Archiv für den Monat: Juni 2022

Sommerkraut: Kleinköpfige Pippau

Zeichnung

Buntstiftzeichnung von mir von einer Kleinköpfigen Pippau (Crepis capillaris)
Zeichnung von mir von einer Kleinköpfigen Pippau (Crepis capillaris), links: Vorskizze mit Bleistift, rechts: oben mit Buntstift, unten noch Bleistiftskizze, die ich nach und nach weg radierte.

Fotos

Linktipps:

gerhard.nitter.de/Steckbriefe/Crepis-tectorum.html
gerhard.nitter.de/Steckbriefe/Crepis-capillaris.html

Marienkäfer, Käferlarven und -puppen in den Sünger Bergen

Larve Siebenpunkt-Marienkäfer am Südhang des Stelbergs (Ende Mai 2022)
Larve Siebenpunkt-Marienkäfer am Südhang des Stelbergs (Ende Mai 2022)
Käferlarve bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Käferlarve bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Käferpuppe bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Käferpuppe bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Käferpuppe bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Käferpuppe bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäfer bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäfer bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäfer bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäferlarve bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäfer bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäfer bei Bonnersüng (Anfang Juni 2022)
Marienkäfer am Stelberg bei Oberbüschem (Mitte Juni 2022)
Marienkäfer bei Stelberg (Mitte Juni 2022)
Marienkäfer bei Stelberg (Mitte Juni 2022)
Marienkäfer bei Stelberg (Mitte Juni 2022)
Marienkäfer bei Stelberg (Mitte Juni 2022)
Marienkäfer bei Bonnersüng (Mitte Juni 2022)
Käferlarve „In der Hütte“ am Sünger Berg (Ende Juni 2022)
Marienkäfer auf den Stelberger Wiesen oberhalb von Hartegasse (Ende Juni 2022)

Afterraupe (von mir noch unbestimmt)

Diese Raupen saßen auf Rosenblättern. Wahrscheinlich sind es keine Schmetterlingsraupen, sondern die Larve einer Wespenart. Dann werden sie Afterraupen genannt.

Stichwörter:

  • Rosenbürstenhornwespe
  • Pflanzenwespen
  • Afterraupe
… in Hartegasse (Mitte Juni 2022)
… in Hartegasse (Mitte Juni 2022)

Zeitschrift: Romerike Berge

Romerike Berge – Zeitschrift für das Bergische Land, Heft 1/2017

Titelseite mit Fossilien von Seelilien. Romerike Berge – Zeitschrift für das Bergische Land, Heft 1/2017

Artikel: Weber Hans Martin: Zur Fauna der mitteldevonischen Mühlenberg Formation von Lindlar und Umgebung, S. 2 – 15

Direkt zu Beginn des Artikels werden einige interessante Fakten genannt, die ich bisher noch nirgendwo gelesen habe. Weber berichtet, dass der Name der Mühlenberg-Schichten (Mühlenberg-Sandstein, jetzt auch Mühlenberg Formation) auf den Geologen August Denckmann zurück geht, der im Jahr 1907 „diese Schichten am Mühlen-Berg bei Dahl, etwa 5 Kilometer südwestlich von Hohenlimburg im Sauerland beschrieb.“ (S. 2) Mit dieser Info habe ich im Internet geschaut (siehe unten *).

Direkt auf der ersten Seite des Artikels werden auch die für Lindlar typischen Seelilienabdrücke genannt, die Johann Friedrich Krüger 1823 in seinem Buch „Geschichte der Urwelt“ als „Schraubensteine“ bezeichnet und auch in diesem Zusammenhang Lindlar nennt (siehe hier unter ** meine kleine Internetrecherche).

Wirklich schade ist, dass auf Seite 6 die Bildunterschriften vertauscht wurden. Auf der rechten Abbildung sieht man Seelilien-Stielglieder, die Bildunterschrift lautet allerdings >“Fenestella“ sp. eines fächer- und trichterförmigen Moostierchens.< So eine Vertauschung passiert im Produktionsprozess flott. Nur leider führte dies dazu, dass zwei weitere Fotos mit Seelilienabdrücken (Titelbild und S. 14) mit >“Fenestella“ sp. eines fächer- und trichterförmigen Moostierchen.< falsch bezeichnet wurden. Obwohl „nahezu jeder Bewohner des Bergischen Landes“ (s. 6) diese „kleinen rundlichen Vertiefungen in der Grauwacke“ kennt und es dabei „um die Stielglieder von Seelilien“ handelt. Wer sie aber nicht namentlich kennt, wird sie nun für Moostierchen halten. Ich als Laie war auch verwirrt und hab gleich im Internet geschaut, was Moostierchen sind („moss animals“).

