Der älteste Wald der Welt

Pflanzen im Devon

„Pflanzen gingen also im Ordovizium und Silur an Land, im Laufe des DEvon entwickelten sich dann verschiedene Linien der Sporenpflanzen, unter anderen die Lycopodiopsida (Bärlappe), Equisetopsida (Schachtelhalme) und Polypodiopsida (Farne). Im Karbon bildeten diese ausgedehnte Wälder.“ (Jens Boenigk, Sabina Wodniok „Biodiversität und Erdgeschichte“, 2014, S. 96)

„Im Devon breiteten sich die ursprünglich farnartigen und bärlappartigen Gefäßpflanzen weiter aus. Aus dem Devon stammen auch die ersten gesicherten Funde von Mykorrhiza. Die Pflanzen wurden im Devon größer und im Oberdevon entstanden in tropischen Sümpfen die ersten Wälder mit baumartigen Farnen und Bärlappen. Erstmals entwickelten sich flächige Blätter, auch Blüten und echte Samen traten erstmals im Oberdevon auf.“ (Jens Boenigk, Sabina Wodniok „Biodiversität und Erdgeschichte“, 2014, S. 112)

Der älteste Wald der Welt in Lindlar

Fossilien von Seelilien in Lindlar. Im Gestein der dortigen Steinbrüche kommen sie sehr häufig vor. Ein Abdruck eines Calamophyton ist ein richtiger Glücksfund.

Calamophyton

Calamophyton ist eine ausgestorbene, wenige Dezimeter hohe Pflanze mit dichotomer Verzweigung. Sie gehört zur Gruppe der nahe der Basis der Farne stehenden Pseudosporochnales.“ (wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Calamophyton)

„Die Pseudosporochnales sind eine ausgestorbene Pflanzengruppe, die systematisch nahe der Basis der Farne steht. Mit Eospermatopteris gehören ihr die ältesten bekannten baumförmigen Pflanzen an. […] Eospermatopteris wurde erstmals 1924 von Winifred Goldring beschrieben anhand von Funden aus dem Mitteldevon von Gilboa (New York).“ (de.wikipedia.org/wiki/Pseudosporochnales)

Nordrhein-Westfalen vor 400 Millionen Jahren (Devon) auf dem Kontinent Laurussia (Red-Old-Kontinent). Karte nach Geologischer Dienst NRW. Wo lag das erwähnte Gilboa? „The oldest tree fossils are from the Middle Devonian pteridophyte Gilboa forest in central Laurussia (today New York, United States).“ (en.wikipedia.org/wiki/Laurasia) vgl. dieses Bild: de.wikipedia.org/wiki/Laurussia#/media/Datei:Euramerica_en.svg mit der Lage von Nordamerika und Europa. „southeastern Laurussia (Ohio, New York, northern France, Germany)“ Quelle: Early Palaeozoic Biogeography and Palaeogeography, 2013, S. 253. „In southeastern Laurussia (present-day western Canada) […] In northwestern Laurussia (present-day New York State), the diversity of land-plant macrofossil genera dropped from 24 in the mid-Frasnian.“ Quelle: When the Invasion of Land Failed – The Legacy of the Devonian Extinctions, 2013, S. 102/103. Auf dieser Seite dinosaurpictures.org/ancient-earth#400 lässt sich schauen, wo sich bestimmte Orte zu einer bestimmten Zeit in der Erdgeschichte befunden haben (gefunden hier: scienceblogs.de/geograffitico/2019/02/24/new-york-city-im-herzen-von-pangaea/)

2008, Fundort Lindlar

„In einem Steinbruch in Lindlar, den ein bekannter Professor aus Bonn [Hans Joachim Schweitzer] schon in den 60er Jahren publik gemacht hatte, habe ich 2008 Teile des ältesten Waldes der Welt gefunden. Ganze Bäume – vollständig von der Wurzel bis zur Krone. So etwas ist ganz selten. Da muss ein Tsunami die komplette Vegetation abgeräumt und in direkter Nachbarschaft sofort wieder eingebettet haben, so dass diese so gut erhalten geblieben ist. […] Damals war das Bergische Land noch nicht bergig und Teil einer Küstenregion. Wuppertal lag an der Südküste des „Old Red Continent“, des alten roten Kontinents, der im Wesentlichen aus Nordamerika und Nordeuropa bestand.“ (Peter Giesen)

2015, Ausstellung in Bonn

Archäologischen Landesausstellung NRW im LVR-LandesMuseum Bonn
5. September 2015 bis 3. April 2016

„Der vermutlich älteste Wald der Erde stand einst im bergischen Lindlar in Nordrhein-Westfalen. Dies belegen archäologische Funde der ältesten bisher ausgegrabenen baumförmigen Pflanzen, die 2008/2009 in der Nähe des Städtchens geborgen wurden. Vom 5. September 2015 bis 3. April 2016 sind die Sensationsfunde in der Archäologischen Landesausstellung NRW im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen. Die nun versteinertern Bäumchen wuchsen vor rund 390 Millionen Jahren auf einer Sandinsel in einem ausgedehnten Flachmeer und wurden wahrscheinlich durch einen Tsunami ins Meer gespült, mit Sand und Schlamm überdeckt und so bis heute konserviert.“ (touristiker-nrw.de/landesausstellung-zeigt-sensationsfund-aus-dem-aeltesten-wald-der-welt/)

