Archiv der Kategorie: Blog

Zeitung

Kölnische Volkszeitung

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Titelblatt vom 25. Dezember 1900

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Vom Titelblatt vom 25. Dezember 1900.

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Vom Titelblatt vom 25. Dezember 1900

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Titelblatt vom 25. Dezember 1900

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Vom Titelblatt vom 6. Juli 1913

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Vom Titelblatt vom 6. Juli 1913

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Vom Titelblatt der „Literarischen Beilage der Kölnischen Volkszeitung“ vom 15. Mai1913

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Vom Titelblatt „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 14. Mai 1913

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Vom Titelblatt „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913 (

Neue freie Volks-Zeitung, 9. Oktober 1898

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Düsseldorfer Volksblatt, 11. Dezember 1901 (Damaskus)

Titelseite des „Düsseldorfer Volksblatt“ vom 11. Dezember 1901. Die Titelschrift wurde seit dem 1. Januar 1881 verwendet. Zum 1. Januar 1882 wurde dann nochmals das Layout der Titelseite geändert, blieb dann zumindest für die nächsten 20 Jahre identisch.

Auf der Titelseite wird als Chefredakteur Dr. Ed.[uard] Hüsgen (1848, Neuß – 1912, Düsseldorf) genannt. Er war Chefredakteur des Düsseldorfer Volksblatts von 1875 bis 1904. Hüsgen war 1878 Mitbegründer des Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse, deren Vorsitz er 1908 übernahm. 1871 war er aufgrund seiner Tätigkeiten für die Zeitung der Zentrum-Partei aus dem Justizdienst in Preußen entlassen worden. Er arbeitete danach als Redakteur bei der „Kölnischen Volkszeitung“ ([1]).

Die Zeitung war 1867 als Düsseldorfer Sonntagsblatt gegründet worden. 1871 war W. [ilhelm] Deiters, der eine Buchhandlung in der Alleestraße hatte, verantwortlicher Redakteur. Ab 1. Oktober 1871 war verantwortlicher Redakteur F. R. Palm, der auch Druck und Verlag übernahm. Die Redaktion stand „auf festen Boden des katholischen Glaubens“, wie man an die Leser schrieb. Zum 17. Mai 1873 übernahm Carl Becker & Cie Verlag und Druck verbunden mit der Herausgabe die Zeitung. Verantwortlicher Redakteur blieb B. Aßfelder. Ab dem 2. Januar 1875 stand Hüsgen als verantwortlich Redakteur auf der Titelseite.  Er hatte das Amt von Dr. Meller übernommen. Ab dem 11. Januar 1882 wurde auf der Titelseite die „Aktien-Gesellschaft Düsseldorfer Volksblatt“ als Druckerei und Verlag genannt. (Q: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de)

Das „Düsseldorfer Volksblatt“ war ein katholische Zeitung, und wurde der „ultramontanen“ Ecke zugeordnet oder auch mal als „klerikale“ Zeitung bezeichnet. Aus Artikeln wie „Eine undeutsche ehrlose Journalistik“ (30. März 1872) geht deutlich der Standpunkt des Volksblatts hervor. Da wird gegen die liberale Presse und die politischen Zeitungen gewettert, diese werden als „die seit vielen Jahrzehnten in unsere Familien eingenisteten antikatholischen Zeitungen“ bezeichnet.  „Vom Großpapa bis zum Enkel […] hat man sich an die tendenziöse Färbung der politischen Zeitung so sehr gewöhnt, daß das Ungeheuerliche und Giftige, was Tag für Tag in homöopatischen Dosen verschluckt werden muß, unvermerkt in den abgehärteten politischen Magen abgleitet.“ (ebd.)