Eins meiner Fotos (also nicht aus der Publikation) von Seelilien-Stielgliedern, Fundort Lindlar-Hammen (Sülztal, Sünger Berge)

Im weiteren werden eine Auswahl der Lindlarer-Funde angesprochen:

  • Weichtiere (Mullusken) – Muscheln, Schnecken, Tintenfisch-Verwandte
  • Armfüßer (Brachiopoden) und Moostierchen (Bryozoen)
  • Stachelhäuter (Echinodermen) – Seelilien und Seeigel
  • Gliedertiere (Arthropoden) – Krebse und Verwandte
  • Fische – Panzerfische, Stachelhaie und Quastenflosser

Dies ist schon eine bemerkenswerte breite Fauna, die, wenn man sie sehen möchte, derzeit nur in verschiedenen Sammlungen sehen kann. Weber erwähnt hier die Sammlung von Siegfried Gobke, einem ehemaligen Steinhauer in Lindlar und langjähriger Vorsitzender der Steinhauergilde, und verschiedene Objekte der Sammlung des Ruhrmuseums in Essen, wo Dr. Hans Martin Weber als Kurator (wiss. Sammlungsverwaltung) tätig ist.

Eins meiner Fotos (also nicht aus der Publikation), Fundort ehm. Steinbruch bei Lindlar-Untersteinbach

* „Mühlenbergschichten (Mühlenberg unterhalb Dahl) , Grauwackensandsteine mit Grauschiefereinlagerungen“ (aus: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 1909); „Die Brandenbergschichten nach dem Brandenberg in der Lenneschleife zwischen Hohenlimburg und Nachrodt , die Mühlenbergschichten nach dem Mühlenberg auf der rechten Volmeseite nördlich von Dahl“ (aus: „Abhandlungen des Reichsamts für Bodenforschung, 1942); „Die Untergliederung [Anm. GS: der Schichten wie Brandenberg-Schichten, Mühlenberg-Schichten, Hobräcker-Schichten, Untere Honsel-Schichten, zuvor wurde diese Schichten alle mit „Lenne-Schiefer“ bezeichnet] wurde erst durch DENCKMANN(1907) bei der Kartierung der Geologischen Karte im Gebiet des Blattes Hohenlimburg – vorwiegend nach lithologischen Gesichtspunkten – eingeführt.“ (Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, Heft 53, 2000, S. 12)

** „Außerdem liefert die Gegend bey Lindlar, im Bergischen Amte Steinbach, ebenfalls bisweilen Schraubensteine. Ich habe davon in zwey Müttern zwey Beispiele vor mir liegen.“ (Schröter, Johann Samuel: „Kenntniß und Geschichte der Steine und Versteinerungen“, 1778, S. 308); „Encrinites Epithonius [Anm. GS: siehe hierzu bei Spekrum: „Encriniten, Encrinus, Seelilie (Crinoiden) der Trias; Stielglieder werden Trochiten (Bonifatiuspfennige, Rädelsteine, Teufelsmünzen) genannt.“] Eine zahlreiche und lehrreiche Suite der sogenannten Schraubensteine von Rübeland und von der Schalke am Harz, von Lindlar im Bergischen, und aus dem Solmsischen, in Grauwacke ähnlichem Gestein … Gegenwärtig scheint es keinen Zweifel unterworfen, dass sie zur Familie der Encriniten gehören …“ (v. Schlotheim, E.F.: „Petrefactenkunde“ [Anm. GS: später wurde daraus, also aus der Petrefaktenkunde, die Paläontologie], 1820, S. 337)

Buch: „Wie das Meer nach Hause kam“ (B. Brunner)

Umschlag: Bernd Brunner „Wie das Meer nach Hause kam“

Bei dem Buch von Bernd Brunner handelt es sich um eine kulturwissenschaftliche Arbeit. Wie es der Titel schon beschreibt, geht es hier nicht um Pflege, Haltung oder die Auswahl von Pflanzen und Fischen für ein Aquarium, sondern es werden die Änfänge Aquaristik in der westlichen Welt beschrieben.

