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Buch: „Lebensraum Baum“ (Binner)

Im Mittelpunkt des Buches stehen die sog. Biotopbäume. Solche Bäume sind für die Artenvielfalt unbezahlbar, denn in ihnen können sich zahlreiche Tiere ansiedeln und ernähren. Diese alten Bäume sind faul, hohl oder haben Verletzungen oder Brüche. Für uns Menschen haben diese Bäume wirtschaftlich daher nur noch Brennholzqualität, für Insekten oder Vögel ist der Biotopbaum ein wertvoller Lebenraum (schön aussehen, so denke ich, tun sie auch). Dies vermittelt der Revierförster Volker Binner seinen Lesern.

Interteilt ist das Buch in die drei Abschnitte:

  • Biotopbaum – Ein unbekanntes Wesen
  • Lebensraum – Den Bewohnern auf der Spur
  • Mensch und Baum – Biotopbäume schützen und fördern
Titelseite von „Lebensraum Baum“ (Autor: Volker Binner), 1. Auflage 2019.

Einen Urwald gibt es in Deutschland nicht mehr. Aber ein Wald, so meint der Autor, mit Biotopbäumen könnte ein Fenster zum Urwald sein. Mit ihnen erreicht man Artenvielfalt und kann zeigen wie der Urwald bei uns ausgesehen hat. In so einem Wald werden die Bäume im Vergleich zu einem Wirtschaftswald wesentlich älter. Im Wirtschaftwäldern werden die Bäume nach 80 bis 140 Jahren geerntet. Ökologisch interessant und damit vorteilhaft für die Artenvielfalt werden die Bäume aber erst ab einem Alter von 140 Jahren, wenn sie in die „Altersphase“ kommen und dann später die „Zerfallsphase“ erreichen. Im Verlauf dieser Phasen werden sie mehr und mehr zu Biotopbäumen. Diese Art von alten Bäumen kann aber nicht nur im Wald stehen, sondern auch in Parks, auf Friedhöfen oder auf Streuobstwiesen.

Ökologisch bedeutsame Strukturen an einem Biotopbaum können Specht- oder Großhöhlen, Kronentotholz, Mulmhöhlen, Pilzkonsolen oder Epiphyenbewuchs (Aufsitzerpflanzen) sein. Am Baum können sich auch schon abgestorbene Teile befinden oder Teile die auf dem Weg des Absterbens sind. Diese werden nun von Insekten und Vögeln wie dem Schwarzspecht bearbeitet. Im Stammfuß trifft man Rossameisen, Schwarz- oder Buntspecht oder den Nachfalter Weidenbohrer. Am Stamm Hornissen, verschiedene Käfer und Fledermäuse. In der Baumkrone sind Vögel wie der Schwarzstorch, Rotmilane, Habicht oder Sperber anzutreffen. So werden diese Bäume also zu Hotsspots der Artenvielfalt. Wenn es in der Diskussion um eine andere („ökologische“) Waldbewirtschaftung geht, dann geht es auch um die Biotopbäume.

Volker Binners Buch kommt vollkommen unaufgeregt. Klagt weder mit erhobenem Zeigerfinger an noch will es Dinge geraderücken. Es vermittelt Wissen auf angenehme Art. Dazu gehören auch die zahlreichen Fotos im Buch, die nicht bloß eine Waldromantik zeigen, sondern den Text gut unterstützen.

Eigene Bilder:

Zerfressener Holzstumpf am Löhberg bei Lindlar-Süng.
Pilzkonsolen: Baumpilz bei Lindlar-Hönighausen.
Am Sünger Berg bei Lindlar-Bonnersüng.
Alter Kirchbaum am Fuß des Stelberg bei Bonnersüng (Mitte September 2021)
Alter Kirchbaum am Fuß des Stelberg bei Bonnersüng (Mitte September 2021)
Eiche mit Pilzen am Stelberg (Mitte September 2021)
Kleine „Höhle“ am Fuß einer Eiche am Stelberg (Mitte September 2021)
Verrotteter Baumstumpf am Stelberg (Mitte September 2021)
Verrotteter Baumstumpf am Stelberg (Mitte September 2021)
Zerfressenes Holz am Stelberg (Mitte September 2021)
Zerfressenes Holz am Stelberg (Mitte September 2021)
Zerfressenes Holz am Stelberg (Mitte September 2021)

