Tour auf :metabolon

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Kaum zu glauben, dass wo ich hier nun stehe, vor Jahrzehnten ein Tal war. Nun stehe ich hier vor einem Berg. Ein Berg der in der Gemeinde Lindlar weit sichtbar ist. Von 1982 wurde in das Tal zwischen Lindlar-Remshagen und Engelskirchen Müll abgeladen.

Blick auf das :metabolon-Gelände von der Schöpfungskapelle bei Lindlar-Remshagen aus.

Über das Vorhaben in dem Tal eine Mülldeponie zu errichten, berichtete Ende 1977 auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel:

„Jetzt soll mitten in der ländlichen Idylle eine neue Talsperre entstehen: 750 Meter lang, 400 Meter breit — so groß wie 40 Fußballfelder: ein Stauwall, fast so hoch wie der Kölner Dom. Gestaut werden soll jedoch kein Gewässer, sondern Dreck: neun Millionen Kubikmeter Müll. Die wohl größte Dreck-Deponie der Bundesrepublik, die den Abfall von 500 000 Menschen aus dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis aufnehmen soll, ist in einer Gegend geplant, die Wandervereinen als besonders reizvoll gilt und die überdies als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist: im Leppetal zwischen Lindlar und Engelskirchen.“ (Der Spiegel, 12/1977 Falte voll – DER SPIEGEL)

Ein Müllmann

Gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der Deponie wurde in Lindlar der Freizeitpark angelegt, der 1982 eröffnet wurde und 2021 feierte man hier das 40 Jährige. (Perlen in der Heimat: Lindlarer Freizeitpark ist seit 40 Jahren beliebtes Ausflugsziel | Kölner Stadt-Anzeiger) Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Freizeitpark als Ausgleichsmaßnahme für die Deponie angelegt wurde. Aber wo habe ich das gelesen? Das Internet bietet mir leider keine Quelle.

In einem Satz schaute Der Spiegel-Artiel sogar weit in die Zukunft:

„Zwar müssen 50 Hektar Fichtenwald dem Unrat weichen, aber »eines Tages wird das rekultiviert, und dann wird da fast ein Schmuckkästchen draus«.“ (Der Spiegel, 12/1977 Falte voll – DER SPIEGEL) Das Zitat stammt vom damaligen Oberkreisdirektor des Oberbergischen Kreises, Friedrich Wilhelm Goldenbogen. Ich finde ein „Schmuckkästchen“ ist es zwar nicht geworden, aber dennoch ein interessanter Lernort für Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Stoffumwandlung.

Die Jahrzehnte, in denen das Tal mit Müll befüllt wurde und der Berg entstand, war auch mit manchem Ärger (Geruchsbelästigung in Lindlar-Eichholz z.B.) in der näheren Umgebung verbunden.

Fahne: metabolon – Forschungsgemeinschaft.

Heute steht auf dem Gelände der Deponie die „Stoffumwandlung“ im Vordergrund. Im Freilichtblick, der Zeitschrift der Förder:innen des Freilichtmuseums Lindlar, steht:

„Seit den 1980er-Jahren ist die „Leppe“ Zentraldeponie zur Abfallentsorgung für den Oberbergischen und Rheinisch-Bergischen Kreis gewesen. Im Zuge der Regionale 2010 ist das Projekt :metabolon ins Leben gerufen worden. Unter dem Motto der Stoffumwandlung (Metabolismus) und der Umwelttechnologie ist hier unter der Leitung des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes (BAV) ein außergewöhnlicher Kompetenzstandort entstanden. […] Rund 10.000 Besucher strömten am 25. September 2011 zur Eröffnungsfeier, um sich selbst von der Verwandlung zu überzeugen.“ (Annette Göddertz in Freilichtblick, Nr. 19, freilichtblick_19.pdf)

Gepresste Müllbeispiele
Gepresste Müllbeispiele
Müllmauer

Die Stoffumwandlung (Metabolismus) vollzieht sich hier unter dem Müllberg. Schaue ich mir die gepressten Müllbeispiele auf dem Gelände an, wird der Müll ewig brauchen um zu verrotten. Wie lange benötigt Blech oder Plastik um ganz von der Erde zu verschwinden? Was passiert eigentlich mit dem Berg?

Das Bücherbüdchen: Hier finden alte Bücher eine zweite Heimat und vielleicht auch ein neues Zuhause. Ein Bücherschrank in groß und ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit.

Ich begann meinen Rundgang durchs Gelände am „Bücherbüdchen“, schaute dann ins „Haus der Zukunft“ und besuchte die Demohäuser, kleine Häuser, die hier von der TH Köln errichtet werden (zwei Gebäude stehen schon, ein drittes wird gerade errichtet).

Das „Haus der Zukunft“ und Aufstieg zum Kegel (li).
Im „Haus der Zukunft“ ist eine sehr gute Ausstellung zu Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.
Demohaus M1 der TH Köln.
Demohaus M2 der TH Köln.
Demohaus M2 der TH Köln.
Demohaus M2 der TH Köln.
Wald an den Häusern der Zukunft.
Bäume im Wald an den Häusern der Zukunft.

Große Lust auf den Hügel zu klettern hatte ich zwar nicht, aber einmal mit dem Aufstieg begonnen, wollte ich dann doch oben ankommen. Du meine Güte.

Blick auf :metabolon (li: „Haus der Zukunft“ mit Bistro).

Das abfallende Gelände lag vor Inbetriebnahme der Deponie zwischen 290 und 240 Metern NN. Wie hoch ist der Kegel, also die Spitze des Berges, heute? „Der Tiefpunkt der Deponie liegt auf 202,83 m und der Hochpunkt auf 346,7 m.“ (V4.1) Der Kegel liegt demnach auf 346,7 m über NN. Ganz schön hoch, sodass ich weit über das Bergische Land schauen konnte.

Blick vom Kegel in die umliegenden Täler.