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Ruine Neuenberg Lindlar

Der neue Blick von Ruine Neuenberg nach Eibach. Alle Fichten fielen der Dürre und dem Borkenkäfer zum Opfer.

Blick von Ruine Neuenberg nach Eibach (man kann sogar die Ruine Eibach sehen)
Blick von Ruine Neuenberg
Mauereste der Ruine Neuenberg

Hydration beim Wandern

Links:

https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2011/02_11/EU02_2011_088_095.qxd.pdf

Sport allgemein:

https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2019/03_19/EU03_2019_M152-M159.pdf

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2008/wasservergiftung-102.html

https://www.test.de/Trinken-Risiko-Wasservergiftung-1107043-0/

Laufen/Wandern

https://www.runnersworld.de/verletzungen-vorbeugung/fluessigkeitsverlust-und-dehydrierung-dehydration/

https://www.vapur.us/ – Flexible Water Bottle

https://sourceoutdoor.com/de/trinkblasen/11-widepac-trinksystem – Widepac™ Trinksystem

https://wolfgangs.de/blogs/news/dehydrierung-beim-wandern-was-sie-entsteht-und-wie-du-sie-vermeidest

https://www.bergzeit.de/magazin/trinkblase-reinigen-und-trocknen-anleitung/

https://www.salomon.com/de-at/hydration-talks

https://raidlight.com/en/collections/hydratationRaidlight

https://www.runnersworld.com/trail-running/a20804604/how-to-carry-water-on-a-run/

https://www.runnersworld.com/gear/a26414940/collapsible-water-bottles/

https://www.salomon.com/de-de/stories-guides/hiking
How to clean water bottles, flasks and bladders

Wolfram Fleischhauers Roman „Das Buch in dem die Welt verschwand“

Cover von Wolfram Fleichhauers Bestseller „Das Buch in dem die Welt verschwand“ (2003).

Dieses Buch ließ mich mit einem >Wow!< zurück. Zum Großteil ist es ein spannender Thriller. Zum Ende hin wird es philosophisch, was bei mir keinen Abbruch tat. Bei mir hatte das Buch das Interesse geweckt mich noch etwas näher mit der Geschichte und den Hintergründen zu beschäftigen.

Den Klappentext den der Verlag Knaur gewählt hatte beschreibt wie so oft den Inhalt des Buches nur spärlich. Aber der Titel des Buches und die Beschreibung haben mich auf das Buch neugierig gemacht und bei mir eine Vorfreude erzeugt.

„Man schreibt das Jahr 1780
Der junge Nürnberger Arzt Nicolai Röschlaub soll einer Reihe merkwürdiger Todesfälle nachgehen. Begleitet von einer rätselhaften jungen Frau, beginnt für Nicolai eine Suche, die ihn an die äußersten Grenzen des Landes und ins Innerste seiner Seele führt. Die Zeit drängt, denn das Geheimnis ist aus dem Stoff, der eine Welt zerstören kann.“ (Klappentext, November 2004)

Wolfram Fleischhauer beteiligte sich an Leserunden im Internet, wo er Fragen zu seinem Roman beantwortete. Einleitend zu einem längeren Text, in dem er detailliert einige Dinge seines Buchs näher erläuterte, schrieb er auf literaturschock.de:

„Ich weiß zwar nicht, ob es eine gute Idee ist, wenn ein Autor sein eigenes Buch erklärt, denn das bedeutet ja offensichtlich, daß das Buch nicht gelungen ist. Aber vielleicht ist das hier ein Grenzfall ?“
(Wolfram Fleischhauer, 2005, literaturschock.de)

Gelungen finde ich das Buch auf jedem Fall. Wenn man nun ins Detail gehen würde, dann könnte man sagen, dass nicht alle mysteriös angelegten Seltsamkeiten ausreichend erklärt wurden. Historische Stoffe benötigen oft mehr Erklärung, zumal es hier im Roman um Dinge geht, die aus der heutigen Sicht nur noch schwer nachvollziehbar sind. Es wird wirklich versucht eine längst untergegangene Welt zu schildern.

„Es ist kein Krimi, bzw. der >Täter< ist etwas relativ Abstraktes, etwas, das uns heute sehr fremd ist.“ (Wolfram Fleischhauer, 2005, literaturschock.de)

Das Buch ist kein Krimi im eigentlich Sinn, aber als historischen Thriller würde das Buch durchgehen. Vergleichbar mit „1793“ von Niklas Natt och Dag.

Interessant ist was Wolfram Fleischhauer ursprünglich zum Inhalt des Romans kam:
„>Das Buch in dem die Welt verschwand< habe ich ausgelöst durch den Anschlag vom 11. September (2001) geschrieben, Stichwort Kampf der Kulturen, radikale Aufklärung versus religiöser Fundamentalismus. Auch hier wieder die gleiche Situation: nur die Bühne ist manchmal historisch, nie das Thema.“ (Wolfram Fleischhauer, 2011, leserunden.de)

Gemeint sind radikale christliche Sekten, die auf die Aufklärung prallten. Dazu finden sich im Internet jede Menge Texte. Ich habe z.B. etwas über die >Gichtelianer< gelesen, einer Sekte die aus dem Freundeskreis von Johann Georg Gichtel (1638 — 1710) hervorgegangen ist, die den Beinamen die „Gemütlichen“ hatten. Diese protestantische Sekte übte Enthaltsamkeit selbst in der Ehe (sexuelle Askese), man ging keinerArbeit nach und lebte von Spenden. Ende des 19. Jahrhunderts spalteten sich die Gichtelianer in „alte“ und „neue Gemütlichkeit“. Frauen sah man als Versuchung, man beführwortete die >geistliche Ehe mit der himmlichen Jungfrau Sophia<. Diese kurze Beschreibung der Gichtelianer greift natürlich viel zu kurz, wenn man sich aber näher mit ihnen beschäftigt, wird deutlich, dass diese Welt uns (bzw. vielen von uns) heute fremd ist und erklärt werden muss.

