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Buch: „Wie das Meer nach Hause kam“ (B. Brunner)

Umschlag: Bernd Brunner „Wie das Meer nach Hause kam“

Bei dem Buch von Bernd Brunner handelt es sich um eine kulturwissenschaftliche Arbeit. Wie es der Titel schon beschreibt, geht es hier nicht um Pflege, Haltung oder die Auswahl von Pflanzen und Fischen für ein Aquarium, sondern es werden die Änfänge Aquaristik in der westlichen Welt beschrieben.

Wie die Menagerien, die Vorläufer der Tiergärten, wurde mit dem Aquarium versucht, die Tierwelt in unsere Welt zu holen. Die Tiere die im Meer lebten, kannte kaum einer. Dabei ist der Wunsch, das Meer und deren Bewohner kennenzulernen, „diese Lust am Meer ist noch gar nicht so alt, sie bildete sich erst im 18. Jahrhundert heraus. Vorher war das Meer >eine Art Tabu und Ort der Angst per excellence< … Die Fluten waren ein verdammtes Reich der Finsternis, in dem sich Monster von abenteuerlicher Gestalt gegenseitig das Leben zur Hölle machen und alles verschlingen.“ (Brunner, S. 13)

Fischer, Kaufleute oder Naturforscher kannten das Meer. Die restliche Bevölkung hielt sich ihm eher fern. Erst allmählich traute man sich mit Vernügen an den Strand, „als Ort, an dem es sich aufzuhalten lohnt … Untersuchungen über die heilsamen Wirkungen des Meerwassers unterstützen die Gründung von Badeorten an den Küsten – erst in England, etwas später in Deutschland und Frankreich.“ (Brunner, S. 14)

Strandvernügen „Am Wasser“ der Ostsee („Gruß aus Kellerhusen“, Postkarte frühes 20. Jh.). Aus sittlichen Gründen zog man sich im Badekarren um und ging von dort mit angemessener Badekleidung auch ins Wasser.

Naturforscher oder Biologen traten auch an die Küsten und erforschten die Meeresoberflächen, „aber die Unterwasserwelt und vor allem die Tiefsee behalten ihre Geheimnisse noch geraume Zeit für sich.“ (Brunner, S. 15) Doch sie begann sie aber „Bootsfahrten auf dem Meer zu unternehmen und mithilfe von Fischern Meerestiere zu sammeln.“ (Brunner, S. 15)

Aus diesem Geist heraus kam es auch zur Entwicklung des Aquariums. Als einen der Personen, die die Haltung von Pflanzen und Tieren in einem Glasbehälter bekannt machte gilt der Engländer Philip Henry Gosse (1810 – 1888). „In seinem 1853 veröffentlichtem Buch A Naturalist´s Rambles on the Devonshire Cost … tauch der Begriff des >Meeresvivariums< auf, aber auch schon >Meeresaquarium< (>marine aquarium<).“ (Brunner, S. 37) Gosse war ein bekannter Naturforscher, ja ein richtiger Experte der Küstenfaune. Der nicht nur forschte und publizierte, sondern sein Wissen auch in Vorträgen weitergab. Offenbar war er so gut, dass „die Londoner Bürger nur so zu seinen Vorträgen“ strömen. (Brunner, S. 41)

Um nun die Flora und Fauna des Meeres besser kennenzulernen, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens man tauch ins Meer hinab und schaut sich alles vor Ort an. Oder zweitens, man holt sich Pflanzen und Tiere aus dem Meer, setzt sie in einen Teich oder ein Gefäß aus Glas und versucht die Unterwasserwelt nachzubilden. Philip Henry Gosse war ein Anhänger der zweiten Möglichkeit. Für hatte dies den Vorteil, dass man sich auf diese Weise „mit den >seltsamen Geschöpfen des Meeres< bekanntmachen, ohne dafür mit einer komplizierten Taucherapparatur in die Tiefen hinabsteigen zu müssen. Fast verächtlich äußert sich Gosse über einen französischen Zoologen (… Henri Milne-Edwards), der in einem wasserdichten Anzug, mit einer besonderen Brille und einem Atemrohr versehen, den Grund des Mittelmeeres entlangwanderte, um auf direkte Tuchfühlung mit dem unterseeischen Leben zu gelangen.< (Brunner, S. 42)

Im deutschen Sprachraum wurde erstmals 1854 über das Aquarium berichtet. Die Zeitschrift „Die Gartenlaube“ veröffentliche einen Artikel mit dem Titel „Der Ocean auf dem Tische“. Der Mitbegründer der Gartenlaube, Emil Adolf Roßmäßler, war einer der Förderer des Aquariums. Von ihm erschien 1857 das Buch „Das Süßwasser-Aquarium – Eine Anleitung zur Herstellung und Pflege desselben“. Ein Süßwasser-Aquarium war gregenüber dem Meeres-Aquarium der bequemere Weg. Die Schwierigkeiten beim Meeres-Aquarium begannen schon mit der Beschaffung des Meerwassers, weshalb man es auch künstlich mit Kochsalz, Bromnatrium, schwefelsaurem Kali, Glaubersalz, Gips, Magnesia und Chlormagnesium herstellte (Brunner, S. 64).

Clownfisch und Seeanemone im Haus des Meeres, Wien

Ab 1869 wurden exotische Zierfische nach Europa exportiert. Als erstes wurden Makropoden (Paradiesfische) geliefert. Fischer und auch Schiffpassagiere brachten von ihren Fahrten lebende Fische mit. „Einheimische fangen die Tiere meist mit Keschern und Wurfnetzen in der freien Natur, zuweilen werden kleine Seitenarme von Flüssen abgesperrt. Bekannt ist auch der Einsatz von Pflanzengiften aus Baumrinden und Blättern, die in niedriger Konzentration in das Wasser gegeben werden, um die Fische zu betäuben“. (Brunner, S. 74)

Neben den heimischen Wasserbehältern gab es ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch erste öffentliche Schauaquarien. Das erste dieser Art eröffnete 1853 im Londoner Regent´s Park. Auf dem europäischen Kontinent folgen Aquaien in Paris und Wien. Das Wiener Aquarium wurde 1860 von Gustav Jäger eingerichtet. In Paris gibt es ein Deckenaquarium, bei dem die „Decke ganz aus Glas ist und in der der Zuschauer mit steil nach oben gerichtetem Blick das Treiben im Becken beobachten kann – so als würde er selbst auf dem Meeresgrund stehen.“ (Brunner, S. 97)

Glastunnel im Meerwasser-Aquarium in Westerland, Sylt

Erwähnt werden von Bernd Brunner außerdem Aquarien die von der Wissenschaft genutzt wurden. Beispielsweise das 1874 eröffnete „Stazione Zoologica“ bei Neapel. Die Wissenschaftler gingen nun selber ins Meer, tauchten und brachten von dort Lebewesen mit, die sie später im Labor untersuchten.

Haus des Meeres, Wien

Heute gibt das Ozeanarium „die für sich in Anspruch nehmen, die Meeresfauna noch authentischer zu zeigen“ (Brunner, S. 111). Auf der anderen Seite gibt es Parks wie die Sea-Life-Center, bei denen weniger das Erlangen von Wissen, sondern mehr das Vernügen im Vordergrund steht.

