Urban Sketching durchs Fenster

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Es gibt Tage der reicht der Blick aus dem Fenster, um ein gutes Motiv zu skizzieren. Bei Regen. Bei unangenehmer Kälte. Bei Zeitmangel. Und es gibt Tage, an denen tatsächlich mal etwas auf der Straße passiert.

Dann erfülle ich sogar vollständig Punkt eins das Manifesto der USK: „We draw on location, indoors or out, capturing what we see from direct observation“. „Indoor“ nach „direct observation“. All zu ernst nehme ich diese Punkte nicht, aber diesen ersten Punkt finde ich nett und inspirierend. Ja, es macht einen Unterschied, ob ich mein Motiv fotografiere, von diesen Fotos dann zeichne oder ob ich nur nach dem zeiche, was ich mit meinen eigenen Auge sehe. Ein Manifest ist kein Gesetzbuch, es geht um Absichten und Ziele. Es geht um Werte, eine Position oder eine Philosophie die eine Gruppe vertritt. Gabriel Campanario, der dieses Manifest wohl verfasste, hätte auch auf andere Weise die Werte, die Position oder die Philosophie des Urban Sketching erläutern können.

Wenn ich nun 20 Jahre nach der Idee des Urban Sketching auf das Jahr 2007 zurückblicke, dann fällt mir ein, dass in dem Jahr auch das iPhone von Apple auf den Markt kam. Es wurde am 9. Januar 2007 in San Franzisko vorgestellt. Etwas später gab es diese Smartphones dann auch zu kaufen (in Europa ab November 2007). Schon ein paar Jahre zuvor gab es Mobiltelefone mit eingebauter Kamera, sodass immer mehr Leute immer und überall ihr Handy zückten und alles fotografierten. Eine schöne Sache! Mit dem iPhone und all den danach kommenden Smartphones wurde das Knipsen zu einer normalen Handbewegung. Nun daraus zu schließen, dass Urban Sketching technikfeindlich oder retro sein sollte, kann man dann verwerfen, wenn man im Manifest liest: „We share our drawings online“. Da hätte ja auch stehen können: „We draw in a group and show each other our drawings.“ Nein, es war die Absicht, die Philosophie des Urban Sketching, es die Skizzen im Internet geteilt werden. Bei Flickr, in einem Blog, bei Facebook, bei Instagram usw. Wenn, dann ging es mehr um das genaue Hinsehen und dokumentieren mit den eigenen Augen. Was wäre, wenn sich Urban Sketching erst 2026 in Zeiten von „Generative artificial intelligence“ (GenAI) gebildet hätte, wo nur ein Prompt gebraucht wird, um ein Bild zu erstellen? Wo nicht mehr durch einen Sucher einer Kamera geschaut werden muss. Wo nicht mehr das Smartphone in die Richtung des Motiv gehalten werden muss. Da klingt „We draw on location, indoors or out, capturing what we see from direct observation“ fast wie Protest oder Wiederstand.

Fendt-Traktor im Garten- und Landschaftsbau. Skizze vor Ort in zwei Etappen, da das Fahrzeug zwischendurch wegfuhr. Farbe am Schreibtisch.
Parkender Mini Cooper. Skizze vor Ort. Farbe am Schreibtisch.