Das geheime Leben von (fast) allem

Über die Jahre erschienen einige Sachbücher die die Leserinnen über das geheime bzw. das geheimnisvolle Leben von Pflanzen, Insekten, Bäumen und Pilzen aufklärten. Es sind Sachbücher, die sich an ein breiteres Publikum richten, an der Natur interessierte Leserinnen. Robert Hofrichter hatte den Vorsatz gehabt „in einem hoffentlich unterhaltsamen Sachbuch über Pilze eine möglichst allgemeinverständliche Sprache“ zu verwenden, wenn es auch nicht immer leicht sei („Das geheimnisvolle Leben der Pilze“, S. 69)

Eine Voraussetzung für die Lektüre dieser Bücher ist demnach nicht ein Studium in Biologie, sonstigen Natur- oder Geo- oder Forstwissenschaften. Offenbar gibt es einen Bedarf dem Laien dieses „geheime“ Leben näher zu bringen. So schaffen es diese Bücher auch in die Buchhandlungen und nicht nur in wissenschaftliche Bibliotheken. Eine feine Sache finde ich.

Peter Tompkins / Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen. Erschien ursprünglich 1973 (The Secret Life of Plants) . Die Abbildung zeigt das Titelbild der 26. Auflage von 2009.
Stefano Mancuso/Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen. Die Originalausgabe (Verde brillante. Sensibilità e intelligenza del mondo vegetale) erschien 2013 in Italien. Die deutsche Ausgabe im Jahr 2015.

Der Biologe Stefano Mancuso ist Professor für Pflanzenkunde an der Universität in Florenz. Sein Fachgebiet ist die umstrittene Pflanzenneurobiologie. Alessandra Viola ist Wissenschaftsjournalistin.

Mancuso versucht in dem Buch die Pflanzenwelt in das ihr gebührende Licht zu rücken. Es kann ja auch nicht sein, dass wir weiterhin die Pflanzen als dumme, vor sich hin vegetierende, Dinge betrachten. Pflanzen sind ja keine Steine, nur weil sie „sesshafte Organismen sind, die sich nicht von der Stelle rühren“ (S. 8), sondern wie wir Lebewesen. Es ist nicht nur der Wind der sie hin und her bewegt, sondern „sie wachsen zum Licht, weichen Gefahren aus oder neigen sich in Richtung Kletterhilfe.“ (S. 40) Die Autoren stellen dar, wie wir zu unserer Denkweise über Pflanzen gekommen sind, sie blicken zurück bis in die Antike.

An einigen Stellen des Buches dachte ich mir, dass wir mit unserem Wissen und Denken über die Pflanzen noch nicht viel weiter gekommen sind. Noch immer hängen wir in alten Denkweisen fest: „Die Biologie, so kann man sagen, ist dem vorkopernikanischen Denken weiter verhaftet. Sie glaubt, der Mensch sei das wichtigste Lebewesen, um das sich alles dreht.“ (S. 42/43) Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass „99,5 Prozent der gesamten Biomasse auf der Erde“ (S. 43) die Pflanzen zur Verfügung stellen. Und sie ermöglichen uns erst das Leben auf der Erde, denn „ohne Fotosynthese [der Pflanzen] hätte sich der Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, nie gebildet. Pflanzen stehen auch am Anfang unserer Nahrungskette und ihnen verdanken wir … unsere Energieressourcen, die fossilen Brennstoffe …“ (S. 9) Trotzdem werden die Pflanzen weiterhin „völlig unterschätzt, obwohl unser Überleben und unsere Zukunft auf der Erde genau davon abhängen.“ (S.30) Verwundert bin ich daher, dass wir als Menschen immer noch so wenig über die Pflanzen wissen, sie wie mechanische Dinge oder einen leblosen Stein betrachten. Die Kommunikation mit Pflanzen ist nun wirklich nicht so einfach, aber als intelligente Wesen, sollten wir doch versuchen sie zu verstehen, wo sie als Nutzpflanzen doch unsere Grundnahrungsmittel (Mais, Reis, Weizen, Kartoffeln, Soja etc.) und zahlreiche Rohstoffe für die industielle Produktion liefern.