„Der 500 kg schwere Fund wird ab dem 5.9.2015 als eines der Highlights im Rahmen der archäologischen Landesausstellung zunächst in LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen sein.“ (lwl.org/jungsteinzeit/index.php/aktuelle-meldungen/37-sensationsfund-fossilien-der-aeltesten-bamuaehnlichen-pflanzen-der-welt-entdeckt.html)

Der älteste Wald der Welt stand in Lindlar:

  • welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wissenschaft_nt/article145459132/Aeltester-Wald-der-Welt-soll-im-Bergischen-Land-gestanden-haben.html (20.08.2015)
  • ksta.de/region/oberberg-ks/–sote-wald-lindlar-22575718?cb=1629971169856 (20.08.2015)
  • bild.de/regional/koeln/koeln/aeltester-dschungel-der-welt-42257118.bild.html (20.08.2015)
  • focus.de/wissen/diverses/wissenschaft-aeltester-wald-der-welt-soll-im-bergischen-land-gestanden-haben_id_4893660.html (20.08.2015)
  • wz.de/nrw/wuppertal/peter-giesen-wuppertal-lag-am-aequator_aid-28308743
  • expedition-rheinland.de/die-lindlarer-grauwacke (8.8.2021)
  • naturwissenschaftlicher-verein-wuppertal.de/sektionen/Geologie/die-lindlar-story („Die Lindlar Story“ von Peter Giesen)
  • „Reconstruction and Growth of the Early Tree Calamophyton (Pseudosporochnales, Cladoxylopsida) Based on Exceptionally Complete Specimens from Lindlar, Germany (Mid-Devonian): Organic Connection of Calamophyton Branches and Duisbergia Trunks“ von Peter Giesen and Christopher M. Berry . Erschien im International Journal of Plant Sciences (IJPS), Ausgabe 174, Seiten 665-686 (International Journal of Plant Sciences, May 2013, Volume 174, Number 4, pp. 665 – 686). Aus dem Abstract: „Middle Devonian Pseudosporochnales (Cladoxylopsida) are among the earliest tree-sized plants in the fossil record. We describe here new and spectacular complete specimens of Calamophyton primaevum Kräusel et Weyland from Lindlar (Eifelian, early Mid-Devonian), Germany. …“ (https://www.journals.uchicago.edu/doi/full/10.1086/669913)
  • „Rooted in Earth history: the Devonian transition to a forested planet“. Video bei YouTube: youtu.be/DwkbePIWeIU). Lindlar ab 6:10 min.
  • Buch: „Plants Invade the Land: Evolutionary and Environmental Perspectives“: „The Lindlar plants were recovered from a quarry in the Rhineland. The majority of the specimens derived from a single small fossiliferous lens (Schweitzer 1966). …“ (S. 134)

Fundort Cairo, New York

In New York wurde der älteste Wald der Welt entdeckt
nikinclothing.com/blogs/nikin-blog/in-new-york-wurde-der-alteste-wald-der-welt-entdeckt (7.2.2020)

Fundort Gilboa, New York

  • at.wikiqube.net/wiki/Gilboa_Fossil_Forest
  • en.wikipedia.org/wiki/Gilboa_Fossil_Forest
  • naturedocumentaries.org/15738/devonian-fossil-forest-gilboa/
  • townofcairo.com/oldest-known-forest-discovered-in-town-of-cairo-new-york/

Namen:

  • Chris Berry, Palaeobotanist (Paläobotaniker), Cardiff University
  • Peter Giesen, Geologe und Paläobotaniker aus Wuppertal
  • Richard Kräusel, Paläobotaniker. Beschrieb zusammen mit Hermann Weyland („KRÄUSEL & WEYLAND“) die Gattungen Calamophyton und Duisbergia (1926 und 1929),vgl. „Die Lindlar Story“ von Peter Giesen.
  • Hans Joachim Schweitzer, Paläobotaniker, „der als erster die Bedeutung Lindlars für die Devonflora-Erforschung erkannt und eine Rekonstruktion der mitteldevonischen Flora von Lindlar erstellt hatte.“ (naturwissenschaftlicher-verein-wuppertal.de/sektionen/Geologie/veranstaltungen/der-tsunami-von-lindlar). Richard Kräusel war sein Doktorvater. Buch: Schweitzer „Pflanzen erobern das Land“ (Kleine Senckenberg-Reihe Nr. 18)

Literatur:

  • von Loga, Sven: „Die Lindlarer Grauwacke“. In: Fossilien – Erdgeschichte erleben, 5/2020, S. 32 – 39.
  • Buch: „Als das Bergische Land noch am Äquator lag“ (2012), S. 74 – 80.
  • Goßmann, Rolf, Jungheim, Hans J.: „Landpflanzen im Verlauf der Erdgeschichte, Teil 5: Die ersten großen Wälder I“. In: Fossilien – Zeitschrift für Hobbypaläontologen, 4/2008, S. 213 – 223.
  • Goßmann, Rolf, Jungheim, Hans J.: „Landpflanzen im Verlauf der Erdgeschichte, Teil 6: Die ersten großen Wälder II“. In: Fossilien – Zeitschrift für Hobbypaläontologen, 4/2008, S. 23 – 33.
  • Goßmann, Rolf, Jungheim, Hans J.: „Landpflanzen im Verlauf der Erdgeschichte, Teil 7: Das Perm, Zeit der ersten Nadelwälder I“. In: Fossilien – Zeitschrift für Hobbypaläontologen, 5/2009, S. 307 – 315.