Redakteur Mellers Stellvertreter war Ende 1874 Johann Fußangel (1852 – 1910, vgl. [1], als Johannes Fusangel), der sich mit dem Artikel „An unseren Rockschößen“ vom 9. Dezember 1874 Ärger einhandelte. Fußangel, der am 9. Januar 1875 im „Düsseldorfer Volksblatt“ als ehemaliger Stellvertetender Redakteur genannt wurde, hatte bereits am 27. Oktober 1874 vor dem Zuchtpolizeigericht gestanden. Man hatte ihn beschuldigt in einem Artikel am 12. September 1874 „Gebräuche und Einrichtungen der katholischen Kirche beschimpft zu haben“. Er wurde aber freigesprochen.
In dem Artikel vom 9. Dezember 1874 ging es um das Attentat auf Reichskanzler Fürst Bismarck und den katholischen Attentäter Kullmann (vgl. [1]). Fußangel wurde beschuldigt, „in Bezug auf den Fürsten Bismarck eine nicht erweislich wahre Thatsache, welche denselben in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, verbreitet zu haben; verurtheilt ihn deshalb zu einer Gefängnißstrafe von vier Wochen, setzt jedoch diese Strafe auf vierzehn Tage herab“ (Quelle: [1]). Fußangel hatte in dem Artikel den katholischen Pfarrer Störmann verteidigt, der dem Attentäter Kullmann beeinflusst haben soll. Störmann war laut Fußangel aus „Gram über die Verleumdungen der offiziösen Presse gestorben.“ (aus: Düsseldorfer Volksblatt, 9. Dezember 1874). Die folgenden Sätze könnten den ganzen Ärger ausgeöst haben: „Und nun scheut sich der Reichskanzler nicht, das Andenken des Verewigten [Störmann], der sich nicht mehr verteidigen kann, in öffentlicher Sitzung des Reichtages in ganz grundloser Weise gröblichst zu beschimpfen! Hoffentlich sind Anverwandte des Verstorbenen da, die es unternehmen, den Reichskanzler hierüber vor den Gerichten zur Rechenschaft zu ziehen.“ (ebd.)
Fußangel war im März nach einer fasteinmonatigen Haftstrafe entlassen worden. Danach hätte er eine weitere antreten sollen, er verweilte nun allerdings in Italien (aus: „Neue freie Volks-Zeitung“, 21. April 1875). Der Volksblatt-Redakteur Johann Fußangel soll sich durch Flucht einer Gefängnisstrafe entzogen haben (Quelle: „Unsere Zeit“, 1875). An anderer Stelle schrieb man über Fußangel, er hätte „sich während der kurzen Zeit seiner Redaktionstätigkeit etwa zehn Preßprozesse zugezogen. Auch dieser wackere Kämpfer für ‚Wahrheit, Freiheit und Recht‘ hat das weite gesucht u. ist nach England entflohen.“ (aus: Kitzinger Anzeiger, 30. März 1875) An anderer Stelle: „Der gebürtige Düsseldorfer hatte das ‚Düsseldorfer Volksblatt redigiert, war vor der dortigen Staatsanwaltschaft nach Bayern geflohen und leitete hier nacheinander“ (aus: Weichlein „Nation und Region“, 2004) mehrere Zeitungen.

Über den „Kulturkampf“ schrieb Chefredakteur Ed. Hüsgen später: „Wie eine vergiftete Atmosphäre, wie eine Art Krankheit lag es in jenen Tagen über unserem Vaterlande […] Katholik und Reichsfeind, katholisch und vaterlandslos […] waren gleichwertige Begriffe […]. Die konfessionellen und politischen Gegensätze waren so groß, dass ein klaffender Riss durch die Gesellschaft ging, der Spaltung und Zwietracht bis in den Schoß der Familie hinein trug. […] Namentlich in den kleineren und mittleren Städten waren die Katholiken aus den gesellschaftlichen Kreisen und vom freundschaftlichen Verkehr mit Nichtkatholiken nahezu ausgeschaltet. […] In einzelnen Städten, so in M[önchen]-Gladbach und Düsseldorf wurden sogenannte ’schwarze Listen‘ gedruckt und in den Kreisen der liberalen Parteigenossen verbreitet, in der Absicht, dadurch auf die ‚ultramontanen‘ […] Geschäftsinhaber einen Druck auszuüben oder sie seitens der liberalen Kundschaft boykottieren zu lassen. […] Die Pressprozesse gegen die ‚ultramontane‘ Presse mehrten sich in auffälliger Weise, und die untergeordneten Organe der Justiz und Polizei ließen sich in vielen Fällen offenbare Gesetztesverletzungen bei Beschlagnahme und Haussuchungen zuschulden kommen.“ (zitiert aus: „Preussische Katholiken und katholische Preussen im 20. Jahrhundert“, Hrsg. Richard Faber, Uwe Puschner)

Während des Kulturkampfs reichte die Veröffentlichung einer Encyclika des Papstes, um als Zeitung Ärger zu bekommen. Am 8. März 1875 berichtete das „Bamberger Volksblatt“, dass neben anderen Zeitungen das „‚Düsseldorfer Volksblatt‘ konfiszirt“ worden sei. „In mehreren Druckereien fahndete die Polizei nach dem Manuskript der Encyclika, aber umsonst.“ (ebd.) Im Mai hieß es in derselben Zeitung: „Kulturkampfregister. Der Redacteur des ‚Düsseldorfer Volksblatt‘ wegen Veröffentlichung der päpstlichen Encyclika von 5. Febr. zu 200 Mark oder 3 Wochen Gefängnis verurtheilt“ (aus: Bamberger Volksblatt, 4. Mai 1875).