Wolfram Fleischhauer gibt auch Einblicke wie er über Recherche seinen Inhalt erstellt:
„Während der Recherchen für Das Buch in dem die Welt verschwand stieß ich in der Eutiner Landesbibliothek zufällig auf die Verhörprotokolle einer merkwürdigen Sekte, die im achtzehnten Jahrhundert in Deutschland einiges Aufsehen erregt hatte und scharf verfolgt wurde: die sogenannte >Buttlarsche Rotte<. Manche überlieferten Äußerungen dieser radikalpietistischen Gruppe um Eva von Buttlar …“ (Wolfram Fleischhauer auf seiner Webseite)

Wie die >Gichtelianer< war mir auch die >Buttlarsche Rotte< vollkommen unbekannt. Ich komme auf Eva von Buttlar bei den Romanfiguren zurück.

Über den Justizrat Giancarlo Di Tassi, der angeblich vom Reichskammergericht in Wetzlar kommt, kommen seltsame Briefe und Geheimcodes ins Buch. Dazu sagte Wolfram Fleischhauer:

„Der Geheimcode stammt aus einem Buch über Geheimgesellschaften aus dem 18. Jahrhundert. Die ganze Geschichte der Briefspionage, also Di Tassi und seine Leute, ist in einer sechsbändigen Dissertation über die Wiener Ziffernkanzlei dargestellt. Dort arbeiteten damals die besten Codierer und De-Codierer Europas.“ (Wolfram Fleischhauer, 2005, buechereule.de, zum Geheimcode auf Seite 364-365)
„Der Verfasser der Dissertation heisst Hubatschke. Das Werk gibt es, glaube ich, nur in Wien und ich habe es mir über Fernleihe bestellt.“ (Wolfram Fleischhauer, 2005, buechereule.de)
Zu dieser Dissertation von Harald Hubatsche findet man im Internet ein paar Hinweise:
Harald Hubatschke, Die amtliche Organisation der geheimen Briefüberwachung und des diplomatischen Chiffrendienstes in Österreich. (Von den Anfängen bis etwa 1870), in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 83 (1975), S. 352–413.
Harald Hubatschke, Die Wiener Geheime Ziffernkanzlei (1716-1848). In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 83, Heft 3 (1975) 389
„Auch Hubatschkes Dissertation war immer wieder Thema: Unglaubliche 1.600 Seiten verfasste der gebürtige Groß Sieghartser über Geheimdienste.“ (meinbezirk.at, 2014)
Harald Hubatschke, Ferdinand Prantner (Pseudonym Leo Wolfram) 1817 — 1871. Die Anfänge des politischen Romans sowie die Geschichte der Briefspionage und des geheimen Chiffredienstes in Österreich. Buch 5 (ungedruckte philosophische Dissertation, Wien 1975) 1289.

Es wurde bereits erwähnt, dass Wolfram Fleischhauer u.a. in Eutin in der Landesbibliothek recherchiert hat. Er sagte etwas zu seinen Beschreibungen der Reise, den die Protagonisten von Franken aus unternehmen:
„Ich habe die Gegend, wo der Roman spielt, nur in alten Reisebeschreibungen bereist, denn natürlich findet man heute kaum noch Spuren von dieser verschwundenen Welt. Es gibt in Eutin eine wundervolle Bibliothek, wo die Reiseliteratur des 18. Jahrhunderts gesammelt ist, 80.000 Monographien, Karten, Tagebuecher etc. Ich habe mehrere Tage dort verbracht und die Leute aus der Bibliothek haben mir ganz toll geholfen.“ (Wolfram Fleischhauer, 2005, buechereule.de)
Die Landesbibliothek schreibt:
„1992 wurde an der Eutiner Landesbibliothek die Forschungsstelle zur historischen Reisekultur gegründet. Aufgabe dieser in Deutschland einmaligen Einrichtung ist die Sammlung, Verzeichnung und Auswertung historischer Reiseberichte. Die Eutiner Landesbibliothek besitzt eine umfangreiche Sammlung von Reiseliteratur. Dazu gehören Reiseberichte, Topographien, Reiseromane und verwandte Literatur aus fünf Jahrhunderten, in mehr als zehn Sprachen und ohne regionale Begrenzung. Die Bibliothek besitzt rund 6.000 Originalausgaben aus dem 16.-20. Jahrhundert, 1.200 historische Reiseführer, 1.300 Ausgaben in Kopie, 1.700 Neuausgaben und Reprints, 450 Titel in Mikroformen, mehrere handschriftliche Reisetagebücher, eine umfangreiche Sammlung von modernen Reiseführern und Ortsprospekten. Dazu kommen über 2.300 Titel Sekundärliteratur, Spezialbibliographien und Nachschlagewerke.“ (Eutiner Landesbibliothek, gesehen 25.08.2020)
Zum Beispiel findet man im Verzeichnis der Eutiner Landesbibliothek:
Heger, Franz Joseph: Post-Tabellen oder Verzeichnuß deren Post-Strassen in dem Kayserlichen Römischen Reich und zum Theil auch in denen angräntzenden Landen. – 1764

Zu weiteren Punkten des Buches habe ich mich ein wenig im Internet umgesehen.

Leopold Auenbrugger (1722 – 1809), der Erfinder der Percussion des Brustkorbes

Leopold Auenbrugger (1722 – 1809), der Erfinder der Percussion des Brustkorbes. Bild aus dem Buch von Conrad Clar .

