Dies ist Teil meiner Reihe:
Bergische Sketchers
Michael, wie hast Du mit dem Zeichnen und Malen angefangen?
Schon in meiner Kindheit habe ich mit großer Freude gemalt und gezeichnet, und auch in meiner Jugend durchlief ich eine besonders intensive kreative Phase. Im weiteren Verlauf meines Erwachsenenlebens trat das Malen jedoch eher in den Hintergrund und wurde nur noch gelegentlich Teil meines Alltags.
Dennoch blieb ich gestalterisch tätig: In meinem Berufsleben als Möbel-Tischler und Mediendesigner konnte ich meine kreative Seite auf unterschiedliche Weise einbringen.
Erst mit dem Eintritt in den Ruhestand vor etwa drei Jahren habe ich wieder verstärkt zur Malerei zurückgefunden. Inspiriert wurde ich dabei maßgeblich von einer Freundin, die als Kunsttherapeutin arbeitet. Seitdem ist das regelmäßige Malen wieder ein fester und wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden.
Kannst Du Dich noch daran erinnern wie Du auch die Urban Sketchers aufmerksam geworden bist?
Ja, ich erinnere mich noch gut daran: Auf Instagram bin ich auf die Düsseldorfer Urban-Sketchers-Gruppe gestoßen. Die gezeigten Arbeiten und die Atmosphäre dieser Gemeinschaft haben mich sofort angesprochen. Es hat mich fasziniert zu sehen, wie Menschen gemeinsam ihre Umgebung zeichnerisch festhalten und dabei ganz unterschiedliche Blickwinkel und Stile einbringen.
Dieser Eindruck hat in mir den Gedanken geweckt, dass es so etwas doch eigentlich auch in Wuppertal geben müsste. Die Idee, Teil einer solchen Gruppe zu sein und die eigene Stadt auf diese Weise neu zu entdecken, hat mich nicht mehr losgelassen.
Im Juni 2025 hast Du die Urban Sketchers Wuppertal gegründet. Wie kam es dazu? Wie hast Du die ersten Treffen beworben?
Im Mai 2025, während einer Reise nach Portugal, habe ich viel darüber nachgedacht, wie ich meine Kreativität stärker mit sozialen Kontakten verbinden kann. Dabei entstand die Idee, selbst eine Urban-Sketchers-Gruppe in Wuppertal ins Leben zu rufen.
Zurück in Deutschland habe ich dann relativ spontan gehandelt: Über meinen eigenen Instagram-Account habe ich – mit etwa zwei Wochen Vorlauf – zu einem ersten Treffen eingeladen.
Dieses erste Treffen der Urban Sketchers Wuppertal fand schließlich am 28. Juni 2025 im Botanischen Garten statt. Zu meiner großen Freude kamen direkt etwa acht Personen zusammen. Das war ein sehr schöner und motivierender Start, der mir gezeigt hat, dass es auch hier ein echtes Interesse an dieser Art des gemeinsamen Zeichnens gibt.
Ihr bietet alle zwei Wochen Treffen an. Kannst Du mir einen kleinen Einblick in eure Organisation geben?
Eigentlich gibt es bei uns keine festen Organisationsstrukturen – vieles läuft bewusst unkompliziert und offen. Ich übernehme meist die Planung der Treffen, indem ich interessante Orte in Wuppertal heraussuche und gleichzeitig Vorschläge aus der Gruppe aufgreife.
Oft schaue ich mir die ausgewählten Locations vorab persönlich an, um einen besseren Eindruck zu bekommen oder – falls nötig – uns dort anzumelden. So kann ich sicherstellen, dass sich der Ort gut zum gemeinsamen Zeichnen eignet.
Die Termine und Treffpunkte kommuniziere ich dann in unserer internen WhatsApp-Gruppe. Zusätzlich kündige ich die Treffen auch über Instagram und Facebook an, sodass auch neue Interessierte jederzeit dazustoßen können.
Was nimmst Du für Materialien zum Zeichnen mit die Stadt? Hut oder Kappe
Wenn ich in der Stadt zeichnen gehe, versuche ich meine Ausrüstung möglichst kompakt und praktisch zu halten – schließlich ist man ja oft unterwegs und bleibt nicht lange an einem Ort.