Bücher wie „Die Intelligenz der Pflanzen“ sind erst der Anfang das Wissen über die Pflanzenwelt zu dokumentieren. Die Wahrheit über das wirkliche Wesen Pflanze, so scheint es mir, scheint noch im dichten Nebel versteckt zu sein. Jetzt schon von „intelligenza“ bei Pflanzen zu reden, geht einigen Kritikern des Buches deutlich zu weit. Sehen, hören, fühlen, kommunizieren, denken und Entscheidungen treffen – das können wir Menschen (und die Tiere), aber den Pflanzen wird dies abgesprochen. Und gerade dies, also sehen, hören, fühlen, kommunizieren, denken wollen die Autoren den Pflanzen zusprechen.

Kritiker werfen diesen Art von Büchern teilweise die Verwendung von Wörtern wie „Familie“ und „Verwandtschaft“ bei Pflanzen vor. Ein Satz wie „Pflanzen können nicht nur zweifellos Verwandte erkennen, sie sind ihnen auch überaus freundlich gesonnen“ klingt provokativ. Wie sollen Pflanzen ihre Kinder, Eltern oder Enkel erkennen? Logischerweise sind dies Metaphern, um mit unserer Sprache, sich ein wenig den Pflanzen als Lebewesen annähern zu können. Wenn man sich aber klar macht, „dass das eigentliche Ziel des Lebens die Verteidigung des eigenen Erbguts ist [, ist] … jede Konkurrenz mit engen Blutsverwandten nichts als Energieverschwendung.“ (S. 92/93) Ich denke so lässt sich doch verstehen, was mit der Metapher Verwandtschaft hier gemeint ist.

Wir sehen die Pflanzen zumeist nur als Lebewesen über der Erdoberfläche. Die Wurzeln betrachten wir als Beiwerk, dass die Pflanze in der Erde verankert, würde sie doch sonst vom Wind weggetragen. Klar wissen wir, dass die Pflanzen über die Wurzeln Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Aber sonst? Überhaupt ist die Wurzelökologie noch eine Welt für sich, mit denen sich auch nicht all zu viele Forscher zu beschäftigen scheinen (vgl. aber Bücher wie „Wurzelatlas“ und „Pflanzenwurzeln“ oder Forscherinnen wie Lore Kutschera, Erwin Lichtenegger oder Monika Sobotik, Webseite: wurzelforschung.at). Spannend finde ich auch das, die „Kommunikation zwischen Pflanzen“ über „unzählige chemische Moleküle in Luft oder Wasser abläuft“ (S. 90) und sie sogar mit Insekten in Kontakt treten.

Dave Goulson: Das Summen in der Wiese — Das geheime Leben der Insekten. Die Orginalausgabe (A Buzz in the Meadow) erschien 2014 in Großbritannien. In Deutschland 2016. Die Abbildung zeigt die Taschenbuchausgabe von 2018.
Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume. Das Buch erschien erstmals 2015.
Torben Halbe: Das wahre Leben der Bäume. Das Buch erschien erstmals 2017. Titelbild: Vierte Auflage 2020.
Robert Hofrichter: Das geheimnisvolle Leben der Pilze. Das Buch erschien erstmals 2017. Titelbild der Taschenbuchausgabe von 2018.