Der Arzt Nicolai Röschlaub untersuchte in Anwesenheit von Apotheker Zinnlechner die Leiche von Graf Alldorf. Da er die Leiche nicht öffnen konnte, verwendete er die Methode von Leopold Auenberger:
„Nicolai erklärte: >Der Brustkorb ist ein Hohlkörper, worin Organe liegen. Die unterschiedliche Größe und Lage der Organe führt dazu, dass das Klangvolumen der Brust völlig uneinheitlich ist. Wenn ich hier klopfe, ist der Ton hell. Tue ich es dort, wo Ihr Herz sitzt, so ist die Resonanz dunkler. Hören Sie das?<
Zinnlechner nickte unsicher.
>Das Prinzip ist einfach<, fuhr er fort. >Auenbrugger hat die Methode schon vor sechzehn Jahren an Leichen und Patienten entwickelt. Anhand des verschiedenen Widerhalls der Töne kann man sich ein Urteil über den inneren Zustand dieses Hohlraums bilden.“ (Wolfram Fleischhauer: Das Buch in dem die Welt verschwand, S. 95)

In seinem Buch von 1761 schrieb Leopold Auenbrugger:
„Ich lege dir, günstiger Leser, ein neues von mir erfundenes Zeichen vor zur Entdeckung der Brustkrankheiten. Es besteht im Anschlagen an den menschlichen Brustkorb, aus dessen verschiedenem Widerhall der Töne sich ein Urteil über den inneren Zustand dieser Höhle gewinnen läßt.“ (Leopold Auenbruggers Neue Erfindung: mittelst des Anschlagens an den Brustkorb, als eines Zeichens, verborgene Brustkrankheiten zu Entdecken (1761), Reprint 1912, S. 8; übersetzt von Viktor Fossel)

Titelblatt: Leopold Auenbrugger „Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi“ (= Neue Erfindung: mittelst des Anschlagens an den Brustkorb, als eines Zeichens, verborgene Brustkrankheiten zu Entdecken (1761)

Mit Hilfe der Percussion des Brustkorbs entdeckt der Arzt eine Vomika. Dazu sagte Fleischhauer:
„Der Begriff [ Vomika] taucht in der zeitgenössischen medizinischen Literatur im Zusammenhang mit der Heimwehkrankheit auf. Im Grunde ist es ein damals nicht erklärbares Geschwür. Heut würde es man wohl als Rippenfellentzündung, TBC oder Krebs bezeichnen. Der Roman benutzt die Krankheit natürlich sinnbildlich, d.h. v.a. im psychososmatischen Sinne. Merkwürdigerweise verschwindet die Krankheit fast gleichzeitg mit dem Erscheinen des Buches, um das es geht. Daher erschien mir diese Krankheit als ideal für die Grundfrage des Romans: kann man an Gedanken sterben bzw. erkranken.“ (Wolfram Fleischhauer, 2005, buechereule.de)

In seinem Buch über Auenberger schrieb Conrad Clar:
„Die eitrige Vomika kann aber sowohl in der Lunge, als auch in den übrigen Theilen des Thorax ihren Sitz haben. Beide Arten von Vomiken sind entweder geschlossen, oder öffnen sich in der Luftröhre. Auenberger verstand die Vomiken gut zu diagnosticiren. Er macht die Bemerkung, dass die Stelle, wo die Vomika liege, vor ihrer Entleerung den Schenkelton gebe, nach derselben aber einen nur etwas gedämpften Schall hören lasse. … wenn man dort, wo die Vomika mittelst der Percussion entdeckt worden sei, die Hand hinlege, man, während der Kranke hustet, das Geräusch des Eiters im Innern der Brust deutlich fühlen könne.“ (Conrad Clar: Leopold Auenbrugger, der Erfinder der Percussion des Brustkorbes, geb. zu Graz 1722, gest. zu Wien 1809, und sein Inventum novum (1867) (vgl. Wikipedia: Leopold_von_Auenbrugger; Perkussion_(Medizin))

Post-Tabellen oder Verzeichnuß deren Post-Strassen in dem Kayserlichen Römischen Reich und zum Theil auch in denen angräntzenden Landen (1764)

„Di Tassi ! Mein Gott, vor ihm stand eindirekter Angehöriger der berüchtigten lombardischen Familie, der es über die Jahrhunderte gelungen war, das Postmonopol der habsburgischen Kaiser,das Taxis’sche Postsystem, aufzubauen.“ (Fleischhauer, S. 164)
Wikipedia: Thurn_und_Taxis

In den Post-Tabellen-Bücher wurden die Postrouten aufgelistet.

Post-Tabellen oder Verzeichnuß deren Post-Strassen in dem Kayserlichen Römischen Reich und zum Theil auch in denen angräntzenden Landen
Nürnberger Umkreis. Von Frankfurt nach Nürnberg.
Post-Tabellen oder Verzeichnuß Seite 121
Reise von Leipzig nach Nürnberg: „Ist in drey Tagen gethan“.
aus: Die vornehmsten Europäischen Reisen, wie solche durch Deutschland, Franckreich, Italien, Holl- und Engeland, Dännemarck und Schweden … anzustellen … (mit) Post- und Boten-Charten (Kißner, 1736)

Immanuel Kant: Critik der reinen Vernunft

Titelblatt „Critik der reinen Vernunft“ (1781).
Titelblatt „Critik der reinen Vernunft“ (1787).
Titelblatt „Kritische Briefe an Herrn Immanuel Kant …“ (1790).
Bildnis Immanuel Kant

Personen im Roman

Nicolai Röschlaub, Lizenziat, die Hauptperson, der Held

Theresa, die Enkelin von Nicolai Röschlaub im Prolog

Magdalena Lahner (die blonde Frau, S. 75, 85), die im Klappentext genannte „rätselhafte junge Frau“. Sie ist eine Nachfahrin von Eva von Buttlar.

Philipp Lahner (S. 297), Bruder von Magdalena Lahner. „Der wiederum hatte Maximilian Alldorf erschlagen. Aber warum? Was hatte Selling damals gesagt? Studentenhändel. Eine Schlägerei zwischen Burschenschaften. Und Lahner wurde dafür hingerichtet“

Graf Alldorf (Alldorfer Linie des Hauses Lohenstein, S. 79, 87)

Maximilian von Alldorf (+ 1780 mit 21 Jahren, geb. 1759)

Agnes von Alldorf (1733 – 1780, S. 103)

Marie Sophie von Alldorf (+ mit 19 Jahren, geb. 1761)

Stadtphysikus Müller, Röschlaubs Chef in Nürnberg

Kammerherr Selling, Angestellter von Graf Alldorf

Apotheker Zinnlechner, ebenfalls in Alldorf

Gutsverwalter Kalkbrenner, auch in Alldorf

Boskenner, einer der Diebe, die Postkutschen überfallen und abbrennen.

