meinem Underground Zeichenstil und scribbelte die ersten Emil 4-Bild-Comic-Strips. Die \u201eZitty\u201c reagierte sehr positiv darauf \u2013 und ab Sommer 1983 war der Strip ein fester Bestandteil der Zeitschrift \u2013 bis ich die Serie 1991 einstellte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Emil in der \u201cZitty\u201d wirkte dann mit seinen modischen Klamotten flotter, modern, fast schon cool. Wie kam es dazu, dass Du ihm diese Ver\u00e4nderungen zugesprochen hast? Fast fragt man sich: \u2018Was ist denn mit dem Emil passiert, kaum noch wieder zu erkennen?\u2019<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Ich hatte auf die bestehende Figur aus dem Buch zur\u00fcckgegriffen, aber erst in den Strips hat sie ihren sp\u00e4teren Charakter entwickelt. Ein ironisch-pfiffiger Beobachter der Szene, stets auch mit dem Wunsch \u201edazuzugeh\u00f6ren\u201c, die Trends im Auge zu haben, aber mit den T\u00fccken und Widerspr\u00fcchen k\u00e4mpfend. Die Themen waren immer allgemein menschlich und politisch \u2013 die linksalternative \u00d6ko-, Friedens-und Hausbesetzerbewegung. Frauen- und M\u00e4nnerrollen, Solidarit\u00e4tsbeweg mit Nicaragua.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Emil war dann jeden Monat in der \u201cZitty\u201d vertreten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Die Zitty erschien immer 14-t\u00e4gig. Der Strip wurde aber auch in anderen Stadtmagazinen ver\u00f6ffentlicht, in Stuttgart, Frankfurt, M\u00fcnster, Kiel, Osnabr\u00fcck, K\u00f6ln\u2026 Sogar in Z\u00fcrich im \u201eTell\u201c. Die erschienen monatlich. 1989 \u2013 90 erschien er zus\u00e4tzlich w\u00f6chentlich in AKKU, der Jugendbeilage der WAZ in Essen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Emil-Buch \u201eEmil \u2013 in flagranti\u201c erschien 1987 im Berliner Leue Verlag bei dem ja auch die \u201eKopf hoch\u201c Kalender heraus kamen. Wie kam es dazu?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Gerald Leue war ein unternehmungslustiger Berliner Kleinverleger, mit gro\u00dfer Begeisterung f\u00fcr Cartoons und Comics. In den Jahren seines Bestandes nahm er \u201eRad ab\u201c und den \u201eKopf Hoch! Kalender\u201c in sein Sortiment auf und ver\u00f6ffentlichte etliche B\u00fccher der Berliner Cartoonisten und Comicszene.<br>Ich hatte auch ein Angebot von Lappan gehabt, habe mich dann aber f\u00fcr Leue entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast ja schon vor deinem Studium an der Hochschule der K\u00fcnste (HdK) professionell gezeichnet. Wie konnte Dir das Studium noch weiterhelfen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"452\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37661\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey6.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey6-300x271.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Leider harmonierte es nicht so perfekt. An der HdK waren Comics damals nicht sehr gesch\u00e4tzt. Ich f\u00fchlte mich nicht akzeptiert \u2013 und ha e andererseits Fans und Best\u00e4tigung im \u201erichtigen Leben\u201c. So habe ich mich ziemlich aus der Schule zur\u00fcckgezogen und mich aufs Comic-Zeichnen konzentriert. Da habe ich auch viel verpasst, das sehe ich im Nachhinein. Das bedauere ich heute.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Als Abschlussarbeit an der HdK hast Du die Graphic Novel \u201eTransit Berlin\u201c, einen Rundgang durch Berlin, gezeichnet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> \u201eTransit Berlin\u201c ist ein Roadmovie Rundgang durch 24 Stunden West-Berlin 1985 \u2013 vier Jahre vor dem Fall der Mauer. Eine interessante Zeit, finde ich heute noch. Leider ist die Geschichte in<br>sich abgeschlossen und mit 24 Seiten viel zu kurz f\u00fcr ein eigenes Album.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber die Jahre hast Du die Geschichten mit Emil vom Strip mit einer unerwarteten Pointe zu einer Ein-Bild-Zeichnung mit Tiefgang entwickelt. Dadurch verschwand f\u00fcr die Leser der sympathische, ja naive Emil, parallel zu deiner pers\u00f6nlichen Entwicklung hast Du auch Emil mit ver\u00e4ndert, er wurde kritischer, nachdenklicher \u2013 damit kamen die Leser wohl zun\u00e4chst nicht zu recht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"372\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37665\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey8.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey8-300x223.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Ja, ich habe die Figur \u201eEmil\u201c bei gleichem Namen zweimal stark ver\u00e4ndert (1983 und 1988). Das entsprach meiner pers\u00f6nlichen Entwicklung, war aber ziemlich ignorant gegen\u00fcber den Lesern und Fans.<br>Das habe ich dann auch an den Reaktionen gemerkt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"388\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37663\" srcset=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey7.jpg 500w, https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/surrey7-300x233.