Der Autor Robert Hofrichter ist Zoologe und Biologe. Sein Pilzbuch ist kein Bestimmungsbuch, sondern es geht um das Lebewesen Pilz an sich. So erläutert Hofrichter schon früh im Buch die Partnerschaft zwischen Pflanzen und Pilzen, die man Mykorrhiza nennt (vgl. Mancuso, S. 95, Wohlleben, S. 50f.). Bei dieser Symbiose „kommen die Fäden des Pilzes bis in die Zellen der Wurzelrinde des Pflanzenpartners“ (Endomykorrhiza) (S. 15). Mit Strigolactonen, Pflanzenhormonen, werden die Plize zur den Pflanzenwurzel gelockt. Die Pflanzen erhalten über die Pilze eine bessere „Versorgung mit Phosphaten, weiteren Nährstoffen und Wasser aus dem Boden“ und der Pilz „bekommt seinen Anteil am Zucker, den die Pflanze durch Photosynthese erzeugt“. (S. 26) 90 Prozent der Pflanzen sollen diese Partnerschaft mit den Pilzen eingehen.

Hofrichter erläutert, dass Pilze früher zu den Pflanzen gezählt wurden. Es sei vielen Menschen bis „heute nicht klar, dass unsere Welt mit mehr als nur zwei Grundtypen von Lebewesen bevölkert ist. Sie meinen, dass Pilze so etwas wie urtümliche Vorfahren der Pflanzen sind. Und so stand es ja lange Zeit auch in den Lehrbüchern der Botanik.“ (S. 17)  Aber Pilze seien den Tieren näher als den Pflanzen. Die Pflanzen ernähren sich über die Photosynthese selber, aber die Pilze müssen wie die Tiere fressen. Pilze betreiben keine Photosynthese. Die Pilze waren vor den Pflanzen auf der Erde und haben den Pflanzen den Landgang überhaupt erst ermöglicht (S. 18, S. 36).

Des Weiteren spannend finde ich das Kapitel „Die Evolution der Pilze und ihre Erforschung“ (ab S. 69). Robert Hofrichter schildert hier den langen Weg bis die Pilze als eigene Lebensform anerkannt wurden und sie nicht mehr als „künstliche Wohnungen von Insekten“ (Friedrich Wilhelm Weis im 18. Jahrhundert) oder „Produkte verwitternder oder gährender Pflanzenteile und bloße Spiele der Natur seyen“ (Georg Friedrich Märklin), sondern seit 1969, nach Einteilung (vgl. „Fünf Reiche“/“five kingdom taxonomic“) durch den amerikanischen Botaniker und Klimatologe Harding Whittaker als Pilze (Fungi) neben den Tieren (Animalia), den Pflanzen (Plantae), den Einzellern (Protista) sowie den Mikroorganismen (Monera) stehen (S. 79).

Wie Eingangs erwähnt ist „Das geheimnisvolle Leben der Pilze“ kein Bestimmungsbuch. Dennoch geht Hofrichter auf die Bestimmung von Pilzen ein. Wobei er dies kritisch betrachtet. Es geht ihm um das Nichtwissen der Laien und die Gefahren, die sich durch eine Verwechslung ergeben können und die „brachiale Weise“ mit der heute wie wild Kofferraumladungen von Pilzen gesammelt werden, die dann per Schwarmwissen von anderen Laien („die vielleicht nur geringfügig mehr wissen als man selbst“, S. 122) identifiziert werden sollen. Hofrichter erwähnt den Mykologen und Buchautor („Illustriertes Lexikon der Pilze“) Ladislav Hagara, der schrieb, dass „mutige Nichtwisser in der Lage sind, jeden beliebigen Pilz mit jedem anderen beliebigen Pilz zu verwechseln“ (Zitat auf S. 121)

Bücher

Bücher zu BIODIVERSITY, EDUCATION AND PUBLISHING (BEP)

Kategorie: „Natur zeichnen — drinnen und draußen“

  • Buch: Ueli Bieri „Nature Sketching“ (2019)
  • Buch: Andrew Tyzack „Drawing and Painting Insects“ (2020)
  • Buch: Sarah Simblet „Botanik für Künstler“ (2010, 2020)
  • Buch: Clare Walker Leslie „Keeping a Nature Journal“ (2000, 2021)
  • Buch: Sarah Morrish „Natural History Illustration in Pen and Ink“ (2021)
  • Buch: Martin Stankewitz „Bäume malen und zeichnen“ (2017)
  • Buch: John Muir Laws, Emilie Lygren „How to teach Nature Journaling“ (2020)
  • Buch: K. Honomichl, H. Risler, R. Rupprecht „Wissenschaftliches Zeichnen“ (1982)
  • Buch: Albrecht Rissler: „Zeichnen was da so rumliegt“ (2021)