Mailänder, auch ein Dieb

Giancarlo Di Tassi, Justizrat, vom Reichkammergericht in Wetzlar

Feustking, einer von Di Tassis Leuten

Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth, reale Person (1736 – 1806) Wikipedia: Alexander_(Brandenburg-Ansbach-Bayreuth)

Lady Eliza Craven, reale Person (Wikipedia: Elizabeth_Craven)

Immanuel Kant, reale Person (1724 – 1804, geboren und gestorben in Königsberg, seit 1724 die Königliche Haupt- und Residenzstadt in Preußen) ; Albertus-Universität_Königsberg

Falk (S. 297), Student in Leipzig, mit Philipp Lahner bekannt

Eva von Buttlar, ist eine reale Person (1670 – 1721), Begründerin der Gesellschaft Evas, zuvor Hofdame am Hof in Eisenach (S. 339)

„Im Jahr 1702 entstand in der Grafschaft Witgenstein die sogenannte Buttlarische Rotte. Sie übten unter dem Scheine der Frömmigkeit und Heiligkeit die schändliche Laster aus. Eva Margareta von Buttlar, Justus Gottfr. Winter von Eschwegen, Joh. Ge. Appenzeller von Schleusingen und Anna Sidonia,Fräul. von Callenberg, waren die Hauptpersonen. Winter, Appenzeller und Buttlar nenneten sich die Dreyfaltigkeit. Die Rotte ward schon 1705 zerstöret …“ (aus: Kirchengeschichte des neuen Testaments, 1777)
Darunter werden aufgelistet:
– Christoph Schütz, ein Radikalpietist aus Umstadt (Pfalz), Autor von >Güldene Rose / oder ein Zeugnüs der Warheit von der uns nun so nahe bevorstehenden Güldenen Zeit des tausendjährigen und ewigen Reichs Jesu Christi< (1727)
– Elias Eller aus Ronsdorf (Herzogtum Berg = Bergisches Land), Gründer einer radikal-pietistischen christlichen Sekte sowie Gründer der Stadt Ronsdorf.
Sie alle werden hier als „Fanatiker“ und „Schwärmer“ bezeichnet.

Buch: Willi Temme: „Krise der Leibhaftigkeit – die Sozietät der Mutter Eva (Buttlarsche Rotte) und der radikale Pietismus um 1700 (siehe Goolge-Books)
Siehe Wikipedia: Eva_von_Buttlar; Buttlar_(Adelsgeschlecht); Saßmannshausen
Link: www.siwiarchiv.de/vortrag-die-gesellschaft-der-eva-von-buttlar-und-ihr-gefolge/

Die Schwarze Kunst – Buch- & Druckarchäologie

Eine Handsetzerei im frühen 20. Jahrhundert.
Die Setzermannschaft.
Ein Setzregal (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Setzregal, https://de.wikipedia.org/wiki/Setzkasten, https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftsetzer).
Handsetzerei in den 1930er Jahren (vorne links und rechts sieht man Andruckmaschinen)..
Handsetzerei in den 1930er Jahren (Ausschnitt).
Handsetzerei in den 1930er Jahren (Ausschnitt).
Ein Original Heidelberger Tiegel im Technikmuseum, Berlin.

Links

journal-fuer-druckgeschichte.de
arbeitskreis-druckgeschichte.de
aepm.eu – An international printing heritage network

Zeitschrift

Illustrierte Magazine der 1920er und frühen 1930er Jahre

eule987

UHU, Oktober 1931.

mowor

ADAC Motorwelt, Oktober 1930.

morebuz

Revue des Monats, Juni 1929.

mokri

Motor-Kritik, Juli 1929.

handcdfre

Illustrierte Wäsche- und Handarbeits-Zeitung, Heft 11/1929.

handcfgt65

Illustrierte Wäsche- und Handarbeits-Zeitung, Heft 11/1929.

handcui87

Illustrierte Wäsche- und Handarbeits-Zeitung, Heft 11/1929.

handcfztt54

Illustrierte Wäsche- und Handarbeits-Zeitung, Heft 11/1929.

handcftz5342

Illustrierte Wäsche- und Handarbeits-Zeitung, Heft 11/1929.

>http://berlin1920s.blogspot.com/2013/03/blattern-in-alten-zeitschriften-jetzt.html
http://www.gentlemansgazette.com/de/haensel-echo-herrenmodemagazin-jahre/

Zeitschrift „Der Katholik“, 1876

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Titelblatt von „Der Katholik“, Juli 1876. Erschien im Verlag von Franz Kirchheim.

Wer sich ein wenig der Realität zur Zeiten des „Kulturkampfes“ annähern möchte, kommt an der Zeitschrift „Der Katholik“ nicht vorbei. So steht in der Festschrift (1928) des katholischen Pressevereins („Augustinus-Verein“): „So gering für das katholische Leben in diesem Zeitraum die Bedeutung der katholischen Presse war, so groß war die Bedeutung einiger katholischer Zeitschriften, die in vielen Punkten die Presse nahezu ersetzten. An erster Stelle ist hier zu nennen die Mainzer Zeitschrift >Der Katholik<, die 1821 von den Mainzer-Professoren Andreas Räß und Nikolaus, von denen der eine später Bischof von Straßburg, der andere Bischof von Speyer wurde, gegründet wurde und die sich fast 100 Jahre gehalten hat. […] Der >Katholik< gewann bald in ganz Deutschland Verbreitung und hohes Ansehen. […] Sein kirchlicher Standpunkt kennzeichnete sich durch engsten Anschluß an Rom und Kampf gegen national-kirchliche Bestrebungen. Die Verteidigung der Kirche und ihrer Rechte zog ihm Verfolgung und Verbote zu, verschaffte ihm aber auch einen großen Anhang in allen Kreisen und Teilen Deutschlands.“ (aus: „Der Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse von 1878 bis 1928“, Düsseldorf, 1928, Seite 5/6) Die Zeitschrift „Der Katholik“ erschien im Verlag von Franz Kirchheim (vgl. [1]).
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Werbung des Franz Kirchheim Verlags für ein neues „Kinderbüchlein, welches namentlich Legenden und Erzählungen religiösen Inhalts enthält …“. Rückseite von „Der Katholik“, Oktober 1876.