In der Regel habe ich ein Skizzenbuch dabei, meist im handlichen Format, dazu einige Fineliner in unterschiedlichen Strichstärken. Ergänzend nutze ich gern Aquarellfarben, entweder als kleiner Kasten oder in Form von Brush Pens, sowie einen Wassertankpinsel, der besonders praktisch für unterwegs ist. Ein Bleistift zum Vorzeichnen gehört ebenfalls dazu, auch wenn ich häufig direkt mit Tinte arbeite. Je nach Lust und Motiv kommen noch Marker oder farbige Stifte dazu. Wichtig ist mir vor allem, dass alles schnell griffbereit ist und ich ohne großen Aufwand anfangen kann zu zeichnen.
Was die Kleidung angeht, spielt das Wetter natürlich eine große Rolle: Im Sommer trage ich meist einen Strohhut als Sonnenschutz, im Winter eher eine warme Mütze. Insgesamt geht es mir darum, mich draußen wohlzufühlen – denn je entspannter die Situation ist, desto freier und konzentrierter kann ich zeichnen.
Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen Sketchern? Gab es schon Anfragen von Wuppertal-USK-Touristen, die bei Ihrem Wuppertalbesuch bei euch mitmachen wollten?
Der Austausch mit anderen Sketchern ist mir sehr wichtig – er ist eigentlich ein zentraler Bestandteil unserer Treffen. Es geht nicht nur ums Zeichnen an sich, sondern auch darum, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen, sich gegenseitig zu inspirieren und ganz ungezwungen voneinander zu lernen. Jeder bringt seinen eigenen Stil und seine eigenen Herangehensweisen mit, und genau das macht die Treffen so lebendig und spannend.
Besonders schön finde ich, dass wir von Anfang an nicht nur Teilnehmende aus Wuppertal hatten. Es sind immer wieder Sketcher aus umliegenden Städten wie Solingen, Krefeld, Sprockhövel, Düsseldorf oder Remscheid dabei gewesen. Das sorgt zusätzlich für Vielfalt und neue Impulse.
Insofern kann man sagen, dass der Austausch über die eigene Stadt hinaus ganz selbstverständlich Teil unserer Gruppe geworden ist – und genau das macht für mich auch den besonderen Reiz der Urban-Sketchers-Bewegung aus.
Wir waren nun mit unserer Sketching-Gruppe „Lindlar skizziert“ auf :metabolon in (ehemalige Mülldeponie, jetzt Forschungszentrum). Neben dem Urban Sketchen beschäftigt Du Dich auch mit Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit. Ob man Urban Sketching und Nachhaltigkeit irgendwie thematisch verbinden kann …?
Ein gutes Beispiel ist die Utopiastadt: ein Ort, an dem urbanes Leben, Kultur und nachhaltige Stadtentwicklung zusammenkommen. Wenn wir dort zeichnen, halten wir nicht nur Architektur oder Szenen fest, sondern auch die Idee dahinter – nämlich wie gemeinschaftlich genutzte Räume und nachhaltige Konzepte in der Stadt funktionieren können.
Ähnlich ist es beim Permakulturhof: Dort wird Nachhaltigkeit ganz praktisch gelebt. Beim Zeichnen solcher Orte richtet sich der Blick automatisch auf Details wie Pflanzenstrukturen, Kreisläufe oder die Art, wie Mensch und Natur zusammenwirken. Das schafft ein ganz anderes Verständnis als ein rein theoretischer Zugang.
Für mich liegt die Verbindung also vor allem darin, dass wir durch das Zeichnen bewusster hinschauen. Urban Sketching kann helfen, nachhaltige Orte sichtbar zu machen, ihre Geschichten zu erzählen und vielleicht auch andere dafür zu sensibilisieren. Es geht weniger um ein festes Thema, sondern eher um eine Haltung: aufmerksam sein, wertschätzen und das, was man sieht, mit anderen teilen.Und nicht zuletzt sehe ich im gemeinsamen Zeichnen auch eine soziale Komponente von Nachhaltigkeit: Menschen kommen zusammen, tauschen sich aus, entdecken ihre Umgebung neu und entwickeln vielleicht auch ein stärkeres Bewusstsein für die Orte, in denen sie leben.
