{"id":36413,"date":"2025-10-12T15:51:46","date_gmt":"2025-10-12T15:51:46","guid":{"rendered":"https:\/\/guentersahler.de\/?p=36413"},"modified":"2025-10-12T20:08:06","modified_gmt":"2025-10-12T20:08:06","slug":"schreiben-als-denkwerkzeug-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guentersahler.de\/?p=36413","title":{"rendered":"Exkurs: Schreiben als Denkwerkzeug (1)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zeichnen und Schreiben als Denkwerkzeug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das wissens- oder erkenntnisgenerierendem Zeichnen wird <em>Epistemischem Zeichnen<\/em>&nbsp;genannt. Damit kann Zeichnen auch als Denkwerkzeug verwendet werden. In diesem Exkurs geht es aber nicht ums Zeichnen, sondern um Schreiben als Lern- und Denkmethode. Das <em>Epistemische Schreiben<\/em> oder auch als <em>Epistemisch-heuristisches Schreiben<\/em> bezeichnet. Schreiben als Mittel zur Erkenntnisgewinnung und zur Reflexion. Dazu zun\u00e4chst ein paar allgemeine Gedanken, die ich aus meiner Masterarbeit &#8222;Schreiben als Denkwerkzeug und Partizipationsmethode&#8220;. Danach geht es speziell um Schreiben als Methode beim Nature Journaling.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Erwachsene als Schreibnovize<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Denkwerkzeug Schreiben wird von vielen Menschen kaum als solches angesehen und nicht in wirksamer Weise eingesetzt. Als eine Ursache f\u00fcr diese Entwicklung sieht Scheidt die Schule, die uns den Spa\u00df am Schreiben genommen habe, so dass wir das Schreiben als vielversprechendes Werkzeug den professionellen Schreibern (Journalisten, Schriftstellern, Dichtern) \u00fcberlassen (Brugger 2004, S. 26). Illich und Sanders (1988) ermittelten einerseits die moderne Erziehung \u2013 durch Zwangsalphabetisierung \u2013 und andererseits die moderne Kommunikation als Bedrohung der Lese- und Schreibkompetenz. Doch sie sehen ein Paradox, denn \u201eso nachteilig die Nebenwirkungen der Zwangsalphabetisierung f\u00fcr die meisten unserer Zeitgenossen auch waren, bildet die F\u00e4higkeit lesen und schreiben zu k\u00f6nnen, das einzige Bollwerk gegen die Aufl\u00f6sung der Sprache in \u201aInformationssysteme\u2019\u201c (Illich\/Sanders 1988, S. 9). Um eine \u201eKommunikation ohne Sinn und Bedeutung\u201c (ebd., S. 128) zu verhindern, sei von Lesern und Schreibern nicht nur nach dem \u201eWie\u201c zu fragen, sondern auch nach dem \u201eWarum\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Schule und Ausbildung wird von vielen Menschen darauf verzichtet, das Schreiben von l\u00e4ngeren Texten weiterhin zu praktizieren. Im Extremfall entwickeln sich diese nicht schreibenden Menschen zu funktionalen Analphabeten, die kaum noch schreiben und den Sinn von l\u00e4ngeren Texten verstehen k\u00f6nnen. F\u00fcr den Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung, stellt Lesen und Schreiben grunds\u00e4tzlich kein Problem dar, dennoch wird das Schreiben und Ver\u00f6ffentlichen den Experten \u00fcberlassen. F\u00fcr Schreibinteressierte, die ihre Texte einer \u00d6ffentlichkeit vorstellen m\u00f6chten, sei es in m\u00fcndlicher oder schriftlicher Form, gibt es zahlreiche Barrieren, seien es auf der einen Seite die geringe Anzahl von Schreibgruppen oder auf der anderen Seite die technischen und distributiven H\u00fcrden, die verhindern, dass&nbsp; die Texte in eigener Regie gedruckt und ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigler ist der Ansicht, dass den vielen Nichtschreibern das Schreiben nicht nur \u201eals Mittel der Kommunikation\u201c fehlt, \u201ewas sie in eine Au\u00dfenseiterrolle, wenn nicht an den Rand der Gesellschaft dr\u00e4ngt, sondern mit dem Fehlen von Schreiben fehlt auch die M\u00f6glichkeit \u2013 und der Zwang, ihr Wissen immer wieder durcharbeiten zu m\u00fcssen, was zu einem flexiblen Umgang mit dem eigenen Wissen, zu einem neuen Ordnen und Strukturieren f\u00fchrt, und die Verf\u00fcgbarkeit erh\u00f6ht\u201c (Eigler 1990, S. 110). Schreiben kann demnach von vielen nicht als Denkwerkzeug genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Schreibende Kinder oder erwachsene Schreibnovizen, die im Schreiben unge\u00fcbt sind, schreiben zun\u00e4chst assoziativ. Typisch daf\u00fcr ist eine \u201e\u201awhat-next\u2019-Strategrie, die sich in der Reihung \u201aund dann &#8230; und dann\u2019 ausdr\u00fcckt\u201c (Fix 2006, S. 52). Der ge\u00fcbte Schreiber beachtet Schreibkonventionen, bezieht die Leser mit ein und findet seinen eigenen Schreibstil. \u201eSchreiben zur Erkenntnisgewinnung als Mittel des Denkens\u201c (ebd.) stellt die h\u00f6chste Stufe dar, wobei hier unklar ist, ob \u201enur professionelle Schreiber das Schreiben als Mittel zur Erkenntnisgewinnung\u201c (ebd., S. 54) einsetzen k\u00f6nnen oder ob dies auch Schreibnovizen lernen k\u00f6nnen. Fix vermutet, dass viele Erwachsene diese letzte und h\u00f6chste Stufe nicht erreichen, da sie zwar medial schriftlich agieren w\u00fcrden, aber in ihren Strukturen bei einer m\u00fcndlichen Sprachverwendung bleiben w\u00fcrden (vgl. Fix 2006, S. 55).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>weiter: Schreiben als Denkwerkzeug (2)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeichnen und Schreiben als Denkwerkzeug Das wissens- oder erkenntnisgenerierendem Zeichnen wird Epistemischem Zeichnen&nbsp;genannt. Damit kann Zeichnen auch als Denkwerkzeug verwendet werden. In diesem Exkurs geht es aber nicht ums Zeichnen, sondern um Schreiben als Lern- und Denkmethode. 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