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Werbetext des Franz Kirchheim Verlags, Mainz auf der Rückseite von „Der Katholik“, Dezember 1876: „In einer Weise wie es in neuerer Zeit noch nie geschehen, schildert der hochwürdigste Herr Verfasser in diesem seinem neuesten Werke >die Schönheiten des Rosenkranzes<, stellt diesen letzteren aber auch als einen >wirklich vollständigen Volks-Katechismus< dar, als einen Katechismus, >wie er nicht praktischer gedacht werden kann,< von dessen eifriger Uebung man sich in diesen Tagen des >Culturkampfes< getrost jene trefflichen Dienste versprechen darf, die das Gebet des Rosenkranzes von seiner ersten Einführung an der Kirche geleistet hat.“
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Rückseite von „Der Katholik“, November 1876. Aus der Werbung oben: “Die so oft aufgestellte Behauptung: >Die lateinischen Völker sind in offenbarem Niedergange begriffen; die Zukunft gehört der germanischen und slavischen Race!< wird in der hier angekündigten Schrift schlagend widerlegt […] gelangt zu dem Schlusse: daß das nächste große Jahrhundert ein katholisches Jahrhundert sein wird.“ (Werbetext zum Buch „Die Zukunft der katholischen Völker“ von Baron von Haulleville. Erschien 1876 im Verlag von Franz Kirchheim, Mainz). Aus der Werbung unten: >Der Denunciant. Eine Erzählung aus der Gegenwart für das katholische Volk. […] Von M. Renitentus […] Nach dem Vorworte dieses Schriftchens schildert der bereits bekannte Verfasser in demselben das unwürdige Denunciantenthum, die elende Kriecherei, Verrätherei und Verfolgungssucht, welche in Folge des >Culturkampfes< im deutschen Volkscharakter zu Tage treten …“ (Wertetext vom Franz Kircheim Verlag, Mainz).

Zeitung

Kölnische Volkszeitung

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Titelblatt vom 25. Dezember 1900

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Vom Titelblatt vom 25. Dezember 1900.

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Vom Titelblatt vom 25. Dezember 1900

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Titelblatt vom 25. Dezember 1900

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Vom Titelblatt vom 6. Juli 1913

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Vom Titelblatt vom 6. Juli 1913

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Vom Titelblatt der „Literarischen Beilage der Kölnischen Volkszeitung“ vom 15. Mai1913

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Vom Titelblatt „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 14. Mai 1913

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Vom Titelblatt „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913 (

Neue freie Volks-Zeitung, 9. Oktober 1898

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Düsseldorfer Volksblatt, 11. Dezember 1901 (Damaskus)

Titelseite des „Düsseldorfer Volksblatt“ vom 11. Dezember 1901. Die Titelschrift wurde seit dem 1. Januar 1881 verwendet. Zum 1. Januar 1882 wurde dann nochmals das Layout der Titelseite geändert, blieb dann zumindest für die nächsten 20 Jahre identisch.

Auf der Titelseite wird als Chefredakteur Dr. Ed.[uard] Hüsgen (1848, Neuß – 1912, Düsseldorf) genannt. Er war Chefredakteur des Düsseldorfer Volksblatts von 1875 bis 1904. Hüsgen war 1878 Mitbegründer des Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse, deren Vorsitz er 1908 übernahm. 1871 war er aufgrund seiner Tätigkeiten für die Zeitung der Zentrum-Partei aus dem Justizdienst in Preußen entlassen worden. Er arbeitete danach als Redakteur bei der „Kölnischen Volkszeitung“ ([1]).

Die Zeitung war 1867 als Düsseldorfer Sonntagsblatt gegründet worden. 1871 war W. [ilhelm] Deiters, der eine Buchhandlung in der Alleestraße hatte, verantwortlicher Redakteur. Ab 1. Oktober 1871 war verantwortlicher Redakteur F. R. Palm, der auch Druck und Verlag übernahm. Die Redaktion stand „auf festen Boden des katholischen Glaubens“, wie man an die Leser schrieb. Zum 17. Mai 1873 übernahm Carl Becker & Cie Verlag und Druck verbunden mit der Herausgabe die Zeitung. Verantwortlicher Redakteur blieb B. Aßfelder. Ab dem 2. Januar 1875 stand Hüsgen als verantwortlich Redakteur auf der Titelseite.  Er hatte das Amt von Dr. Meller übernommen. Ab dem 11. Januar 1882 wurde auf der Titelseite die „Aktien-Gesellschaft Düsseldorfer Volksblatt“ als Druckerei und Verlag genannt. (Q: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de)

Das „Düsseldorfer Volksblatt“ war ein katholische Zeitung, und wurde der „ultramontanen“ Ecke zugeordnet oder auch mal als „klerikale“ Zeitung bezeichnet. Aus Artikeln wie „Eine undeutsche ehrlose Journalistik“ (30. März 1872) geht deutlich der Standpunkt des Volksblatts hervor. Da wird gegen die liberale Presse und die politischen Zeitungen gewettert, diese werden als „die seit vielen Jahrzehnten in unsere Familien eingenisteten antikatholischen Zeitungen“ bezeichnet.  „Vom Großpapa bis zum Enkel […] hat man sich an die tendenziöse Färbung der politischen Zeitung so sehr gewöhnt, daß das Ungeheuerliche und Giftige, was Tag für Tag in homöopatischen Dosen verschluckt werden muß, unvermerkt in den abgehärteten politischen Magen abgleitet.“ (ebd.)

