Nature Journaling

Nature Journaling und Nature Sketching und Field Sketching

Ein Nature Journal ist ein Natur-Tagebuch mit Skizzen von Tieren, Pflanzen oder Landschaften und Notizen mit Erkenntnissen, Erklärungen, Beschreibungen und Fragen. Hierzu muss man kein Naturwissenschafler sein, es ist nur das Interesse an der Natur sowie Papier und Stifte notwendig. Beobachtungsorte findet man überall, es kann der Balkon sein, der Garten, ein Park, der Wald in der Nähe usw. Nichts anderes machen Naturforscher schon seit Jahrhunderten. Vordenker der Nature Journaling-Bewegung ist John Muir Laws. Er schreibt in seinem Erklärungstext zu Nature Journaling:

„Start now: you can do this, and the world is waiting.“

Eine klare Aufforderung an alle interessierten Laien- und Amateure sofort und ohne großartige Ausbildung zu starten. Benötigt wird zum Start kein spezieller Zeichen- oder Malkurs oder eine naturwissenschaftkiche Ausbildung. Gestartet wird mit dem was man sieht und auf Papier skizziert (Motto „Sketch what you see“), den Fragen und Erkenntnissen die sich aus den Beobachtungen ergeben. Wie es von hier aus weiter geht, muss dann jeder für sich selber entscheiden. Gelernt wird beim Tun. Man eignet sich Wissen beim Forschen an, verbessert sich im Zeichnen, schaut sich Videos von anderen „Natur-Journalisten“ (nicht Journalisten im herkömmlichen Sinn, sondern „Naturforscher mit einem Journal/Tagebuch“, denn bei Nature Journaling steht Journal hauptsächlich für Tage- bzw. Notizbuch. Verwandtschaftlich könnte man hier noch das „Laborjournal“ aufführen, in denen Wissenschaftler die Planung, Durchführung und Auswertung von Experimenten dokumentieren, siehe hier) und kann auch spezielle Präsenz- oder Onlinekurse besuchen.

Damit steht Nature Journaling nah beim heutigen Denken der Erwachsenenbildung. Hier wären das „Informelle Lernen“ (siehe z.B. Buch „Informelles Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, 2009) oder „Selbstgesteuertes Lernen“ zu nennen.

So schreibt Susanne Salinger in ihrem Artikel „Naturschutz als Motor informellen Lernes“ (2009):

„Ist das Interesse geweckt, sich weiter mit einem Thema zu beschäftigen, kann dies eine Grundlage dafür bieten, in diesen Bereichen ein umfangreiches Wissen aufzubauen, relevante Fähigkeiten zu entwickeln u.v.m.

Stift, Papier und ein geeigneter Sitzplatz (hier ein klappbarer Dreibeinhocker, der in den Rucksatz passt), mehr ist für Nature Sketching technisch nicht notwendig (Bild von 2005)

Dabei wird Zeichnen und Schreiben als intensive Denk- und Forschungsmethode angewendet. Ähnliche Resultate kann man auch mit Fotos und kleinen Videos erreichen, die man mit zusätzlichen Texten, Fragen, Beobachtungen usw. auf der eigenen Webseite veröffentlicht (vgl. hierzu: Heino Apel/Gertrud Wolf „Multimedia in der Umweltbildung“, 2005). Aber dies ist die alte Diskussion zwischen Zeichnen und Fotografieren. Diese Diskussion könnten auch die „Urban Sketchers“ (die eng verwandt mit den „Field Sketchers“ und „Nature Sketchers“ sind) führen: Weshalb Häuser und Menschen zeichnen, wenn man sie auch einfach fotografieren kann? Denn, so könnte man agumentieren, selbst der schlechteste Zeichner, kann ein Foto machen, welches zwar künstlerisch oder gestalterisch nicht hochwertig ist, aber seinen Dokumentationszweck erfüllt und für Dritte das Objekt (Pflanze, Tier) besser erkennen lässt. Aber ich glaube dies ist der falsche Ansatzpunkt. Die Konzentration auf ein Objekt, die Beschäftigung mit diesem, das Lernen und die direkte Dokumentaion stehen im Vordergrund, jetzt direkt in der Natur, an der frischen Luft. Für längere Zeit sich an einer Stelle in der Natur aufhalten, mitbekommen was passiert und dies versuchen zu verstehen, zu hinterfragen und zu dokumentieren. Das Motto (siehe oben) lautet: Fang einfach an, die Welt wartet auf dich. Letzteres könnte man als das Veröffentlichen von Skizzen und Texten auf Webseiten sehen, aber auch als Austausch mit anderen Naturforschern.

John Muir Laws nennt vier Gründe weshalb er Nature Journals erstellt:

  1. etwas erkennen und notieren, dass er ansonsten nicht gesehen hätte,
  2. sich an Details erinnern, die er sonst vergessen hätte,
  3. er will das Feuer der Neugier schüren und ein Werkzeug zur Erforschung haben und
  4. er will sich in die Welt verlieben. Er will ihr Aufmerksamkeit geben und verlieben.

Zu Punkt 2: Auch wenn die Skizze künstlerisch nicht gelungen ist, beispielsweise weil das Insekt nicht so ruhig sitzen blieb wie notwendig, hat man eine Skizze mit der man sich an die Situation erinnert und mit der man weiterarbeiten kann. Zusätzlich kann ein Foto erstellt werden – bei Tieren, die in der nächsten Sekunde vom Ort verschwinden sowieso die einzige Chance ein Bild zu machen. Der künstlerische Wert einer Zeichnung ist ihm eher unwichtig. Ihm ist wichtiger, dass er sich erinnert, weil er die Zeichnung selber erstellt hat. Ein gutes und ein schlechtes Bild sind beide für ein Nature Journal „great“. Das die Zeichnungen besser werden, kommt von alleine, je mehr man zeichnet.

John Muir Laws sind diese vier Gründe wichtiger, als tolle, künstlerisch gelungene Zeichnungen. Neben den Zeichnungen sind ihm die Notizen wichtig, die er bei seiner Naturbeobachtung macht. Neben dem Zeichnen (drawing) und Schreiben (writing) ist ihm das Quantifizieren (quantify) wichtig, beispielsweise das Zählen der Blütenblätter die eine Pflanze hat.

Zeichnung eines Rhododendrons. An der Knospe habe ich habe 14 Blüten gezählt.
Foto desselben Rhododendrons.

[1] Salinger, S. „Naturschutz als Motor informellen Lernes“. In: „Informelles Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, 2009

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