Wie die Menagerien, die Vorläufer der Tiergärten, wurde mit dem Aquarium versucht, die Tierwelt in unsere Welt zu holen. Die Tiere die im Meer lebten, kannte kaum einer. Dabei ist der Wunsch, das Meer und deren Bewohner kennenzulernen, „diese Lust am Meer ist noch gar nicht so alt, sie bildete sich erst im 18. Jahrhundert heraus. Vorher war das Meer >eine Art Tabu und Ort der Angst per excellence< … Die Fluten waren ein verdammtes Reich der Finsternis, in dem sich Monster von abenteuerlicher Gestalt gegenseitig das Leben zur Hölle machen und alles verschlingen.“ (Brunner, S. 13)

Fischer, Kaufleute oder Naturforscher kannten das Meer. Die restliche Bevölkung hielt sich ihm eher fern. Erst allmählich traute man sich mit Vernügen an den Strand, „als Ort, an dem es sich aufzuhalten lohnt … Untersuchungen über die heilsamen Wirkungen des Meerwassers unterstützen die Gründung von Badeorten an den Küsten – erst in England, etwas später in Deutschland und Frankreich.“ (Brunner, S. 14)

Strandvernügen „Am Wasser“ der Ostsee („Gruß aus Kellerhusen“, Postkarte frühes 20. Jh.). Aus sittlichen Gründen zog man sich im Badekarren um und ging von dort mit angemessener Badekleidung auch ins Wasser.

Naturforscher oder Biologen traten auch an die Küsten und erforschten die Meeresoberflächen, „aber die Unterwasserwelt und vor allem die Tiefsee behalten ihre Geheimnisse noch geraume Zeit für sich.“ (Brunner, S. 15) Doch sie begann sie aber „Bootsfahrten auf dem Meer zu unternehmen und mithilfe von Fischern Meerestiere zu sammeln.“ (Brunner, S. 15)

Aus diesem Geist heraus kam es auch zur Entwicklung des Aquariums. Als einen der Personen, die die Haltung von Pflanzen und Tieren in einem Glasbehälter bekannt machte gilt der Engländer Philip Henry Gosse (1810 – 1888). „In seinem 1853 veröffentlichtem Buch A Naturalist´s Rambles on the Devonshire Cost … tauch der Begriff des >Meeresvivariums< auf, aber auch schon >Meeresaquarium< (>marine aquarium<).“ (Brunner, S. 37) Gosse war ein bekannter Naturforscher, ja ein richtiger Experte der Küstenfaune. Der nicht nur forschte und publizierte, sondern sein Wissen auch in Vorträgen weitergab. Offenbar war er so gut, dass „die Londoner Bürger nur so zu seinen Vorträgen“ strömen. (Brunner, S. 41)

Um nun die Flora und Fauna des Meeres besser kennenzulernen, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens man tauch ins Meer hinab und schaut sich alles vor Ort an. Oder zweitens, man holt sich Pflanzen und Tiere aus dem Meer, setzt sie in einen Teich oder ein Gefäß aus Glas und versucht die Unterwasserwelt nachzubilden. Philip Henry Gosse war ein Anhänger der zweiten Möglichkeit. Für hatte dies den Vorteil, dass man sich auf diese Weise „mit den >seltsamen Geschöpfen des Meeres< bekanntmachen, ohne dafür mit einer komplizierten Taucherapparatur in die Tiefen hinabsteigen zu müssen. Fast verächtlich äußert sich Gosse über einen französischen Zoologen (… Henri Milne-Edwards), der in einem wasserdichten Anzug, mit einer besonderen Brille und einem Atemrohr versehen, den Grund des Mittelmeeres entlangwanderte, um auf direkte Tuchfühlung mit dem unterseeischen Leben zu gelangen.< (Brunner, S. 42)

Im deutschen Sprachraum wurde erstmals 1854 über das Aquarium berichtet. Die Zeitschrift „Die Gartenlaube“ veröffentliche einen Artikel mit dem Titel „Der Ocean auf dem Tische“. Der Mitbegründer der Gartenlaube, Emil Adolf Roßmäßler, war einer der Förderer des Aquariums. Von ihm erschien 1857 das Buch „Das Süßwasser-Aquarium – Eine Anleitung zur Herstellung und Pflege desselben“. Ein Süßwasser-Aquarium war gregenüber dem Meeres-Aquarium der bequemere Weg. Die Schwierigkeiten beim Meeres-Aquarium begannen schon mit der Beschaffung des Meerwassers, weshalb man es auch künstlich mit Kochsalz, Bromnatrium, schwefelsaurem Kali, Glaubersalz, Gips, Magnesia und Chlormagnesium herstellte (Brunner, S. 64).