Redakteur Mellers Stellvertreter war Ende 1874 Johann Fußangel (1852 – 1910, vgl. [1], als Johannes Fusangel), der sich mit dem Artikel „An unseren Rockschößen“ vom 9. Dezember 1874 Ärger einhandelte. Fußangel, der am 9. Januar 1875 im „Düsseldorfer Volksblatt“ als ehemaliger Stellvertetender Redakteur genannt wurde, hatte bereits am 27. Oktober 1874 vor dem Zuchtpolizeigericht gestanden. Man hatte ihn beschuldigt in einem Artikel am 12. September 1874 „Gebräuche und Einrichtungen der katholischen Kirche beschimpft zu haben“. Er wurde aber freigesprochen.
In dem Artikel vom 9. Dezember 1874 ging es um das Attentat auf Reichskanzler Fürst Bismarck und den katholischen Attentäter Kullmann (vgl. [1]). Fußangel wurde beschuldigt, „in Bezug auf den Fürsten Bismarck eine nicht erweislich wahre Thatsache, welche denselben in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, verbreitet zu haben; verurtheilt ihn deshalb zu einer Gefängnißstrafe von vier Wochen, setzt jedoch diese Strafe auf vierzehn Tage herab“ (Quelle: [1]). Fußangel hatte in dem Artikel den katholischen Pfarrer Störmann verteidigt, der dem Attentäter Kullmann beeinflusst haben soll. Störmann war laut Fußangel aus „Gram über die Verleumdungen der offiziösen Presse gestorben.“ (aus: Düsseldorfer Volksblatt, 9. Dezember 1874). Die folgenden Sätze könnten den ganzen Ärger ausgeöst haben: „Und nun scheut sich der Reichskanzler nicht, das Andenken des Verewigten [Störmann], der sich nicht mehr verteidigen kann, in öffentlicher Sitzung des Reichtages in ganz grundloser Weise gröblichst zu beschimpfen! Hoffentlich sind Anverwandte des Verstorbenen da, die es unternehmen, den Reichskanzler hierüber vor den Gerichten zur Rechenschaft zu ziehen.“ (ebd.)
Fußangel war im März nach einer fasteinmonatigen Haftstrafe entlassen worden. Danach hätte er eine weitere antreten sollen, er verweilte nun allerdings in Italien (aus: „Neue freie Volks-Zeitung“, 21. April 1875). Der Volksblatt-Redakteur Johann Fußangel soll sich durch Flucht einer Gefängnisstrafe entzogen haben (Quelle: „Unsere Zeit“, 1875). An anderer Stelle schrieb man über Fußangel, er hätte „sich während der kurzen Zeit seiner Redaktionstätigkeit etwa zehn Preßprozesse zugezogen. Auch dieser wackere Kämpfer für ‚Wahrheit, Freiheit und Recht‘ hat das weite gesucht u. ist nach England entflohen.“ (aus: Kitzinger Anzeiger, 30. März 1875) An anderer Stelle: „Der gebürtige Düsseldorfer hatte das ‚Düsseldorfer Volksblatt redigiert, war vor der dortigen Staatsanwaltschaft nach Bayern geflohen und leitete hier nacheinander“ (aus: Weichlein „Nation und Region“, 2004) mehrere Zeitungen.

Über den „Kulturkampf“ schrieb Chefredakteur Ed. Hüsgen später: „Wie eine vergiftete Atmosphäre, wie eine Art Krankheit lag es in jenen Tagen über unserem Vaterlande […] Katholik und Reichsfeind, katholisch und vaterlandslos […] waren gleichwertige Begriffe […]. Die konfessionellen und politischen Gegensätze waren so groß, dass ein klaffender Riss durch die Gesellschaft ging, der Spaltung und Zwietracht bis in den Schoß der Familie hinein trug. […] Namentlich in den kleineren und mittleren Städten waren die Katholiken aus den gesellschaftlichen Kreisen und vom freundschaftlichen Verkehr mit Nichtkatholiken nahezu ausgeschaltet. […] In einzelnen Städten, so in M[önchen]-Gladbach und Düsseldorf wurden sogenannte ’schwarze Listen‘ gedruckt und in den Kreisen der liberalen Parteigenossen verbreitet, in der Absicht, dadurch auf die ‚ultramontanen‘ […] Geschäftsinhaber einen Druck auszuüben oder sie seitens der liberalen Kundschaft boykottieren zu lassen. […] Die Pressprozesse gegen die ‚ultramontane‘ Presse mehrten sich in auffälliger Weise, und die untergeordneten Organe der Justiz und Polizei ließen sich in vielen Fällen offenbare Gesetztesverletzungen bei Beschlagnahme und Haussuchungen zuschulden kommen.“ (zitiert aus: „Preussische Katholiken und katholische Preussen im 20. Jahrhundert“, Hrsg. Richard Faber, Uwe Puschner)

Während des Kulturkampfs reichte die Veröffentlichung einer Encyclika des Papstes, um als Zeitung Ärger zu bekommen. Am 8. März 1875 berichtete das „Bamberger Volksblatt“, dass neben anderen Zeitungen das „‚Düsseldorfer Volksblatt‘ konfiszirt“ worden sei. „In mehreren Druckereien fahndete die Polizei nach dem Manuskript der Encyclika, aber umsonst.“ (ebd.) Im Mai hieß es in derselben Zeitung: „Kulturkampfregister. Der Redacteur des ‚Düsseldorfer Volksblatt‘ wegen Veröffentlichung der päpstlichen Encyclika von 5. Febr. zu 200 Mark oder 3 Wochen Gefängnis verurtheilt“ (aus: Bamberger Volksblatt, 4. Mai 1875).

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Hinter dem Wochentag und dem Datum steht in Klammern „Damaskus“. Dabei handelt es sich den Heiligen Damaskus, der von 366 bis 384 Papst war. Täglich druckte die „Düsseldorfer Volkszeitung“ hinter dem Datum einen Namen aus dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche. Erstmals stand in der Volkszeitung am 2. Januar 1873 ein Heiliger hinter dem Namen, Odilo von Cluny. Das Abdrucken der Heiligengedenktage war auch bei anderen Zeitungen üblich. So wurden auch „katholische“ und „protestantische“ Heilige auf der Titelseite abgedruckt (gesehen bei der „Neuen freien Volks-Zeitung“ München, 1875)

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Aus dem Anzeigenteil:

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Zeitungsverkäufer um 1910

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Ein Zeitungsverkäufer in München. In der rechten Hand hält er Postkarten mit der Frauenkirche. In der linken Hand hält er eine Ausgabe der satirischen Wochenzeitschrift „Simplicissimus“. Unter dem Arm hat er mehrere Tageszeitungen, man erkennt die „Münchner Neueste Nachrichten“, die zwischen 1848 und 1945 erschien (links oben auf der Titelseite: Kreuz mit den Türmen der Frauenkirche). Des Weiteren hat er eine Umhängetasche mit kleinformatigen Heften.