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Hinter dem Wochentag und dem Datum steht in Klammern „Damaskus“. Dabei handelt es sich den Heiligen Damaskus, der von 366 bis 384 Papst war. Täglich druckte die „Düsseldorfer Volkszeitung“ hinter dem Datum einen Namen aus dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche. Erstmals stand in der Volkszeitung am 2. Januar 1873 ein Heiliger hinter dem Namen, Odilo von Cluny. Das Abdrucken der Heiligengedenktage war auch bei anderen Zeitungen üblich. So wurden auch „katholische“ und „protestantische“ Heilige auf der Titelseite abgedruckt (gesehen bei der „Neuen freien Volks-Zeitung“ München, 1875)

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Aus dem Anzeigenteil:

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Zeitungsverkäufer um 1910

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Ein Zeitungsverkäufer in München. In der rechten Hand hält er Postkarten mit der Frauenkirche. In der linken Hand hält er eine Ausgabe der satirischen Wochenzeitschrift „Simplicissimus“. Unter dem Arm hat er mehrere Tageszeitungen, man erkennt die „Münchner Neueste Nachrichten“, die zwischen 1848 und 1945 erschien (links oben auf der Titelseite: Kreuz mit den Türmen der Frauenkirche). Des Weiteren hat er eine Umhängetasche mit kleinformatigen Heften.

Frühe Fotografie

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Landschaftsfotograf, Laborzelt, Stich 1860er Jahre (Frankreich).

„1851 gelang dem Engländer Frederic Scott Archer mit dem Kollodium-Verfahren eine geeignete Methode zu entwickeln, bei der Glas als Träger der lichtempfindlichen Schicht verwendet wurde. Gegenüber dem bis dahin für Vervielfältigungsverfahren verwendeten Papier ließ sich die harte Glasplatte leicht in Kameras fixieren und verfügte über eine optimale Transparenz verbunden mit einer glatten Oberfläche.
Als Bindemittel der Silbersalze diente Kollodium, eine Mischung aus in Äther und Alkohol aufgelöster Nitrozellulose, sogenannte Schießbaumwolle, versetzt mit Jod- oder Bromkalium. Die gallertartige Masse musste auf der Glasplatte verteilt und nach der Sensibilisierung im Silbernitratbad sofort belichtet werden, bevor sie auszutrocknen drohte.
Die Technik war kompliziert, aber richtungsweisend. Sie verlangte vom Fotografen chemische Kenntnisse und zügiges Arbeiten, jedoch überzeugten Kontrastumfang und Feinkörnigkeit der Negative, vor allem aber die extrem kurzen Belichtungszeiten. Die erfolgreiche Etablierung des nassen Kollodium-Verfahrens bedeutete zugleich den endgültigen Durchbruch der Vervielfältigungstechnik gegenüber den bislang dominierenden Unikaterfahren.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 247)

„Das nasse Kollodium-Verfahren. Dreißig Jahre lang – von 1851 bis etwa 1880 – standen die Fotografen bei ihrer Arbeit unter Zeitdruck. Die Glasplatten mußten an Ort und Stelle lichtempfindlich gemacht, noch im nassen Zustand belichtet und danach sofort entwickelt werden. Denn die lichtempfindliche Schicht aus Kollodium und Silbernitrat wurde nach spätestens 20 Minuten trocken und damit fast unempfindlich. Folge: Bei Aufnahmen außerhalb des Ateliers mußte die >Dunkelkammer< in Zelten, Handwagen, Kutschen mitgenommen werden.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

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Labor eines Landschaftsfotografen, Stich 1860er Jahre (Frankreich).

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Landschaftsphotograph, Stich 1890er Jahre (Deutschland).