Brunners Buch gibt einen guten Überblick über die Entwicklung der Aquaristik und der Aquarianer, läßt dabei die Jetztzeit nicht aus und nennt auch die berechtigte Kritik. Ähnliche Bücher zum Thema: Das 2018 veröffentlichte Buch von Mareike Vennen „Das Aquarium – Paktiken, Techniken und Medien der Wissensproduktion (1840 – 1910)“ oder ganz speziell zur Heimhaltung des Schwanzlurch Axolotl im Aquarium, dass Buch von Christian Reiß „Der Axolotl – ein Labortier im Aquarium“, welches 2020 erschien.

Artenbestimmung – Anregung durch das Buch: „Bullau. Versuch über Natur“ (Maier/Büchner)

Das Buch „Bullau. Versuch über Natur“ von Andreas Maier und Christine Büchner erschien erstmals 2006. Mein Buch ist von 2017 (insel taschenbuch 4581). Maier ist Schriftsteller. Brüchner ist Theologin. Hier schreiben sie als „wir“ oder als „einer von uns beiden“.

Umschlag „Bullau. Versuch über Natur“ (Maier/Büchner) mit der Zeichnung „Das große Rasenstück“ (1503) von Albrecht Dürer.

Das Buch ist kein Naturbuch-Lehrbuch im herkömmlichen Sinne. Es ist beispielsweise kein Nachschlagewerk. Es ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Anekdoten. Geschichten, die die beiden Autoren oder einer von beiden, so oder so ähnlich erlebt haben und sich darüber Gedanken gemacht haben.

Dabei bringen sie Dinge zu Sprache, bei denen ich amüsiert lächeln musste, und aufgrund deren ich mir ein paar Gedanken zur Artenbestimmung gemacht habe.

Diese Stelle gleich zu Beginn des Buches:

„Man erlebt auch immer wieder, daß man mit den besten Bekannten zufällig und absichtslos irgendwo spazierengeht und diese völlig verblüfft sind, wenn man plötzlich auf Seifenkraut verweist. Seifenkraut, sie wissen gar nicht, ob es das gibt oder ob man sie in diesem Augenblick auf den Arm nimmt.“ (Seite 7) 

Seifenkraut ist in Eurasien weitverbreitet, steht bei der Wikipedia zum Gewöhnlichen Seifenkraut. Sicher habe ich es schon gesehen, es ist ja „weitverbreitet“ und muss somit an jeder Ecke stehen. Ich selber habe es vielleicht schon fotografiert, aber mich noch nicht um eine Bestimmung für mich bemüht. Aber statt Seifenkraut könnte im Text auch Wiesenkerbel stehen. Das kenne ich. Irgendwer hat sich diesen Namen ausgedacht. Ohne Namen geht es halt nicht. Mit „ich meine diese Pflanze, die oben viele weiße Blüten hat … im Frühjahr stehen die zahlreich am Wegesrand“, kommt man nicht weit. Wiesenkerbel ist Wiesenkerbel. Seifenkraut ist Seifenkraut. Das muss gelernt werden, wie bei der Holzplatte mit vier Beinen, die alle Tisch nennen.

Wer sich mit der Natur beschäftigt, eignet sich zwangsläufig, ja manchmal geradezu zwanghaft, diese Namen an. Besser noch man kennt die wissenschaftlichen Namen, dann ist man auf jedem Fall auf der sicheren Seite. Reden wir also vom Anthriscus sylvestris (Wiesenkerbel) und vom Saponaria (Seifenkräutern).

Wenn man die Namen nicht kennt, dann ist es leicht, von anderen auf den Arm genommen zu werden. So beispielsweise mit dem Nelkenfalter, den Bleiläusen, dem Rheinischen Zankapfel oder den invasiven Sumatraschaben („Sie mal dort eine Sumatraschabe, die sind in den letzten Jahren zu uns eingeschleppt worden …“). Weiß mans?

Andreas Maier und Christine Büchner zeigen dies nochmal am Beispiel des Kleibers.

„Da, ein Kleiber!“

„Da, ein Kleiber!
Unser Bekannter klappte sein Buch zu […], schaute uns an und sagte plötzlich sehr unvermittelt: Wißt ihr, manchmal glaube ich, ihr erfindet das alles. Ihr erfindet alle diese Namen. Nein, sagten wir, da sei er doch, der Kleiber. […] Er: Das ist ein Spatz. Das ist bestimmt ein Spatz oder sonst etwas Banales, und jetzt habt ihr bloß wieder so einen Namen erfunden, so wie
Hechelgelbling oder Lümmeldolde.“ (S. 10/11)

Von der Unkenntnis über die Namen von „unbestimmten“ Pflanzen, Tieren oder Pilzen leben ganze Internetforen. Ein fiktives Beispiel: „Nun ist Schwarmwissen gefragt. Schaut ich habe dies bei uns fotografiert. Was könnte das für einer sein? Mein Mann meinte, dass sei eine Rotmeise. Das glaub ich nicht. Was meint ihr?“ – 2 Minuten später: „[ Bling ] Ein Rotkehlchen“ – 3 Minuten später: „[ Bling ] Nein, das ist ein Dompfaff“. Wenig später: „[ Bling ] Ja stimmt.“ Dann: „[ Bling ] Ich meine es wäre ein Gimpel … (unsicher)“. Eine Stunde später: „[ Bling ] Jetzt erst gesehen. Gimpel, auch Dompfaff genannt. Definitiv!“. Am Tag danach: „[ Bling ] Danke! Wieder was gelernt (und mein Mann auch 😉 ).“ Ja, etwas gelernt und darum geht es doch schließlich.

Im alten Botanischen Garten in Göttingen. Der Name steht gleich neben der Pflanze.

„Was könnte das für einer sein? Mein Mann meinte, dass sei eine Rotmeise.“

Vordergründig reagiert der Bekannte in der zitierten Passage etwas komisch. Was er namentlich nicht kennt bzw. noch nie gesehen hat und namentlich nicht kennt, gibt es für ihn auch nicht. Aber dadurch bleibt die Passage mit dem Kleiber doch witzig, finde ich. Auch wegen der beiden Wortschöpfungen „Hechelgelbling(später gab es einen Blog mit diesem Namen) undLümmeldolde“ (beide Maier/Büchner, 2006).

Buch: Josef Settele „Die Triple Krise“

Im ersten Kapitel beschreibt Josef Settele ein Schreckenszenario – den Worstcase – Bäume werden nicht mehr bestäubt, Fleisch wird im Labor gezüchtet, der Wald darf nicht betreten werden, weil man sich Viren einfangen könnte oder von einem vom Borkenkäfer zernagten Ast erschlagen werden könnte. Dieser würde aber so nicht Realität werden. Aber von einem „Puh, Glück gehabt“ kann dann keineswegs gesprochen werden, denn auf den nun folgenden 300 Seiten, schildert der Autor wie düster es für die Natur aussieht.

Josef Settele „Die Triple Krise“

Wir stehen aus Sicht des Buches in einer dreifachen Krise, einer Triple Krise aus 1) Pandemien 2) Klimawandel und 3) Artensterben (in der Reihenfolge wird die Triple Krise derzeit behandelt).