Wuppertaler Schwebebahn

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Schwebebahnhaltestelle Döppersberg in Elberfeld um 1910.

Die Wuppertaler Schwebebahn wurde am 1. März 1901 eröffnet.

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Wartende Fahrgäste an der Haltstelle Döppersberg um 1910. Rechts ein Aufgang zum Bahnsteig.

Frühe Fotografie

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Landschaftsfotograf, Laborzelt, Stich 1860er Jahre (Frankreich).

„1851 gelang dem Engländer Frederic Scott Archer mit dem Kollodium-Verfahren eine geeignete Methode zu entwickeln, bei der Glas als Träger der lichtempfindlichen Schicht verwendet wurde. Gegenüber dem bis dahin für Vervielfältigungsverfahren verwendeten Papier ließ sich die harte Glasplatte leicht in Kameras fixieren und verfügte über eine optimale Transparenz verbunden mit einer glatten Oberfläche.
Als Bindemittel der Silbersalze diente Kollodium, eine Mischung aus in Äther und Alkohol aufgelöster Nitrozellulose, sogenannte Schießbaumwolle, versetzt mit Jod- oder Bromkalium. Die gallertartige Masse musste auf der Glasplatte verteilt und nach der Sensibilisierung im Silbernitratbad sofort belichtet werden, bevor sie auszutrocknen drohte.
Die Technik war kompliziert, aber richtungsweisend. Sie verlangte vom Fotografen chemische Kenntnisse und zügiges Arbeiten, jedoch überzeugten Kontrastumfang und Feinkörnigkeit der Negative, vor allem aber die extrem kurzen Belichtungszeiten. Die erfolgreiche Etablierung des nassen Kollodium-Verfahrens bedeutete zugleich den endgültigen Durchbruch der Vervielfältigungstechnik gegenüber den bislang dominierenden Unikaterfahren.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 247)

„Das nasse Kollodium-Verfahren. Dreißig Jahre lang – von 1851 bis etwa 1880 – standen die Fotografen bei ihrer Arbeit unter Zeitdruck. Die Glasplatten mußten an Ort und Stelle lichtempfindlich gemacht, noch im nassen Zustand belichtet und danach sofort entwickelt werden. Denn die lichtempfindliche Schicht aus Kollodium und Silbernitrat wurde nach spätestens 20 Minuten trocken und damit fast unempfindlich. Folge: Bei Aufnahmen außerhalb des Ateliers mußte die >Dunkelkammer< in Zelten, Handwagen, Kutschen mitgenommen werden.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

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Labor eines Landschaftsfotografen, Stich 1860er Jahre (Frankreich).

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Landschaftsphotograph, Stich 1890er Jahre (Deutschland).

„Dies stellt in Anbetracht des erheblichen Gewichts der 13 x 18 cm großen Glasplatten-Negative, der Plattenkamera nebst Stativ und selbstverständlich der Reise mit der Kutsche bei Wind und Wetter eine heutzutage respekteinflößende Leistung dar. Kein Wunder, dass jede neue fotografische Entwicklung rasch aufgegriffen wurde. So finden sich im Bildarchiv auch bereits um 1890 entstandene Kunststoffplatten im Format von ca. 20 x 30 cm aus Nitro-Cellulose, dem sogenannten Celluloid, als deutlich leichterem Trägermaterial für die lichtempfindliche Schicht. Neben dem haltbareren Gelatinepapier anstelle von Albumin setzten sich im professionellen Bereich dann ab 1910/1920 Film-Material als Negativträger sowie die Reduzierung der Formate von 12 x 9 cm Planfilm bis im Laufe der 1930/1940er Jahre auf 6 x 6 cm Rollfilm durch.“ (Markus Hundemer „Inventarisation und frühe Fotografie“, in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 241/242)

„Zur Ausrüstung des Fotografen gehörten damals neben Kamera und Holzkassetten ein Holzstativ sowie ein schwarzes Tuch, unter dem die Bildschärfe auf der Mattscheibe eingestellt wurde. Die Belichtung erfolgte mittels einer abnehmbaren Objektivkappe oder aufsteckbarer Hilfsverschlüsse für Moment- und Zeitaufnahmen. Ab etwa 1900 erhielten Objektive aber auch moderne Verschlüsse, wie etwa dem Compo oder den Compur der Münchner Firma Deckel.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 244)

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Rolf Ihme: Bild – Illustration – Bilderdruck (VEB Fachbuchverlag, Leipzig, 1985)

„Die Dunkelkammer. Das war und ist die zweite Welt der Fotografen. Im Schein von Petroleumlampen begann das Hantieren mit Chemikalien und Kontaktrahmen …“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„Albuminpapier war aufgrund seiner lange unübertroffenen Wiedergabequalität im 19. Jahrhundert das beliebteste Fotomaterial im Positiv-Verfahren und blieb bis ca. 1920 in Gebrauch. 1850 eingeführt, erfolgte die Beschichtung des Bildträgers mit Albumin (Hühnereiweiß) und Natriumchlorid ab 1880 industriell. Der Fotograf musste das unempfindlich ausgelieferte Papier lediglich im Silbernitrat-Bad sensibilisieren, bevor er es auskopieren, d.h. in direkten Kontakt mit den Negativ belichten konnte. Die fixierte und gewässerte Fotografie wurde anschließend durch die Satiniermaschine vollflächig auf Karton aufgezogen, um das Einrollen des sehr dünnen Papiers entgegenzuwirken und die Oberfläche des Bildes zu glätten.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 247)

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Jan S. Kunstreich: Frühe Photographen in Schleswig-Holstein (Verlag Boyens & Co., Heide, 1985)

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Verpackung von „Apollo Raprid-Platten“ (Gelatine-Trockenplatten; eingetragene Fabrikmarke Amsterdam 1883) der Trockenplatten-Fabrik Unger & Hoffmann in Dresden.

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Verpackung von „Apollo Raprid-Platten“ der Trockenplatten-Fabrik Unger & Hoffmann in Dresden mit einem Händleraufkleber von Hermann Scheyhing, Photographische Handlung.