„Dies stellt in Anbetracht des erheblichen Gewichts der 13 x 18 cm großen Glasplatten-Negative, der Plattenkamera nebst Stativ und selbstverständlich der Reise mit der Kutsche bei Wind und Wetter eine heutzutage respekteinflößende Leistung dar. Kein Wunder, dass jede neue fotografische Entwicklung rasch aufgegriffen wurde. So finden sich im Bildarchiv auch bereits um 1890 entstandene Kunststoffplatten im Format von ca. 20 x 30 cm aus Nitro-Cellulose, dem sogenannten Celluloid, als deutlich leichterem Trägermaterial für die lichtempfindliche Schicht. Neben dem haltbareren Gelatinepapier anstelle von Albumin setzten sich im professionellen Bereich dann ab 1910/1920 Film-Material als Negativträger sowie die Reduzierung der Formate von 12 x 9 cm Planfilm bis im Laufe der 1930/1940er Jahre auf 6 x 6 cm Rollfilm durch.“ (Markus Hundemer „Inventarisation und frühe Fotografie“, in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 241/242)

„Zur Ausrüstung des Fotografen gehörten damals neben Kamera und Holzkassetten ein Holzstativ sowie ein schwarzes Tuch, unter dem die Bildschärfe auf der Mattscheibe eingestellt wurde. Die Belichtung erfolgte mittels einer abnehmbaren Objektivkappe oder aufsteckbarer Hilfsverschlüsse für Moment- und Zeitaufnahmen. Ab etwa 1900 erhielten Objektive aber auch moderne Verschlüsse, wie etwa dem Compo oder den Compur der Münchner Firma Deckel.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 244)

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Rolf Ihme: Bild – Illustration – Bilderdruck (VEB Fachbuchverlag, Leipzig, 1985)

„Die Dunkelkammer. Das war und ist die zweite Welt der Fotografen. Im Schein von Petroleumlampen begann das Hantieren mit Chemikalien und Kontaktrahmen …“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„Albuminpapier war aufgrund seiner lange unübertroffenen Wiedergabequalität im 19. Jahrhundert das beliebteste Fotomaterial im Positiv-Verfahren und blieb bis ca. 1920 in Gebrauch. 1850 eingeführt, erfolgte die Beschichtung des Bildträgers mit Albumin (Hühnereiweiß) und Natriumchlorid ab 1880 industriell. Der Fotograf musste das unempfindlich ausgelieferte Papier lediglich im Silbernitrat-Bad sensibilisieren, bevor er es auskopieren, d.h. in direkten Kontakt mit den Negativ belichten konnte. Die fixierte und gewässerte Fotografie wurde anschließend durch die Satiniermaschine vollflächig auf Karton aufgezogen, um das Einrollen des sehr dünnen Papiers entgegenzuwirken und die Oberfläche des Bildes zu glätten.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 247)

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Jan S. Kunstreich: Frühe Photographen in Schleswig-Holstein (Verlag Boyens & Co., Heide, 1985)

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Verpackung von „Apollo Raprid-Platten“ (Gelatine-Trockenplatten; eingetragene Fabrikmarke Amsterdam 1883) der Trockenplatten-Fabrik Unger & Hoffmann in Dresden.

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Verpackung von „Apollo Raprid-Platten“ der Trockenplatten-Fabrik Unger & Hoffmann in Dresden mit einem Händleraufkleber von Hermann Scheyhing, Photographische Handlung.

„Das >saubere< Verfahren. Der englische Arzt dr. Richard Leach Maddox hatte sich geärgert: Das Arbeiten mit dem nassen Kollodiumverfahren ging nie ganz ohne Kleckern ab. Er erfand 1871 die Bromsilber-Gelatine-Trockenplatte. Ihr Vorteil: Sie konnte fabrikmäßig vorproduziert werden. Durch die einfachere Handhabung war die Trockenplatte Voraussetzung für die Produktion von handlichen Kameras in größeren Stückzahlen.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„1871 stellte der englische Arzt Richard Leach Maddox der Öffentlichkeit ein Negativ-Verfahren vor, bei dem die mit einer lichtempfindlichen Emulsionsschicht aus Silberbromid und Gelatine versehene Glasplatte im trockenen Zustand belichtet werden konnte. Die Beständigkeit der Gelatine-Trockenplatten erlaubte die Fertigung auf Vorrat und entband den reisenden Fotografen vom mobilen Labor.
Trotz dieser Vorzüge erfolgte die Ablösung des nassen Kollodium-Verfahrens nur zögerlich. Die Lichtempfindlichkeit der Gelatineschicht war gering und schwankte bei den anfangs manuell hergestellten Platten. Erst die Idee von Charles Benett, die Sensibilität der Bromsilbergelatine durch einen Bromkaliumüberschuss drastisch zu erhöhen, führte 1878 zum Erfolg und setzte die industrielle Trockenplatten-Produktion schlagartig in Gang.“ (in: Gerhard Hetzer, Michael Stephan „Entdeckungsreise Vergangenheit – Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern.“, 2008, S. 247)

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Ottmar Anschütz: „Kurzgefasster Rathgeber bei der ersten Anschaffung einer photographischen Ausrüstung“ (1896).