Allerdings kann das Thema Pandemien in diesem Buch nur angerissen werden. Pandemien werden in den Zusammenhang mit der Zerstörung der Umwelt gebracht und „je mehr der Mensch in bis dahin unberührte Natur vordingt und sie ausbeutet, desto mehr kommt er mit Viren in Kontakt, denen er zuvor nie begegnet ist.“ (S. 87) Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Mensch übertragen werden, sog. Zoonosen, wie BSE (Rinderwahn), H5N1 (Vogelgrippe), SARS (severe acute respiratory syndrome coronavirus type/Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) oder SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus type 2, Krankheit: Covid19, coronavirus disease 2019) sind zunehmend eine Gefahr, die den Menschen schaden können.

Der Klimawandel, den wir Menschen durch die Industralisierung seit dem 19. Jahrhundert ausgelöst haben, bedeutet ein immer schnelleres Aufheizen der Atmosphäre. Die Folgen, also steigende Temperaturen, Anstieg der Meeresspiegel, Auftauen des Permafrost, Dürren und Extremwetter (In Europa erlebten wir gerade Dürrejahre von 2018 bis 2020 sowie Stark- bzw. Dauerregen-Ereignisse wie Mitte Juli 2021) sowie Einfluss auf das Artensterben, sind allseits bekannt. Oft sind es nur Details die uns den Teufelskreis dieser Krise vor Augen führt.

Löwenzahn mit Hummel am Wegesrand bei Lindlar-Oberbüschem (Mai 2021)

Wenn wir von Bestäubern reden, dann denken wir zunächst an die Honigbienen und vergessen Wildbienen wie die Hummeln. Hummeln vertragen die zunehmenden Hitze nicht und „verlieren somit ihre Lebensräume“ (S. 195) Aber als Bestäuber sind die Hummeln genauso wichtig wie die domestizierten Honigbienen. Hummeln können Blüten bedienen, auf den Bienen nicht landen können oder ihr Rüssel zu kurz ist oder sie wegen kühler Witterung in ihrem Stock bleiben (S. 160).

Drittes großes Thema ist der Artenschwund bzw. härter ausgedrückt das Artensterben. Von den geschätz 7 Millionen Tierarten sind wohl 5 bis 6 Millionen Insekten. Die Insekten werden von uns Menschen aber zumeist als Plagegeister (oder Schädlinge) betrachtet. Wer mag schon gerne Wespen, Wanzen, Kakerlaken, Fliegen oder Mücken? Settele schreibt: „Die Beliebtheit von Insekten, man muss es sagen, ist beim Normalbürger überschaubar.“ (S. 115) und „die Nachricht, alle Mücken seien Ausgestorben, würde dagegen von vielen Leuten bejubelt.“ (S. 131) Ängste (z.B. vor Stichen, Akarophobie) und die Andersartigkeit seinen die Ursachen. Auf der anderen Seite sind aber Schmetterlinge, Marienkäfer oder Hummeln gerngesehene Gäste im Garten (natürlich auch die Bienen, auch wenn sie nicht jeder gleich von „nervigen“ Wespen oder Mistbienen unterscheiden kann). Sie werden in Ruhe gelassen, wohingegen anderen „mit einem schnellen Handstreich“ der Garaus gemacht wird (S. 124)

Laut Settele fehlt es hierzulande an sich selbst überlassenen Ackerbrachen, Blühflächen aus heimischen Saatgut sowie an Pufferflächen, um die Artenvielfalt zu verbessern (S. 243). Weniger Lichtverschmutzung, d.h. künstliches Licht, das Insekten und Vögel in der Nacht in die Irre führt, am besten sogar ein dunkler Himmel in der Nacht, wäre auch ein Vorteil für die Arten.

Ein Buch, das das Wort „Krise“ in Großbuchstaben auf der Titelseite stehen hat, kann wohl kaum ein fröhliches Buch sein. Einzig der orangefarbene Schmetterling hat etwas aufmunterndes an sich (wenn er nicht gerade versucht aus dem Bild zu fliehen). Beim Zuklappen des Buch kann man nur sagen: Die Situation ist ernst.

Prof. Dr. Josef Settele arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und ist Professor für Ökologie an der Universität Halle-Wittenberg.

Buch: „Das 6. Sterben – Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt“ (E. Kolbert)

Beim aktuellen Artensterben, dem sechsten Sterben der Arten in der Erdgeschichte, dachte ich in erster Linie an das Insektensterben. Das die Zahl der Insekten dramatisch in den letzten Jahrzehnten gesunken ist, kann man sich schnell vor Augen führen, wenn man sich an lange Autobahnreisen vor 20 oder 30 Jahren erinnert: Die Frontscheibe war zumindest im Sommer stets voll mit verunglückten Insekten. Heute bleibt die Windschutzscheibe fast ganz sauber. Dieses Beispiel ist jedem sofort bewusst und kann es bestätigen.

Der Klimawandel als Problem ist mittlerweile in weiten Teilen der westlichen Bevölkerung angekommen und zum Teil auch als ein Solches erkannt und akzeptiert. Das das Artensterben ein Problem sein könnte hinkt in der Öffentlichkeit noch hinterher. Die Massenartensterben in der Vergangenheit und das derzeitige stehen im Mittelpunkt des Buchs „Das 6. Sterben“ (im Original als „The Sixth Extinction: An Unnatural History„, 2014) von Elizabeth Kolbert.

Titelseite von „Das 6. Sterben“ (2017), Suhrkamp Verlag, 313 Seiten.

Direkt vorweg gesagt: Obwohl mir bewusst war, dass der Mensch schon öfters dafür gesorgt hat, dass bestimmte Arten ausgestorben sind (oder in bestimmten Regionen fast ausgerottet, siehe Wolf [Canis lupus)] in verschiedenen westeuropäischen Ländern), war ich doch erschrocken, dass Kolbert im Buch beschreibt, wie der Mensch nach seinem Auftauchen in einer Region oder auf einem neuen Kontinent, den er besiedelt, über kurz oder lang bestimmte Tierarten bis zur Ausrottung jagd. Genannt wird die Ausrottung der flugunfähigen Moas (Dinornithiformes), Laufvögel auf Neuseeland durch die polynesische Einwanderer ab dem Ende des 13. Jahrhunderts — bereits 100 Jahre später waren die Moas ausgestorben.

Elizabeth Kolbert schreibt, dass die über Generationen erfolgte Ausrottung einer Art den Menschen gar nicht bewusst war, weil man nicht wußte, dass früher der Bestand der Population noch größer war. So kam es vielleicht über 1000 Jahre der Bejagung dieser einen Art — auch wenn nur der notwendige Bedarf für die eigene Ernährung erlegt wurde — irgendwann zum Aussterben.

Mir fällt dabei auch die Bisonjagd in Nordamerika ein, bei der der Bestand von ca. 25 Millionen auf unter 1000 Tiere am Ende des 19. Jahrhunderts dezimiert wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde aus dem Bison, den die amerikanischen Ureinwohner zuvor für ihren Bedarf gejagt hatten zu einem Exportschlager, verkauft wurden die Häute der Bison überwiegend ins Ausland. Bekannt sind auch die Fotos aus den 1870er Jahren mit Hügeln aus Bison-Schädeln.