„Das >saubere< Verfahren. Der englische Arzt dr. Richard Leach Maddox hatte sich geärgert: Das Arbeiten mit dem nassen Kollodiumverfahren ging nie ganz ohne Kleckern ab. Er erfand 1871 die Bromsilber-Gelatine-Trockenplatte. Ihr Vorteil: Sie konnte fabrikmäßig vorproduziert werden. Durch die einfachere Handhabung war die Trockenplatte Voraussetzung für die Produktion von handlichen Kameras in größeren Stückzahlen.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„1871 stellte der englische Arzt Richard Leach Maddox der Öffentlichkeit ein Negativ-Verfahren vor, bei dem die mit einer lichtempfindlichen Emulsionsschicht aus Silberbromid und Gelatine versehene Glasplatte im trockenen Zustand belichtet werden konnte. Die Beständigkeit der Gelatine-Trockenplatten erlaubte die Fertigung auf Vorrat und entband den reisenden Fotografen vom mobilen Labor.
Trotz dieser Vorzüge erfolgte die Ablösung des nassen Kollodium-Verfahrens nur zögerlich. Die Lichtempfindlichkeit der Gelatineschicht war gering und schwankte bei den anfangs manuell hergestellten Platten. Erst die Idee von Charles Benett, die Sensibilität der Bromsilbergelatine durch einen Bromkaliumüberschuss drastisch zu erhöhen, führte 1878 zum Erfolg und setzte die industrielle Trockenplatten-Produktion schlagartig in Gang.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 247)

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Ottmar Anschütz: „Kurzgefasster Rathgeber bei der ersten Anschaffung einer photographischen Ausrüstung“ (1896).

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Carte de Visite 

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Carte de Visite

Carte de Visite. „Die Idee zu diesen Fotos ließ sich der Pariser Fotograf André Adolphe Disdéri 1854 sogar patentieren. Die ungeheure Popularität solcher Aufnahmen (Format 6 x 9 cm) führte nicht nur dazu, daß man anfing Fotos von sich zu verschenken, sondern auch die von berühmten Leuten zu sammeln. Das Carte-de-Visite-Foto war bis etwa 1910 >das tägliche Brot< der Fotografen. Die große Nachfrage nach den modischen Bildchen hatte Folgen: Es begann die fabrikmäßige Herstellung der Aufnahmen, und es wurde ein spezieller Kameratyp mit vier Objektiven gebaut, der vier Aufnahmen gleichzeitig oder kurz hintereinander ermöglichte.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„Ein Bild für 50 Pfennig. So teuer war ein Automatenfoto. Ab 1890 konnte man sich auf Jahrmärkten und Rummelplätzen selbst porträtieren: Automat >Bosco< machte es möglich. … In drei Minuten war ein Bild fertig: Nach der Belichtung wurde die Ferrotypie automatisch entwickelt, fixiert und gewässert.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

Blitzlicht. „Ein unscheinbares graues Material (1859 entdeckt durch Bunsen und Roscoe) brachte vieles ans Licht: 1865 benutzte Charles Piazzi Smyth Magnesiumlicht für Aufnahmen im Innern der Cheops-Pyramide. Mit explosiven Mischungen aus Magnesium, Kaliumchlorat, Schwefelantimon und anderen Chemikalien (1887 eingeführt von Adolf Miethe und J. Gaedicke) arbeiteten Fotografen jahrzehntelang – zum Erschrecken ihrer Kunden. Das Ende der Licht-Alchemie kam 1925: die Erfindung der Staniol gefüllten Blitzlichtbirne durch Dr. Paul Vierkötter.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„Die Fotografie wird zur Industrie. Die Idee des Amerikaners George Eastman das Fotografieren so zu vereinfachen, daß jeder, der >auf den Knopf drücken konnte<, auch Bilder machen konnte, war das Startsignal für die Massenfotografie. Eastman nutzte die Erfindung des Rollfilms (Prinzip: Bromsilber-Gelatineschicht auf Zelluloid; 1887 von Hannibal Goodwin als Patent angemeldet) und baute dafür eine Kamera in großer Serie: die Kodak Nr. 1.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

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Peter Michels: Das Kollodium – Handbuch der modernen Nassplattenfotografie (Fotokultur 2015)

Lieferanten

Kartons:

  • E. Kaders, Dresden: seit 1867, Fabrik photographischer Cartons, in allen Formaten und Stärken.
  • G. Janssen & Co, Köln, Norbertstraße 30, seit 1862, Photo-Großhandlung.
  • Haufler & Schmutterer, Wien, lithographische Anstalt und Fabrik photographischer Cartons, auch: lithograph. Anstalt für Photographie, auch: Steindruckerei.
  • Alexander Lindner, Berlin, seit 1862 („also zu einer Zeit, in welcher die ersten photographischen Papierbilder hergestellt wurden“,Photographische Chronik, 1908), Fabrik photographischer Kartons.
  • Bernhard Wachtl, Wien, lithograph. Anstalt und Steindruckerei, photographische Cartons, z.B. „lithographierte Visit-Cartons, Cabinet-Cartons oder Elisabeth-Cartons“.
  • Karl Krziwanek, Wien, seit 1860, lithografischen Anstalt, Händler Fotografiebedarf (siehe: [1]). Andressbuch: „Steindruckereibesitzer und Händler mit Utensilien für Fotografie“ (1874). „Der führende österreichische Lieferant für Photokarten war der Wiener Photohändler Karl Krziwanek, der eine eigene Lilhographieanslalt betrieb.“ (Gebrauchsgraphik). „… in Wien zwei große LithographischeAnstalten gab,Eisenschimmel & Wachtl, später nur Wachtl und Karl Krziwanekdie Kartons herstellten.“ (Lexikon der Wieder Fotographen).

Musiker mit Pauken

Musiker (Paukist) mit Pauken, 1903.

„Sechster Abschnitt. Die Schlaginstrumente. 1. Die Pauken (?/mpsin ital., lumbales franz.). Die Pauken bestehen aus einem halbkugelförmigen kupfernen Kessel, worüber ein gegerbtes Kalbfell mittels eines eisernen Reifens gespannt ist.“ (Weber: Die Musikinstrumente, 1903)