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Carte de Visite 

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Carte de Visite

Carte de Visite. „Die Idee zu diesen Fotos ließ sich der Pariser Fotograf André Adolphe Disdéri 1854 sogar patentieren. Die ungeheure Popularität solcher Aufnahmen (Format 6 x 9 cm) führte nicht nur dazu, daß man anfing Fotos von sich zu verschenken, sondern auch die von berühmten Leuten zu sammeln. Das Carte-de-Visite-Foto war bis etwa 1910 >das tägliche Brot< der Fotografen. Die große Nachfrage nach den modischen Bildchen hatte Folgen: Es begann die fabrikmäßige Herstellung der Aufnahmen, und es wurde ein spezieller Kameratyp mit vier Objektiven gebaut, der vier Aufnahmen gleichzeitig oder kurz hintereinander ermöglichte.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„Ein Bild für 50 Pfennig. So teuer war ein Automatenfoto. Ab 1890 konnte man sich auf Jahrmärkten und Rummelplätzen selbst porträtieren: Automat >Bosco< machte es möglich. … In drei Minuten war ein Bild fertig: Nach der Belichtung wurde die Ferrotypie automatisch entwickelt, fixiert und gewässert.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

Blitzlicht. „Ein unscheinbares graues Material (1859 entdeckt durch Bunsen und Roscoe) brachte vieles ans Licht: 1865 benutzte Charles Piazzi Smyth Magnesiumlicht für Aufnahmen im Innern der Cheops-Pyramide. Mit explosiven Mischungen aus Magnesium, Kaliumchlorat, Schwefelantimon und anderen Chemikalien (1887 eingeführt von Adolf Miethe und J. Gaedicke) arbeiteten Fotografen jahrzehntelang – zum Erschrecken ihrer Kunden. Das Ende der Licht-Alchemie kam 1925: die Erfindung der Staniol gefüllten Blitzlichtbirne durch Dr. Paul Vierkötter.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

„Die Fotografie wird zur Industrie. Die Idee des Amerikaners George Eastman das Fotografieren so zu vereinfachen, daß jeder, der >auf den Knopf drücken konnte<, auch Bilder machen konnte, war das Startsignal für die Massenfotografie. Eastman nutzte die Erfindung des Rollfilms (Prinzip: Bromsilber-Gelatineschicht auf Zelluloid; 1887 von Hannibal Goodwin als Patent angemeldet) und baute dafür eine Kamera in großer Serie: die Kodak Nr. 1.“ (Johann Willsberger: Fotofaszination – Kameras, Bilder, Fotografen. 1975)

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Peter Michels: Das Kollodium – Handbuch der modernen Nassplattenfotografie (Fotokultur 2015)

Lieferanten

Kartons:

  • E. Kaders, Dresden: seit 1867, Fabrik photographischer Cartons, in allen Formaten und Stärken.
  • G. Janssen & Co, Köln, Norbertstraße 30, seit 1862, Photo-Großhandlung.
  • Haufler & Schmutterer, Wien, lithographische Anstalt und Fabrik photographischer Cartons, auch: lithograph. Anstalt für Photographie, auch: Steindruckerei.
  • Alexander Lindner, Berlin, seit 1862 („also zu einer Zeit, in welcher die ersten photographischen Papierbilder hergestellt wurden“,Photographische Chronik, 1908), Fabrik photographischer Kartons.
  • Bernhard Wachtl, Wien, lithograph. Anstalt und Steindruckerei, photographische Cartons, z.B. „lithographierte Visit-Cartons, Cabinet-Cartons oder Elisabeth-Cartons“.
  • Karl Krziwanek, Wien, seit 1860, lithografischen Anstalt, Händler Fotografiebedarf (siehe: [1]). Andressbuch: „Steindruckereibesitzer und Händler mit Utensilien für Fotografie“ (1874). „Der führende österreichische Lieferant für Photokarten war der Wiener Photohändler Karl Krziwanek, der eine eigene Lilhographieanslalt betrieb.“ (Gebrauchsgraphik). „… in Wien zwei große LithographischeAnstalten gab,Eisenschimmel & Wachtl, später nur Wachtl und Karl Krziwanekdie Kartons herstellten.“ (Lexikon der Wieder Fotographen).