Aber nun konkret zum Buch. Elizabeth Kolbert hat viel recherchiert und bei zahlreichen Themen einige Orten besucht und sich dort mit Wissenschaflern getroffen, sodass sich das Buch in weiten Teilen wie eine Reportage liest. Eines der Recherchethemen war, wie es dazu kam, dass man verstand das Arten aussterben können. Carl von Linné, der die binäre Nomenklatur einführte, nach der wir bis heute den Arten Namen geben, sah einen Unterscheidung zwischen lebenden und ausgestorbenen Arten als nicht notwendig. Er listete 1758 nur lebende Arten auf. Die ausgestorbenen Arten sammelte man damals aber durchaus schon in Kuriositätenkabinetten. Aber erst Jean-Léopold-Nicholas Frédéric Cuvier (Achtung er hat einen Bruder: Frédéric Cuvier, der ebenfalls Zoologe war) beschäftigte sich damit, dass eine Art aussterben konnte. Es hatte also eine Welt vor der unseren gegeben. Eine Welt deren Arten nun nicht mehr existierten. Cuvier glaubte zwar daran, dass Arten aussterben konnten, aber den Transformismus, also die Evolutionstheorie lehnte er ab. Jean-Baptiste Lamarck hingegen glaubte an die Veränderbarkeit der Arten, lehnte aber Cuviers Aussterbentheorie ab. Fossilienfunde, wie die der Sammlerin Mary Anning, ließen also richtig intepretiert erkennen, dass es zuvor andere Arten auf der Erde gegeben hatte.
Es folgen die Thesen des Geologen Charles Lyell, nachdem sich ein Artensterben so langsam fortschritt, dass es in der Zeit an einem bestimmten Ort unbemerkt blieb. Lyell vertrat die Auffassung, dass verschwundene Lebewesen unter geeigneten Bedingungen wieder auftauchen würden. Das ein Lebewesen sich aber weiterentwickeln und sich neue Arten entwickeln könnten war für ihn unverstellbar. Das dies aber die Normalität ist, begann mit Charles Darwins berührten Fahrt auf dem Schiff Beagle. Tiere, ja auch Menschen, hatten sich in einem langen Transformationsprozess entwickelt, der über viele Generationen stattgefunden hatte. Für Darwin gehörten Evolution und Aussterben zusammen. Das Entstehen einer neuen Art vollzieht sich sehr langsam und ist im Gegensatz dem Aussterben einer Art nicht beobachtbar.
Elizabeth Kolbert arbeit sich so durch die Entdeckungen der verschiedenen Wissenschaftler und kommt so in die Gegenwart, dem Anthropozän.
Den Begriff Anthropozän stammt vom niederländischen Meteologen Paul Crutzen, weil er fand, dass wir auf der Erde nicht mehr im Zeitalter des Holozän leben, sondern ein Zeitalter erreicht haben, in der der Mensch bleibende erdgeschichtliche Spuren hinterlassen hat. Dies betrifft die vom Menschen umgestaltete Landfläche, die umgeleiteten und eingedämmten Flüsse, den Süßwasserverbrauch oder die Veränderung der Atmosphäre beispielsweise durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe und die Abholzung der Wälder, die den Gehalt an Kohlendioxid (CO2) in der Luft hat ansteigen lassen. Die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre kann zu einem globalen Temperaturansieg von zwei bis vier Grad führen. Dieser Klimawandel hat natürlich Einfluss auf die Arten und ihre Lebensräume.

Elizabeth Kolbert ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. Für „The Sixth Extinction: An Unnatural History“ erhielt Elizabeth Kolbert 2015 den Pulitzer-Preis in der Kategorie General Non-Fiction (Sachbuch) und das Buch wurde im selben Jahr als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnet.

Buch: „Die fabelhafte Welt der Ameisen“ (Grätz/Kupfer)

Geschrieben wurde das Buch von den beiden Biologinnen Christina Grätz und Manuela Kupfer. Grätz ist Ameisenumsiedlerin und Geschäftsführerin der Nagola Re GmbH. Kupfer ist freiberuflich als Lektorin und Fachredakteurin für Naturwissenschaften und Gesundheit tätig.

Darüber das Ameisen umgesiedelt werden, hatte ich bisher noch nichts gewusst. Ich hatte mir auch schlicht keine Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn man beispielsweise in einem Baugebiet auf einen Ameisenhügel stößt und dieser logischerweise von dort weg muss. Dies wird zum Glück gesetzlich geregelt. Wird bei einer Baumaßnahme einen Ameisenvolk gefunden, dann muss dieses an einen angemessenen neuen Standort umgesiedelt werden. Grundlage für solche Umzüge ist das Gesetz über Naturschutz und Landespflege (Bundesnaturschutzgesetz, abgekürzt BNatSchG) und die auf das BNatSchG aufbauende Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV).

  • BNatSchG: gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009
  • BArtSchV: gesetze-im-internet.de/bartschv_2005

In dem Buch wird einerseits beschrieben wie Ameisenhegerinnen und -heger diese Umzüge durchführen. Andererseits wird Wissen über das Leben der Ameisenvölker vermittelt.

Titelseite von „“Die fabelhafte Welt der Ameisen“ (2021), Penguin Verlag, 285 Seiten.

Die gefundenen Nester mit Königinnen, Arbeiterinnen, Soldatinnen, Puppen, Eier und Larven werden samt Neststreu von den Ameisenhegerinnen und -heger in Säcke gehoben und an den neuen Standort gefahren. Mit zu einem Nest gehört oft ein Stubben, ein Baumstumpf, der den Kern des Nests bildet und ebenfalls mit umgesiedelt wird. Im diesem Totholz leben oft die Königinnen und dort finden sich weitere Puppen, Eier und Larven. Die Nester bestehen nicht nur aus dem Hügel, sondern auch aus einem Bereich darunter, der unterschiedlich tief sein kann.

Das Buch ist mit einer überquellenden Anzahl von Fakten über Ameisen gespikt. So erfährt man, dass laut Studien Ameisen bereits vor 168 Millionen Jahren, bzw. nach einer anderen Studie seit 115 bis 135 Millionen Jahren, über die Erde krabbeln. Das älteste Fossil einer Ameise ist 110 Millionen Jahre alt. Die Ameisen sollen sich wohl aus solitär (= in der Zoologie: einzeln lebend, Gegensatz: gregär/gesellig) lebenden Wespen entwickelt, Dolchwespen sollen ihre Vorfahren gewesen sein. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass es 30.000 verschiedene Ameisenarten gibt. Die Unterscheidung verschiedener Arten ist selbst für Experten nur unter der Lupe möglich. Da wird nach der Form der Oberlippe geschaut („Oberlippe eingebuchtet: Raubameise“, S. 55) oder der Form der Kopfoberseite („Kopfoberseite eingedellt und wie ein kleines Teufelchen aussehend und dabei ganz zierlich: Kerbameise“, ebd.). Ansonsten wird nach der Färbung und der Behaarung des Hinterkopfs geschaut. Es gilt genau hinzusehen, denn „viele Arten sind nur schwer von anderen zu unterscheiden. Da geht es etwa um Unterschiede in der Anzahl und Größe der Antennenglieder sowie der Haare auf bestimmten Körperabschnitten, um Abweichungen in der Pigmentierung, der Anzahl und Form von Zähnen oder Mandibeln.“ (S. 67) Handelt es darüberhinaus noch um eine Zwillingsart, dann lassen sich die Ameisen unter Umständen nur aufgrund ihres Verhaltens unterscheiden (S. 68).