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Interessanterweise waren die Reaktionen der Berliner Zitty Leser nach der Ver\u00e4nderung 1988 eher<br>negativ. Die Leser der AKKU, der w\u00f6chentlichen Jugendbeilage der WAZ, sehr positiv. Die WAZ-Leser<br>kannten die alten Strips nicht, sondern nur die \u201eneue\u201c Pers\u00f6nlichkeit Emils.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wieso hast Du den Emil-Strip dann im Jahr 1991 beendet?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Anfang der 90er Jahre wurde mir bewusst, dass die Szene deren Lebensgef\u00fchl Emil<br>ausgedr\u00fcckt ha e, sich rapide ver\u00e4ndert hatte. Andere Themen wurden wichtiger, das Berufsleben,<br>die Familie. Ich wollte Emil nicht noch ein weiteres Mal ver\u00e4ndern und so entschloss ich mich 1991, die<br>Serie einzustellen. Es war auch f\u00fcr mich selbst ein Abschied. Ich zeichnete nun keine Cartoons und<br>Comics mehr, begriff mich als Illustrator und arbeitete f\u00fcr Agenturen, Zeitschriften und Verlage.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Danach hast Du keine Comics mehr gezeichnet?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Erst 2009 habe ich wieder eine Comicgeschichte gezeichnet. F\u00fcr den Deutschen<br>Bundestag hatte ich 2007 die Figur \u201eKarlchen Adler\u201c entwickelt, f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr Kinder.<br><em>Ob ich denn auch Comics zeichnen k\u00f6nne?<\/em> wurde ich gefragt. Ja, nat\u00fcrlich!<br>Es machte mir sehr viel Spa\u00df, mit der Figur wieder Geschichten zu erz\u00e4hlen, komplizierte Inhalte in Comicform zu fassen und zu vermitteln. Im Moment arbeite ich an einer weiteren Geschichte<br>mit \u201eKarlchen Adler\u201c. Sie spielt in und um das Reichstagsgeb\u00e4ude.<\/p>\n\n\n\n<p><em>K\u00f6nnte der alte Emil heute noch leben und ver\u00f6ffentlicht werden? So wie es Zeitungscomics gibt<br>die seit den 60er Jahren erscheinen (\u00fcber verschiedene Zeichner hinweg).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Wenn ich die Emil-Strips heute anschaue, ist mir bewusst, dass sie sehr stark das<br>Lebensgef\u00fchl der damaligen Zeit \u2013 und da auch einer bestimmten Szene wiedergaben. Es war die<br>alternative Welt West-Berlins, der Friedens- und \u00d6kobewegung. Darin lebte Emil als Mitwirkender<br>wie als Beobachter. Es ist ein bisschen dokumentierte Zeitgeschichte. Ich hatte Emil nie als reinen<br>Funny Strip empfunden. Er war immer eingebettet in die politischen und gesellschaftlichen Str\u00f6mungen.<br>Von daher ist vieles heute kaum noch verst\u00e4ndlich ohne die damaligen Zusammenh\u00e4nge zu betrachten. Manchmal denke ich tats\u00e4chlich daran, ihn wieder au eben zu lassen. Heute, als \u00e4lter gewordenen Protagonisten, mit der bekannten Vergangenheit in der heutigen ver\u00e4nderten Welt. Vielleicht<br>kommt das ja noch?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Heute, 20 Jahre nach dem Ende der Emilserie hast Du bei Facebook eine Emil-Fanseite. Gibt es dort, aber<br>auch im realen Leben noch Leute, die Dich auf Emil ansprechen, weil sie damals die Strips in der Zitty<br>gelesen haben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Detlef Surrey:<\/strong> Ja, das erlebe ich immer wieder. Manche erz\u00e4hlen, dass er zu ihrer Jugend geh\u00f6rte, dass er sie eine Weile begleitet hat. Das freut mich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Detlef Surrey im Internet:<br><a href=\"https:\/\/surrey.de\/\">surrey.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dort gibt es auf der Seite auch eine Version dieses Interviews mit weiteren Bildern:<br><a href=\"https:\/\/surrey.de\/2015\/07\/interview-zum-comic-strip-emil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/surrey.de\/2015\/07\/interview-zum-comic-strip-emil\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/guentersahler.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/froglink.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Antiheld, in einem rasanten Abenteuer \u2013 Ein Interview mit Detlef Surrey, dem Zeichner von \u201eEmil\u201c \u2013 Der Comic-Strip \u201eEmil\u201c von Illustrator und Zeichner Detlef Surrey erschien ab 1983 f\u00fcr die folgenden acht Jahre im Berliner Stadtmagazin \u201eZitty\u201c. Auf der &hellip; <a href=\"https:\/\/guentersahler.de\/?p=23211\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":37668,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[33,85],"tags":[],"class_list":["post-23211","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog","category-interview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23211"}],"collection":[{"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23211"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23211\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37676,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23211\/revisions\/37676"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/37668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23211"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23211"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guentersahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}