Musiker mit Pauken

Musiker (Paukist) mit Pauken, 1903.

„Sechster Abschnitt. Die Schlaginstrumente. 1. Die Pauken (?/mpsin ital., lumbales franz.). Die Pauken bestehen aus einem halbkugelförmigen kupfernen Kessel, worüber ein gegerbtes Kalbfell mittels eines eisernen Reifens gespannt ist.“ (Weber: Die Musikinstrumente, 1903)

Salon mit Flügel von H. Wolfframm

Frau vor Flügel in Salon (Unbekannter Fotograf).

Frau vor Flügel in Salon (Unbekannter Fotograf).

Die obige Karte wurde 1908 innerhalb Londons verschickt. Empfänger war der Pianist, Komponist und Musiklehrer Rudolph Zwintscher (* 1871, Leipzig, + 1946, Dresden). Zwintscher lebte einige Zeit in London.

Die Frau auf dem Foto sitzt vor einem Flügel von H. Wolfframm. Dies war ein Klavierhersteller in Dresden („Pianoforte Fabrikant Dresden“). Schaut man näher hin, dann sieht man neben dem Firmennamen, sechs Plaketten). Dieser Beitrag wurde unter Fotografie, Musik abgelegt am 16. Juli 2019.

Schülerin von Hans Thornton

Die junge Mary Scholz am Flügel, Sommer 1919 in Wien (Unbekannter Fotograf).

Diese junge Frau war eine Schülerin des Wiener Klaviervirtuose Hans Thornton. Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert war Thornton in Österreich eine Größe als  Claviermeister, Clavierlehrer und Musiker, wie die folgenden Zeitschriften-Ausschnitte belegen:

„Im Concertsaal Schweighofer gab am letzten Sonntag der bekannte Claviermeister Hans Thornton […] beachtenswerte Proben seiner Leistungsfähigkeit als Künstler, wie als Lehrer.“ (Neue musikalische Presse: Zeitschrift für Musik, Theater, Kunst, Sänger- und Vereinswesen, 1899)

„Herr Hans Thornton, Clavierlehrer, IX., Hahngasse 12, veranstaltet Sonntag, den 7. ds. [wohl „diesem Monats“] 5 Uhr Nachmittag im Saale Ehrbar seinen IV. Schülerabend.“ (Neue musikalische Presse: Zeitschrift für Musik, Theater, Kunst, Sänger- und Vereinswesen, 1899)

zum Saal Ehrbar: https://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Ehrbar („Der zweigeschossige große Konzertsaal, auch unter dem Namen Ehrbar-Saal bekannt“), auch: https://www.stadtinitiative.at/ehrbar-saal/

Dieses Bild wurde im gleichen Raum aufgenommen. Zumindest hängen an der Wand dieselben Bildmotive. Der Flügel ist auch identisch. Ob er sich bei dem Mann um Hans Thornton selber handelt?

„Klaviervirtuose Hans Thornton ist bereit, geeignete Werke klassischer und moderner Richtung für zwei Klaviere einzurichten und sie im Laufe des Winters in seinem Novitätenkonzert zur Aufführung zu bringen.“ (Neue Zeitschrift für Musik, 1905)

„Hans Thornton (einem in Wien ansässigen trefflichen Musiker und Musiklehrer)“ (Neue Zeitschrift für Musik, 1914)

Als Andenken an sie, schenkte die ihn „bewunderne Schülerin“ Mary Scholz ihrem „genialen Professor“ obiges Bild. Dieser Beitrag wurde unter Fotografie, Musik, Wien abgelegt am 16. Juli 2019.

Berlin am Sonntag

Spielmannszug oder Tambourkorps

Kleiner Tambourmajor (auch: Stabführer): Man erwartet, dass im nächsten Moment die Kapelle (Spielmannszug oder Tambourkorps), die hinter diesem Berliner Jungen mit seinem Stab ( Küs) steht, mit ihren Marsch startet, mit Trommeln (Trommler = Tambouren), Tompeten, Pfeifen und dem Schellenbaum (Foto: Atelier Wertheim, Oranienstraße, Berlin).