Meine Beobachtungen:

Ameisennest mit Stubben, ein Baumstumpf, der den Kern des Nests bildet (zwischen Delling und Ommerborn, Mitte Oktober 2021)
Rote Gartenameise und Blattläuse bei Lindlar-Stelberg im Bergischen Land (Sommer 2021)
Rote Gartenameise und Blattläuse bei Lindlar-Stelberg im Bergischen Land (Sommer 2021)

Buch: „Lebensraum Baum“ (Binner)

Im Mittelpunkt des Buches stehen die sog. Biotopbäume. Solche Bäume sind für die Artenvielfalt unbezahlbar, denn in ihnen können sich zahlreiche Tiere ansiedeln und ernähren. Diese alten Bäume sind faul, hohl oder haben Verletzungen oder Brüche. Für uns Menschen haben diese Bäume wirtschaftlich daher nur noch Brennholzqualität, für Insekten oder Vögel ist der Biotopbaum ein wertvoller Lebenraum (schön aussehen, so denke ich, tun sie auch). Dies vermittelt der Revierförster Volker Binner seinen Lesern.

Interteilt ist das Buch in die drei Abschnitte:

  • Biotopbaum – Ein unbekanntes Wesen
  • Lebensraum – Den Bewohnern auf der Spur
  • Mensch und Baum – Biotopbäume schützen und fördern
Titelseite von „Lebensraum Baum“ (Autor: Volker Binner), 1. Auflage 2019.

Einen Urwald gibt es in Deutschland nicht mehr. Aber ein Wald, so meint der Autor, mit Biotopbäumen könnte ein Fenster zum Urwald sein. Mit ihnen erreicht man Artenvielfalt und kann zeigen wie der Urwald bei uns ausgesehen hat. In so einem Wald werden die Bäume im Vergleich zu einem Wirtschaftswald wesentlich älter. Im Wirtschaftwäldern werden die Bäume nach 80 bis 140 Jahren geerntet. Ökologisch interessant und damit vorteilhaft für die Artenvielfalt werden die Bäume aber erst ab einem Alter von 140 Jahren, wenn sie in die „Altersphase“ kommen und dann später die „Zerfallsphase“ erreichen. Im Verlauf dieser Phasen werden sie mehr und mehr zu Biotopbäumen. Diese Art von alten Bäumen kann aber nicht nur im Wald stehen, sondern auch in Parks, auf Friedhöfen oder auf Streuobstwiesen.

Ökologisch bedeutsame Strukturen an einem Biotopbaum können Specht- oder Großhöhlen, Kronentotholz, Mulmhöhlen, Pilzkonsolen oder Epiphyenbewuchs (Aufsitzerpflanzen) sein. Am Baum können sich auch schon abgestorbene Teile befinden oder Teile die auf dem Weg des Absterbens sind. Diese werden nun von Insekten und Vögeln wie dem Schwarzspecht bearbeitet. Im Stammfuß trifft man Rossameisen, Schwarz- oder Buntspecht oder den Nachfalter Weidenbohrer. Am Stamm Hornissen, verschiedene Käfer und Fledermäuse. In der Baumkrone sind Vögel wie der Schwarzstorch, Rotmilane, Habicht oder Sperber anzutreffen. So werden diese Bäume also zu Hotsspots der Artenvielfalt. Wenn es in der Diskussion um eine andere („ökologische“) Waldbewirtschaftung geht, dann geht es auch um die Biotopbäume.

Volker Binners Buch kommt vollkommen unaufgeregt. Klagt weder mit erhobenem Zeigerfinger an noch will es Dinge geraderücken. Es vermittelt Wissen auf angenehme Art. Dazu gehören auch die zahlreichen Fotos im Buch, die nicht bloß eine Waldromantik zeigen, sondern den Text gut unterstützen.

Eigene Bilder:

Zerfressener Holzstumpf am Löhberg bei Lindlar-Süng.
Pilzkonsolen: Baumpilz bei Lindlar-Hönighausen.
Am Sünger Berg bei Lindlar-Bonnersüng.
Alter Kirchbaum am Fuß des Stelberg bei Bonnersüng (Mitte September 2021)
Alter Kirchbaum am Fuß des Stelberg bei Bonnersüng (Mitte September 2021)
Eiche mit Pilzen am Stelberg (Mitte September 2021)
Kleine „Höhle“ am Fuß einer Eiche am Stelberg (Mitte September 2021)
Verrotteter Baumstumpf am Stelberg (Mitte September 2021)
Verrotteter Baumstumpf am Stelberg (Mitte September 2021)
Zerfressenes Holz am Stelberg (Mitte September 2021)
Zerfressenes Holz am Stelberg (Mitte September 2021)
Zerfressenes Holz am Stelberg (Mitte September 2021)

Das geheime Leben von (fast) allem

Über die Jahre erschienen einige Sachbücher die die Leserinnen über das geheime bzw. das geheimnisvolle Leben von Pflanzen, Insekten, Bäumen und Pilzen aufklärten. Es sind Sachbücher, die sich an ein breiteres Publikum richten, an der Natur interessierte Leserinnen. Robert Hofrichter hatte den Vorsatz gehabt „in einem hoffentlich unterhaltsamen Sachbuch über Pilze eine möglichst allgemeinverständliche Sprache“ zu verwenden, wenn es auch nicht immer leicht sei („Das geheimnisvolle Leben der Pilze“, S. 69)

Eine Voraussetzung für die Lektüre dieser Bücher ist demnach nicht ein Studium in Biologie, sonstigen Natur- oder Geo- oder Forstwissenschaften. Offenbar gibt es einen Bedarf dem Laien dieses „geheime“ Leben näher zu bringen. So schaffen es diese Bücher auch in die Buchhandlungen und nicht nur in wissenschaftliche Bibliotheken. Eine feine Sache finde ich.

Peter Tompkins / Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen. Erschien ursprünglich 1973 (The Secret Life of Plants) . Die Abbildung zeigt das Titelbild der 26. Auflage von 2009.
Stefano Mancuso/Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen. Die Originalausgabe (Verde brillante. Sensibilità e intelligenza del mondo vegetale) erschien 2013 in Italien. Die deutsche Ausgabe im Jahr 2015.

Der Biologe Stefano Mancuso ist Professor für Pflanzenkunde an der Universität in Florenz. Sein Fachgebiet ist die umstrittene Pflanzenneurobiologie. Alessandra Viola ist Wissenschaftsjournalistin.

Mancuso versucht in dem Buch die Pflanzenwelt in das ihr gebührende Licht zu rücken. Es kann ja auch nicht sein, dass wir weiterhin die Pflanzen als dumme, vor sich hin vegetierende, Dinge betrachten. Pflanzen sind ja keine Steine, nur weil sie „sesshafte Organismen sind, die sich nicht von der Stelle rühren“ (S. 8), sondern wie wir Lebewesen. Es ist nicht nur der Wind der sie hin und her bewegt, sondern „sie wachsen zum Licht, weichen Gefahren aus oder neigen sich in Richtung Kletterhilfe.“ (S. 40) Die Autoren stellen dar, wie wir zu unserer Denkweise über Pflanzen gekommen sind, sie blicken zurück bis in die Antike.