Kategorie: „Natur“, „Biodiversität“

Kategorie „Erwachsenenbildung“

  • Buch: Rolf Arnold, Markus Lermen (Hrsg.) „Independent Learning“ (2013).
  • Buch: Hermann J. Forneck, Ulla Klingovsky, Peter Kossack (Hrsg.) „Selbstlernumgebungen“ (2005).
  • Heike Seehagen-Marx „E-Learning-gestützte Erwachsenenbildung“ (2009).
  • Michael Brodowski u.a. (Hrsg.): Informelles Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (2009)

Kategorie „Schreiben und Veröffentlichen als Denkwerkzeug und Partizipationsmöglichkeit“

  • Brugger, P. „Wissen schaffendes Schreiben“ (2004)
  • Hofer, C. „Blicke auf das Schreiben. Schreibprozessorientiertes Lernen. Theorie und Praxis“ (2006)
  • Koch, H.H. / Pielow, W. „Schreiben und Alltagskultur“ (1984)

Kategorie „Medienproduktion“ und „Fotografie“

  • Buch: Katharina Sckommodau „Magazindesign“ (2018)
  • Buch: Wibke Weber, Michael Burmester, Ralph Tille (Hrsg.) „Interaktive Infografiken“ (2013)
  • Buch: Caspar Williamson „Low Tech Print“ (2013)
  • Buch: Jochem Ottersbach „Bedruckstoff und Farbe“ (1982)
  • Buch: Franz Hermann Wills: „Vom Layout hängt die Wirkung ab“ (2. Auflage 1960)

Buch „Naturschutzbiologie“ von Bruno Baur

Bei der Naturschutzbiologie geht es in erster Linie um den Erhalt der biologischen Vielfalt, also der Biodiversität. Untersucht wird die eigentliche Vielfalt der Arten, deren Rückgang bzw. die Gefährdung und schließlich wie man diesen Rückgang stoppen und die Arten schützen kann. Das Lehrbbuch „Naturschutzbiologie“ von Bruno Baur, er ist Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Basel, richtet sich an Studenten der Biologie, der Forst- und (Bio-) Geowissenschaften.

Titelseite von „Naturschutzbiologie“. Haupt Verlag, 440 Seiten.

Zunächst geht es um Individuen, Populationen und Lebensgemeinschaften. Hier werden Begriffe wie unitare und modulare Organismen, Genotyp und Phänotyp, Populationsgröße und -dichte oder Quell- und Zuwanderungspopulationen erklärt. Weiter geht es mit der Definition was Arten sind. Erläutert wird die Nomenklatur der Arten, die auf Carl von Linne zurück geht, wie neue Arten entstehen und wie diese eingeordnet werden. Interessant fand ich hier, dass in sich manche Arten, in das von uns Menschen geschaffene Ordnungssystem nicht immer eindeutig einordnen lassen oder gleich in mehrere Gruppen eingeordnet werden müssen. Genannt werden endemische Arten, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen sowie Generalisten und Spezialisten.

Ein weiteres Kapitel behandelt die genetische Vielfalt und Artenvielfalt und erklärt die Entstehung des Begriff Biodiversität, den der amerikanische Ökologe Thomas Lovejoy 1980 als biological diversity einführte. Als Begriff möchte ich aus diesem Kapitel die Phylogenetische Diversität hervorheben, der die Anzahl der unterschiedlichen Arten in einem Gebiet vorstellt. Die Phylogenetische Diversität ist ein wichtiges Maß für Naturschutzprioritäten.