Musikkapelle in den 1920er Jahren. Posaunist, Tubist, Tompeter im Gleichschritt (Unbekannter Fotograf).

Tubist einer Musikkapelle in den 1920er Jahren. Man beachte, dass er, wie auch die Musiker auf dem obigen Foto, die Noten in der Hand hält. Die Musiker maschieren, spielen ihre Instrumente und halten ihre Notenblätter (Unbekannter Fotograf).

Musikkapelle (Spielmannszug oder Tambourkorps) in den 1920er Jahren (Unbekannter Fotograf).

Berliner Konzerthaus „Clou“

Im März 1914 (Foto: Kunstverlag Paul Kaufmann, Berlin-Wilmersdorf).

Im November 1912 (Foto: Kunstverlag Paul Kaufmann, Berlin-Wilmersdorf).

„Kino-Ausstellung >Der Film< in Berlin – Die vom 12. Juni bis 4. Juli ds. Js. in Berlin in den Gesamträumen des Berliner Konzerthauses (Clou) stattgefundene Ausstellung für moderne Lichtspielkunst >Der Film< verdient besonderes Interesse. Über den Wert von Spezialausstellungen ist man sich seit langem einig.“ (Velhagen & Klasings Monatshefte, 1920)

„Berliner Konzerthaus (Clou, Mauerstraße 82 und Zimmerstraße 90/91). Anfahrt in der Mauerstraße von der Leipziger Straße oder Krausenstraße nach Schützenstraße oder von der Friedrichstraße in die Zimmerstraße.“ (Automobil-Rundschau, 1929) 

„Immer an der Wand lang“ (1907)

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Postkarte um 1910 mit Text von Hermann Frey.

Das Couplet von Hermann Frey (1876 – 1950) „Immer an der Wand lang“ (1907) war ein Welthit. Ein Betrunkener torkelt mit seiner Begleitung immer an der Wand lang heimwärts. Die Männer alle im Frack und mit Zylinder. Die Frauen in Kleidern, wie man sie auch von den Fotos aus den Fotoateliers kennt: bodenlang, dazu Hüte mit Seidenblumen und hohe Stegkrägen.
Im Bildhintergrund sieht man vier Soldaten, die zum Alltagsbild gehörten.

Einer der Herren (oder alle drei) sieht sich als „dolle Bolle“, wo dann für mich auch die Zeile „aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert“ aus dem bekannten Berliner Volkslied mitschwingt. Wobei dieser Bolle für einen „amüsierfreudigen Mann“ steht, dem es egal ist, wenn seine Olle wegen seiner nächtlichen Eskapaden und Zechereien schimpft. Egal, immer an der Wand lang, findet er trotz der wackeligen Beine schon den Weg nach Hause, egal was ihn dort erwartet. Man hört ihn schon seine Olle mit „Reg dich nich uff, Olleken. Ick wa nur mit der Kleenen ausm Büro eenen picheln“ beschwichtigen.

Ein Bolle kam bereits im 19. Jahrhundert in den politischen Bierstubengesprächen „Unter den Tulpen“ im Satiremagazin „Kladderadatsch“ vor. Auch schon vor Carl Bolle (ab 1879), der einer Meierei in Berlin hatte und oft mit dem Bolle-Lied in Verbindung gebracht wird.

Film: Menschen am Sonntag (1929)

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„Fast ein Dokumentarfilm, dessen einzelne Teile aber durch eine angedeutete Spielhandlung zusammengehalten werden. Eigentlicher Mittelpunkt des Films ist die Stadt, sind die Menschen, die dem Zwang des Alltags zu entfliehen suchen und dabei doch keine neue Freiheit gewinnen. In vielen kleinen Episoden beobachtet der Film typische Verhaltensweisen der Bürger … Von manchen ähnlichen Versuchen unterscheidet sich dieser Film u.a. dadurch, daß er die glaubhafte Wirklichkeit nicht für publikumswirksame Pointen verfälscht. Seine Beobachtungen bleiben stets im Bereich des Wahrscheinlichen; so sind sie auch sozialkritisch relevant.“ („Reclams Filmführer“, 8. Auflage, 1991, S. 356/357)

Vermischtes aus Groß-Berlin:

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Berliner Radrennfahrer in den 1920er Jahren

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