An einigen Stellen des Buches dachte ich mir, dass wir mit unserem Wissen und Denken über die Pflanzen noch nicht viel weiter gekommen sind. Noch immer hängen wir in alten Denkweisen fest: „Die Biologie, so kann man sagen, ist dem vorkopernikanischen Denken weiter verhaftet. Sie glaubt, der Mensch sei das wichtigste Lebewesen, um das sich alles dreht.“ (S. 42/43) Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass „99,5 Prozent der gesamten Biomasse auf der Erde“ (S. 43) die Pflanzen zur Verfügung stellen. Und sie ermöglichen uns erst das Leben auf der Erde, denn „ohne Fotosynthese [der Pflanzen] hätte sich der Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, nie gebildet. Pflanzen stehen auch am Anfang unserer Nahrungskette und ihnen verdanken wir … unsere Energieressourcen, die fossilen Brennstoffe …“ (S. 9) Trotzdem werden die Pflanzen weiterhin „völlig unterschätzt, obwohl unser Überleben und unsere Zukunft auf der Erde genau davon abhängen.“ (S.30) Verwundert bin ich daher, dass wir als Menschen immer noch so wenig über die Pflanzen wissen, sie wie mechanische Dinge oder einen leblosen Stein betrachten. Die Kommunikation mit Pflanzen ist nun wirklich nicht so einfach, aber als intelligente Wesen, sollten wir doch versuchen sie zu verstehen, wo sie als Nutzpflanzen doch unsere Grundnahrungsmittel (Mais, Reis, Weizen, Kartoffeln, Soja etc.) und zahlreiche Rohstoffe für die industielle Produktion liefern.

Bücher wie „Die Intelligenz der Pflanzen“ sind erst der Anfang das Wissen über die Pflanzenwelt zu dokumentieren. Die Wahrheit über das wirkliche Wesen Pflanze, so scheint es mir, scheint noch im dichten Nebel versteckt zu sein. Jetzt schon von „intelligenza“ bei Pflanzen zu reden, geht einigen Kritikern des Buches deutlich zu weit. Sehen, hören, fühlen, kommunizieren, denken und Entscheidungen treffen – das können wir Menschen (und die Tiere), aber den Pflanzen wird dies abgesprochen. Und gerade dies, also sehen, hören, fühlen, kommunizieren, denken wollen die Autoren den Pflanzen zusprechen.

Kritiker werfen diesen Art von Büchern teilweise die Verwendung von Wörtern wie „Familie“ und „Verwandtschaft“ bei Pflanzen vor. Ein Satz wie „Pflanzen können nicht nur zweifellos Verwandte erkennen, sie sind ihnen auch überaus freundlich gesonnen“ klingt provokativ. Wie sollen Pflanzen ihre Kinder, Eltern oder Enkel erkennen? Logischerweise sind dies Metaphern, um mit unserer Sprache, sich ein wenig den Pflanzen als Lebewesen annähern zu können. Wenn man sich aber klar macht, „dass das eigentliche Ziel des Lebens die Verteidigung des eigenen Erbguts ist [, ist] … jede Konkurrenz mit engen Blutsverwandten nichts als Energieverschwendung.“ (S. 92/93) Ich denke so lässt sich doch verstehen, was mit der Metapher Verwandtschaft hier gemeint ist.

Wir sehen die Pflanzen zumeist nur als Lebewesen über der Erdoberfläche. Die Wurzeln betrachten wir als Beiwerk, dass die Pflanze in der Erde verankert, würde sie doch sonst vom Wind weggetragen. Klar wissen wir, dass die Pflanzen über die Wurzeln Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Aber sonst? Überhaupt ist die Wurzelökologie noch eine Welt für sich, mit denen sich auch nicht all zu viele Forscher zu beschäftigen scheinen (vgl. aber Bücher wie „Wurzelatlas“ und „Pflanzenwurzeln“ oder Forscherinnen wie Lore Kutschera, Erwin Lichtenegger oder Monika Sobotik, Webseite: wurzelforschung.at). Spannend finde ich auch das, die „Kommunikation zwischen Pflanzen“ über „unzählige chemische Moleküle in Luft oder Wasser abläuft“ (S. 90) und sie sogar mit Insekten in Kontakt treten.

Dave Goulson: Das Summen in der Wiese — Das geheime Leben der Insekten. Die Orginalausgabe (A Buzz in the Meadow) erschien 2014 in Großbritannien. In Deutschland 2016. Die Abbildung zeigt die Taschenbuchausgabe von 2018.
Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume. Das Buch erschien erstmals 2015.
Torben Halbe: Das wahre Leben der Bäume. Das Buch erschien erstmals 2017. Titelbild: Vierte Auflage 2020.

In einer größeren Buchhandlung auf der Weender Straße in Göttingen gibt es auf der ersten Etage drei Bereiche in denen man Bücher, die sich im weitesten Sinne mit Natur beschäftigen, finden kann. Hier wäre zuerst der Bereich mit populärwissenschaftlicher Literatur. Dort finden sich Bücher, die sich wissenschaftlichen Themen widmen, aber an ein breites Publikum gerichtet sind. Dann gibt es in einer ganz anderen Ecke der Buchhandlung einen Bereich mit Garten- und Naturbüchern. Hier fand ich auch alle Bücher von Peter Wohlleben, aber auch Joe Harkness‘ „Bird Therapy“ oder einen unglaublich dicken Insektenführer sah ich dort. In einer anderen Ecke, direkt neben den Fach- und Lehrbüchern für Mediziner, waren Fach- und Lehrbücher für Forst- und Landwirte, wo auch ein paar Bücher zur Biologie standen. Alle drei Bereiche waren räumlich getrennt, wohl weil die Buchhändlerinnen dachten, dass das Zielpublikum unterschiedlich sei. Vielleicht ist dies auch so. Der Leser der sich für die Natur interessiert, beispielsweise Tiere und Pflanzen bestimmen will, die er bei einem Spaziergang gesehen hat, möchte nun nicht unbedingt detailliert wissen, wie ein Wald bewirtschaftet wird (oder vielleicht heute doch?). Peter Wohllebens „Das geheime Leben der Bäume“ vermischt die Bereiche etwas. Aus seiner Sicht als Förster schreibt er einerseits darüber, weshalb der Wald in dem Zustand ist wie er nun ist und was man anders machen könnte, und andererseits baut er in seine Texte neuere Erkenntnisse der Wissenschaft ein, die versuchen das Ökosystem Wald näher zu erklären. Letzteres schließt sich inhaltlich an die Forschungen von Stefano Mancuso an. „Die Intelligenz der Pflanzen“ (2013/dt. 2015) und „Das geheime Leben der Bäume“ (2015) erschienen in der gleichen Zeit. Torben Halbes „Das wahre Leben der Bäume“ erschien 2017 als Antwort auf Wohllebens Buch, d.h. ohne „Das geheime Leben der Bäume“ hätte es „Das wahre Leben der Bäume“ nie gegeben. Die Antwort von Halbe entstand, weil offenbar Teile der Forstwissenschaft meinte die Aussagen von Wohlleben geraderücken zu müssen, bevor die Leser von Wohllebens Buch weiter auf falsche Fährten gelockt würden.

Im Wikipedia-Artikel zum Autor Peter Wohlleben wird in der Kritik erwähnt, dass Wohlleben sich wohl an „The Secret Life of Plants“ (gemeint ist sicher Peter Tompkins / Christopher Bird: „Das geheime Leben der Pflanzen“) orientieren würde. Ich hingegen denke, dass man sich evtl. beim Titel an diesem Buch und ähnlichen orientiert hat, inhaltlich aber eher an den Forschungen von von Stefano Mancuso und Kolleginnen.

Aber noch mal zurück zu den drei Regalen in der Göttinger Buchhandlung. Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ stand bei den Garten- und Naturbüchern und bekam vom weit entfernten Regal der Forst- und Landwirte quasi eine Antwort. Da ich aus beiden Büchern lernen wollte, ließ ich mich gerne auf das „geheime“ und auch auf das „wahre“ Leben der Bäume ein.