In diesem Sinne kann Urban Sketching durchaus dazu beitragen, Nachhaltigkeit sichtbar und erlebbar zu machen – nicht theoretisch, sondern ganz konkret vor Ort, mit Stift und Papier.
Mein letzter Wuppertalbesuch liegt schon fast 30 Jahre zurück. Da war die Verabschiedung an der Uni am Haspel (Nebengebäude der Uni im Stadtteil Barmen, Druck/Design). Als auswärtiger Student habe ich auch nicht viel von der Stadt mitbekommen, außer dem Bayerwerk, Döppersberg, Schwebebahn bis zum Landgericht, ein wenig von Barmen und der großen Uni am Grifflenberg. Was würdest Du sagen sind die absoluten Hotspots für Sketchers in Wuppertal?
Da hat sich in Wuppertal in den letzten 30 Jahren tatsächlich einiges getan – und für Urban Sketcher gibt es heute eine ganze Reihe richtig spannender Orte mit ganz unterschiedlichen Motiven.
Ein absoluter Klassiker ist der Botanischer Garten Wuppertal. Dort hast Du eine große Vielfalt: Gewächshäuser, alte Bäume, Wege, Ausblicke über die Stadt – ideal, wenn man Natur und Architektur verbinden möchte.
Sehr beliebt ist auch das Luisenviertel mit seinen Cafés, kleinen Plätzen und der lebendigen Atmosphäre. Hier findet man viele urbane Szenen, Menschen, Straßenzüge – perfekt für schnelle, lebendige Skizzen.
Ganz anders wirkt das Briller Viertel: beeindruckende Gründerzeitvillen, viel Ruhe und architektonische Details. Wenn man gerne Fassaden und Ornamente zeichnet, ist das ein echtes Highlight.
Die Schwimmoper Wuppertal bietet mit ihrer markanten Architektur spannende Perspektiven, genauso wie die Historische Stadthalle Wuppertal (oft auch als „Stadthalle“ bekannt), die mit ihrer monumentalen Erscheinung und den Treppenanlagen ein tolles Motiv abgibt.
Kulturell interessant ist auch das Von der Heydt-Museum – sowohl von außen als auch innen. Und mit dem Visiodrom im Gaskessel Wuppertal hast Du inzwischen sogar ein sehr modernes, ungewöhnliches Motiv mit industriellem Charakter und neuer Nutzung.
Nicht zu vergessen: die Schwebebahn selbst. Entlang der Strecke – egal ob an der Wupper, in Vohwinkel oder Richtung Barmen – ergeben sich immer wieder spannende Blickwinkel mit Bewegung, Wasser und Stadtlandschaft.
Insgesamt macht gerade diese Mischung den Reiz aus: Natur, Industrie, Gründerzeit und moderne Stadtentwicklung liegen in Wuppertal oft nur wenige Minuten auseinander – ideal für abwechslungsreiche Sketching-Touren.
Was sind die nächsten Planungen und wie erhoffst Du Dir, dass sich die USK Wuppertal weiterentwickeln?
Für die nächste Zeit geht es mir vor allem darum, die Gruppe kontinuierlich und verlässlich weiterzuführen. Die regelmäßigen Treffen sollen bestehen bleiben, sodass sich eine stabile Routine entwickelt, auf die sich alle verlassen können.
Was die Weiterentwicklung angeht, wünsche ich mir vor allem ein gesundes, nachhaltiges Wachstum – also gerne noch ein paar neue Gesichter, aber ohne dass die Gruppe ihren offenen und unkomplizierten Charakter verliert.
Besonders wichtig wäre mir, dass sich nach und nach noch weitere Personen finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – sei es bei der Organisation von Treffen, der Auswahl von Locations oder der Kommunikation. So könnte sich die Organisation auf mehrere Schultern verteilen und die Gruppe insgesamt noch lebendiger und unabhängiger werden.

Bergische Sketchers
Ich möchte auf die Sketching und Nature Journaling Gruppen in der Region Bergisches Land hinweisen.
Blau = Urban Sketchers, Rot = Nature Journaling, Grün = Sketching und Nature Journaling