Intensiv beschäftigt habe ich mich mit den Kapiteln über die Ursachen der Bedrohung der Diversität (Zunahme/Entwicklung der Weltbevölkerung bei hohen Geburtenraten und Abnahme der Sterberaten durch medizinischen Fortschritt, der Ressourcenverbrauch, die Veränderung und Zerstückelung der natürlichen Lebensräume, Umweltverschmutzung, Übernutzung von natürlichen Ressourcen, Freizeit und Tourismus, inversive Arten, Klimawandel, Insektensterben), die inversiven Arten (also die frei- bzw. unfreiwillige Einfuhr und Etablierung von nicht-einheimischen Arten und die daraus entstehenden Probleme), den Klimawandel (Klimaerwärmung, Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Stürme, Dürren oder Starkregen und Hochwasser, Anpassung der Arten an die Klimaerwärmung), die Renaturierungsökologie (Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme, z.B. von Hochmooren wie dem Fintlandsmoor im norddeutschen Ammerland [dieses Moor wird im Buch nicht erwähnt]).

Das Buch gibt aus meiner Sicht eine gute Einführung in den Einsatz für die biologischen Vielfalt und wird mir noch öfters als Nachschlagewerk dienen. Sehr gut fand ich, dass die Sprache von Bruno Baur immer verständlich bleibt und nicht unnötig verklausuliert ist.

Anregungen durch das Buch „Wissenschaftliches Zeichnen“

Honomichl/Risler/Rupprecht: Wissenschaftles Zeichnen in der Biologie und verwandten Disziplinen, 1. Auflage 1982.

Bücher über wissenschaftliches Zeichnen aus jüngerer Zeit gibt es nicht. Das vorliegende Buch erschien 1982. Ein unveränderter Nachdruck erschien 2013 (Springer Wissenschaftsverlag). Im Vorwort werden die Zeichenanleitungen von [Willi] Kuhl von 1949 [„Das wissenschftliche Zeichnen in der Biologie und Medizin“] und [Karl] Belar von 1928 [„Zeichentechnik“. In: „Methodik der wissenschaftlichen Biologie“] erwähnt. Ergänzend will ich hier noch nennen „Das wissenschaftliche Tierbild“ (1949) von Wilhelm Schäfer.

Das Thema ist wohl für ein wissenschaftliches Lehrbuch nicht mehr relevant. Das vorliegende Buch wurde deshalb sicher auch nicht überarbeitet, denn an der ein oder anderen Stelle könnte man den Text um die heutigen Materialien ergänzen und moderne, digitale Technik als Hilfsmittel und auf dem Weg zum Druck sind auch erwähnenswert.

Nach einem Einführungskapitel über Zeichengeräte und Materialien geht es zunächst um Strichzeichnungen mit Bleistift und Tusche. Es folgt ein Kapitel über die Darstellung von Flächen, wo Zeichnungen in der Halbtontechnik (Bleistiftschaffuren) und mit der Punktierung mit Tusche besprochen werden. Die Punktierungstechnik und der damit gezeichnete Schmitterlingsflügel hat mich zu einer eigenen Übung angeregt. Als Tipp geben die Autoren mit: „Beim Setzen der Punkte fährt man am besten mit der Hand kurze, ineinander verschlungene Bögen nach und vermeidet gerade Punktreihen. Sie würden als Linien auffallen, die dann Objektstrukturen vortäuschen.“ (S. 16).

Ich probierte mich an der Übung zum „Punktieren mit Tusche“ (ich verwendete Fineliner und Buntstifte).

Dazu ist viel Geduld notwendig. In der Anwendung bei Tier- und Pflanzenzeichnungen kam ich aber schnell zu ersten positiven Ergebnissen (Bild: mittlere Reihe in der Mitte und Rechts, untere Reihe: Mitte).

Im Buch gibt es die farbig angelegt Zeichnung eines Schwalbenschwanz Schmetterlings, der ebenfalls mit der Punktiertechnik gezeichnet wurde und dessen Details mich begeistern. Dies animierte mich zu der Zeichnung einer Raupe mit Punktiertechnik und Kolorierung mit Buntstiften (vgl. auch hier).

Zwei Versuche: Raupe auf Brennnesselblatt

In den folgenden Kapiteln geht es um Methoden der Perspektive und um die Darstellung von makroskopischen und mikroskopischen Objekten. Das letzte Kapitel zeigt kurz den Weg der Zeichnung zum Druck.