Robert Hofrichter: Das geheimnisvolle Leben der Pilze. Das Buch erschien erstmals 2017. Titelbild der Taschenbuchausgabe von 2018.

Der Autor Robert Hofrichter ist Zoologe und Biologe. Sein Pilzbuch ist kein Bestimmungsbuch, sondern es geht um das Lebewesen Pilz an sich. So erläutert Hofrichter schon früh im Buch die Partnerschaft zwischen Pflanzen und Pilzen, die man Mykorrhiza nennt (vgl. Mancuso, S. 95, Wohlleben, S. 50f.). Bei dieser Symbiose „kommen die Fäden des Pilzes bis in die Zellen der Wurzelrinde des Pflanzenpartners“ (Endomykorrhiza) (S. 15). Mit Strigolactonen, Pflanzenhormonen, werden die Pilze zur den Pflanzenwurzel gelockt. Die Pflanzen erhalten über die Pilze eine bessere „Versorgung mit Phosphaten, weiteren Nährstoffen und Wasser aus dem Boden“ und der Pilz „bekommt seinen Anteil am Zucker, den die Pflanze durch Photosynthese erzeugt“. (S. 26) 90 Prozent der Pflanzen sollen diese Partnerschaft mit den Pilzen eingehen.

Hofrichter erläutert, dass Pilze früher zu den Pflanzen gezählt wurden. Es sei vielen Menschen bis „heute nicht klar, dass unsere Welt mit mehr als nur zwei Grundtypen von Lebewesen bevölkert ist. Sie meinen, dass Pilze so etwas wie urtümliche Vorfahren der Pflanzen sind. Und so stand es ja lange Zeit auch in den Lehrbüchern der Botanik.“ (S. 17)  Aber Pilze seien den Tieren näher als den Pflanzen. Die Pflanzen ernähren sich über die Photosynthese selber, aber die Pilze müssen wie die Tiere fressen. Pilze betreiben keine Photosynthese. Die Pilze waren vor den Pflanzen auf der Erde und haben den Pflanzen den Landgang überhaupt erst ermöglicht (S. 18, S. 36).

Des Weiteren spannend finde ich das Kapitel „Die Evolution der Pilze und ihre Erforschung“ (ab S. 69). Robert Hofrichter schildert hier den langen Weg bis die Pilze als eigene Lebensform anerkannt wurden und sie nicht mehr als „künstliche Wohnungen von Insekten“ (Friedrich Wilhelm Weis im 18. Jahrhundert) oder „Produkte verwitternder oder gährender Pflanzenteile und bloße Spiele der Natur seyen“ (Georg Friedrich Märklin), sondern seit 1969, nach Einteilung (vgl. „Fünf Reiche“/“five kingdom taxonomic“) durch den amerikanischen Botaniker und Klimatologe Harding Whittaker als Pilze (Fungi) neben den Tieren (Animalia), den Pflanzen (Plantae), den Einzellern (Protista) sowie den Mikroorganismen (Monera) stehen (S. 79).

Wie Eingangs erwähnt ist „Das geheimnisvolle Leben der Pilze“ kein Bestimmungsbuch. Dennoch geht Hofrichter auf die Bestimmung von Pilzen ein. Wobei er dies kritisch betrachtet. Es geht ihm um das Nichtwissen der Laien und die Gefahren, die sich durch eine Verwechslung ergeben können und die „brachiale Weise“ mit der heute wie wild Kofferraumladungen von Pilzen gesammelt werden, die dann per Schwarmwissen von anderen Laien („die vielleicht nur geringfügig mehr wissen als man selbst“, S. 122) identifiziert werden sollen. Hofrichter erwähnt den Mykologen und Buchautor („Illustriertes Lexikon der Pilze“) Ladislav Hagara, der schrieb, dass „mutige Nichtwisser in der Lage sind, jeden beliebigen Pilz mit jedem anderen beliebigen Pilz zu verwechseln“ (Zitat auf S. 121)

Bücher

Kategorie: „Natur“, „Arten“, „Biodiversität“, „Erdgeschichte“

Kategorie „Fotografie“

  • Buch: Kyra Sänger, Christian Sänger „Makrofotografie“ (2. Auflage 2020)

Kategorie: „Natur zeichnen — drinnen und draußen“

  • Buch: Ueli Bieri „Nature Sketching“ (2019)
  • Buch: Andrew Tyzack „Drawing and Painting Insects“ (2020)
  • Buch: Sarah Simblet „Botanik für Künstler“ (2010, 2020)
  • Buch: Clare Walker Leslie „Keeping a Nature Journal“ (2000, 2021)
  • Buch: Sarah Morrish „Natural History Illustration in Pen and Ink“ (2021)
  • Buch: Martin Stankewitz „Bäume malen und zeichnen“ (2017)
  • Buch: John Muir Laws, Emilie Lygren „How to teach Nature Journaling“ (2020)
  • Buch: K. Honomichl, H. Risler, R. Rupprecht „Wissenschaftliches Zeichnen“ (1982)
  • Buch: Albrecht Rissler: „Zeichnen was da so rumliegt“ (2021)
  • Buch: Emily Willoughby „Drawing and Painting Dinosaurs“ (2021)
  • Buch: Eileen Clark „Painting the Mountain Landscape“ (2021)
  • Buch: Helen Hanson „Landscape in Ink and Coloured Pencil“ (2022)
  • Buch: Felix Scheinberger „Illustration – 100 Wege einen Vogel zu malen“ (4. Aufl. 2019)
  • Buch: „Die Kunst des Zeichnens – 15 Minuten – Landschaften“ (2. Aufl. 2021)
  • Buch: Frances W. Zweifel „A Handbook of Biological Illustration“ (Second Edition 1988)
  • Buch: Patricia Monahan „Handbuch der Landschaftsmalerei“ (1989, Lizenzausgabe 1997)

Kategorie „Mediengestaltung und -herstellung“

  • Buch: Katharina Sckommodau „Magazindesign“ (2018)
  • Buch: Caspar Williamson „Low Tech Print“ (2013)
  • Buch: Jochem Ottersbach „Bedruckstoff und Farbe“ (1982)
  • Buch: Franz Hermann Wills: „Vom Layout hängt die Wirkung ab“ (2. Auflage 1960)
  • Buch: Walter Preiß: „Angewandte Graphik“ (1977)

Kategorie „Infografiken“

  • Buch: Wibke Weber, Michael Burmester, Ralph Tille (Hrsg.) „Interaktive Infografiken“ (2013)

Kategorie „Erwachsenenbildung“

  • Buch: Rolf Arnold, Markus Lermen (Hrsg.) „Independent Learning“ (2013).
  • Buch: Hermann J. Forneck, Ulla Klingovsky, Peter Kossack (Hrsg.) „Selbstlernumgebungen“ (2005).
  • Heike Seehagen-Marx „E-Learning-gestützte Erwachsenenbildung“ (2009).
  • Michael Brodowski u.a. (Hrsg.): Informelles Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (2009)

Kategorie „Schreiben und Veröffentlichen als Denkwerkzeug und Partizipationsmöglichkeit“

  • Brugger, P. „Wissen schaffendes Schreiben“ (2004)
  • Hofer, C. „Blicke auf das Schreiben. Schreibprozessorientiertes Lernen. Theorie und Praxis“ (2006)
  • Koch, H.H. / Pielow, W. „Schreiben und Alltagskultur“ (1984)

Kategorie „Didaktische Typografie“, „Lernmedienherstellung“, „Didaktische Illustration“

  • Buch: Dieter Nadolski (Hrsg.): „Didaktische Typografie“ (1984)
  • Buch: Ulrike Borinski, Rudolf Paulus Gorbach (Hrsg.) „Lesbar. Typografie in der Wissensvermittlung“ (2019)

Kategorie „Bücher mit Spannung“ (Krimis, Thriller, Phantastik etc.)

Buch „Naturschutzbiologie“ von Bruno Baur

Bei der Naturschutzbiologie geht es in erster Linie um den Erhalt der biologischen Vielfalt, also der Biodiversität. Untersucht wird die eigentliche Vielfalt der Arten, deren Rückgang bzw. die Gefährdung und schließlich wie man diesen Rückgang stoppen und die Arten schützen kann. Das Lehrbbuch „Naturschutzbiologie“ von Bruno Baur, er ist Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Basel, richtet sich an Studenten der Biologie, der Forst- und (Bio-) Geowissenschaften.

Titelseite von „Naturschutzbiologie“. Haupt Verlag, 440 Seiten.

Zunächst geht es um Individuen, Populationen und Lebensgemeinschaften. Hier werden Begriffe wie unitare und modulare Organismen, Genotyp und Phänotyp, Populationsgröße und -dichte oder Quell- und Zuwanderungspopulationen erklärt. Weiter geht es mit der Definition was Arten sind. Erläutert wird die Nomenklatur der Arten, die auf Carl von Linne zurück geht, wie neue Arten entstehen und wie diese eingeordnet werden. Interessant fand ich hier, dass in sich manche Arten, in das von uns Menschen geschaffene Ordnungssystem nicht immer eindeutig einordnen lassen oder gleich in mehrere Gruppen eingeordnet werden müssen. Genannt werden endemische Arten, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen sowie Generalisten und Spezialisten.

Ein weiteres Kapitel behandelt die genetische Vielfalt und Artenvielfalt und erklärt die Entstehung des Begriff Biodiversität, den der amerikanische Ökologe Thomas Lovejoy 1980 als biological diversity einführte. Als Begriff möchte ich aus diesem Kapitel die Phylogenetische Diversität hervorheben, der die Anzahl der unterschiedlichen Arten in einem Gebiet vorstellt. Die Phylogenetische Diversität ist ein wichtiges Maß für Naturschutzprioritäten.

Intensiv beschäftigt habe ich mich mit den Kapiteln über die Ursachen der Bedrohung der Diversität (Zunahme/Entwicklung der Weltbevölkerung bei hohen Geburtenraten und Abnahme der Sterberaten durch medizinischen Fortschritt, der Ressourcenverbrauch, die Veränderung und Zerstückelung der natürlichen Lebensräume, Umweltverschmutzung, Übernutzung von natürlichen Ressourcen, Freizeit und Tourismus, inversive Arten, Klimawandel, Insektensterben), die inversiven Arten (also die frei- bzw. unfreiwillige Einfuhr und Etablierung von nicht-einheimischen Arten und die daraus entstehenden Probleme), den Klimawandel (Klimaerwärmung, Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Stürme, Dürren oder Starkregen und Hochwasser, Anpassung der Arten an die Klimaerwärmung), die Renaturierungsökologie (Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme, z.B. von Hochmooren wie dem Fintlandsmoor im norddeutschen Ammerland [dieses Moor wird im Buch nicht erwähnt]).

Das Buch gibt aus meiner Sicht eine gute Einführung in den Einsatz für die biologischen Vielfalt und wird mir noch öfters als Nachschlagewerk dienen. Sehr gut fand ich, dass die Sprache von Bruno Baur immer verständlich bleibt und nicht unnötig verklausuliert ist.

Anregungen durch das Buch „Wissenschaftliches Zeichnen“

Honomichl/Risler/Rupprecht: Wissenschaftles Zeichnen in der Biologie und verwandten Disziplinen, 1. Auflage 1982.

Bücher über wissenschaftliches Zeichnen aus jüngerer Zeit gibt es nicht. Das vorliegende Buch erschien 1982. Ein unveränderter Nachdruck erschien 2013 (Springer Wissenschaftsverlag). Im Vorwort werden die Zeichenanleitungen von [Willi] Kuhl von 1949 [„Das wissenschftliche Zeichnen in der Biologie und Medizin“] und [Karl] Belar von 1928 [„Zeichentechnik“. In: „Methodik der wissenschaftlichen Biologie“] erwähnt. Ergänzend will ich hier noch nennen „Das wissenschaftliche Tierbild“ (1949) von Wilhelm Schäfer.

Das Thema ist wohl für ein wissenschaftliches Lehrbuch nicht mehr relevant. Das vorliegende Buch wurde deshalb sicher auch nicht überarbeitet, denn an der ein oder anderen Stelle könnte man den Text um die heutigen Materialien ergänzen und moderne, digitale Technik als Hilfsmittel und auf dem Weg zum Druck sind auch erwähnenswert.

Nach einem Einführungskapitel über Zeichengeräte und Materialien geht es zunächst um Strichzeichnungen mit Bleistift und Tusche. Es folgt ein Kapitel über die Darstellung von Flächen, wo Zeichnungen in der Halbtontechnik (Bleistiftschaffuren) und mit der Punktierung mit Tusche besprochen werden. Die Punktierungstechnik und der damit gezeichnete Schmitterlingsflügel hat mich zu einer eigenen Übung angeregt. Als Tipp geben die Autoren mit: „Beim Setzen der Punkte fährt man am besten mit der Hand kurze, ineinander verschlungene Bögen nach und vermeidet gerade Punktreihen. Sie würden als Linien auffallen, die dann Objektstrukturen vortäuschen.“ (S. 16).

Ich probierte mich an der Übung zum „Punktieren mit Tusche“ (ich verwendete Fineliner und Buntstifte).

Dazu ist viel Geduld notwendig. In der Anwendung bei Tier- und Pflanzenzeichnungen kam ich aber schnell zu ersten positiven Ergebnissen (Bild: mittlere Reihe in der Mitte und Rechts, untere Reihe: Mitte).

Im Buch gibt es die farbig angelegt Zeichnung eines Schwalbenschwanz Schmetterlings, der ebenfalls mit der Punktiertechnik gezeichnet wurde und dessen Details mich begeistern. Dies animierte mich zu der Zeichnung einer Raupe mit Punktiertechnik und Kolorierung mit Buntstiften (vgl. auch hier).

Zwei Versuche: Raupe auf Brennnesselblatt
Zeichnung eines Kopfes einer Rotbeinigen Baumwanze (Pentatoma rufipes) in unterschiedlichen Abbildungsgrößen.
Zeichnung einer Rotbeinigen Baumwanze (Pentatoma rufipes), Bild in 400 Pixel Breite.
Zeichnung einer Rotbeinigen Baumwanze (Pentatoma rufipes), Bild in 400 Pixel Breite, Ausschnitt.

In den folgenden Kapiteln geht es um Methoden der Perspektive und um die Darstellung von makroskopischen und mikroskopischen Objekten. Das letzte Kapitel zeigt kurz den Weg der Zeichnung zum Druck.