Clownfisch und Seeanemone im Haus des Meeres, Wien

Ab 1869 wurden exotische Zierfische nach Europa exportiert. Als erstes wurden Makropoden (Paradiesfische) geliefert. Fischer und auch Schiffpassagiere brachten von ihren Fahrten lebende Fische mit. „Einheimische fangen die Tiere meist mit Keschern und Wurfnetzen in der freien Natur, zuweilen werden kleine Seitenarme von Flüssen abgesperrt. Bekannt ist auch der Einsatz von Pflanzengiften aus Baumrinden und Blättern, die in niedriger Konzentration in das Wasser gegeben werden, um die Fische zu betäuben“. (Brunner, S. 74)

Neben den heimischen Wasserbehältern gab es ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch erste öffentliche Schauaquarien. Das erste dieser Art eröffnete 1853 im Londoner Regent´s Park. Auf dem europäischen Kontinent folgen Aquaien in Paris und Wien. Das Wiener Aquarium wurde 1860 von Gustav Jäger eingerichtet. In Paris gibt es ein Deckenaquarium, bei dem die „Decke ganz aus Glas ist und in der der Zuschauer mit steil nach oben gerichtetem Blick das Treiben im Becken beobachten kann – so als würde er selbst auf dem Meeresgrund stehen.“ (Brunner, S. 97)

Glastunnel im Meerwasser-Aquarium in Westerland, Sylt

Erwähnt werden von Bernd Brunner außerdem Aquarien die von der Wissenschaft genutzt wurden. Beispielsweise das 1874 eröffnete „Stazione Zoologica“ bei Neapel. Die Wissenschaftler gingen nun selber ins Meer, tauchten und brachten von dort Lebewesen mit, die sie später im Labor untersuchten.

Haus des Meeres, Wien

Heute gibt das Ozeanarium „die für sich in Anspruch nehmen, die Meeresfauna noch authentischer zu zeigen“ (Brunner, S. 111). Auf der anderen Seite gibt es Parks wie die Sea-Life-Center, bei denen weniger das Erlangen von Wissen, sondern mehr das Vernügen im Vordergrund steht.

Brunners Buch gibt einen guten Überblick über die Entwicklung der Aquaristik und der Aquarianer, läßt dabei die Jetztzeit nicht aus und nennt auch die berechtigte Kritik. Ähnliche Bücher zum Thema: Das 2018 veröffentlichte Buch von Mareike Vennen „Das Aquarium – Paktiken, Techniken und Medien der Wissensproduktion (1840 – 1910)“ oder ganz speziell zur Heimhaltung des Schwanzlurch Axolotl im Aquarium, dass Buch von Christian Reiß „Der Axolotl – ein Labortier im Aquarium“, welches 2020 erschien.

Artenbestimmung – Anregung durch das Buch: „Bullau. Versuch über Natur“ (Maier/Büchner)

Das Buch „Bullau. Versuch über Natur“ von Andreas Maier und Christine Büchner erschien erstmals 2006. Mein Buch ist von 2017 (insel taschenbuch 4581). Maier ist Schriftsteller. Brüchner ist Theologin. Hier schreiben sie als „wir“ oder als „einer von uns beiden“.

Umschlag „Bullau. Versuch über Natur“ (Maier/Büchner) mit der Zeichnung „Das große Rasenstück“ (1503) von Albrecht Dürer.

Das Buch ist kein Naturbuch-Lehrbuch im herkömmlichen Sinne. Es ist beispielsweise kein Nachschlagewerk. Es ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Anekdoten. Geschichten, die die beiden Autoren oder einer von beiden, so oder so ähnlich erlebt haben und sich darüber Gedanken gemacht haben.

Dabei bringen sie Dinge zu Sprache, bei denen ich amüsiert lächeln musste, und aufgrund deren ich mir ein paar Gedanken zur Artenbestimmung gemacht habe.

Diese Stelle gleich zu Beginn des Buches:

„Man erlebt auch immer wieder, daß man mit den besten Bekannten zufällig und absichtslos irgendwo spazierengeht und diese völlig verblüfft sind, wenn man plötzlich auf Seifenkraut verweist. Seifenkraut, sie wissen gar nicht, ob es das gibt oder ob man sie in diesem Augenblick auf den Arm nimmt.“ (Seite 7) 

Seifenkraut ist in Eurasien weitverbreitet, steht bei der Wikipedia zum Gewöhnlichen Seifenkraut. Sicher habe ich es schon gesehen, es ist ja „weitverbreitet“ und muss somit an jeder Ecke stehen. Ich selber habe es vielleicht schon fotografiert, aber mich noch nicht um eine Bestimmung für mich bemüht. Aber statt Seifenkraut könnte im Text auch Wiesenkerbel stehen. Das kenne ich. Irgendwer hat sich diesen Namen ausgedacht. Ohne Namen geht es halt nicht. Mit „ich meine diese Pflanze, die oben viele weiße Blüten hat … im Frühjahr stehen die zahlreich am Wegesrand“, kommt man nicht weit. Wiesenkerbel ist Wiesenkerbel. Seifenkraut ist Seifenkraut. Das muss gelernt werden, wie bei der Holzplatte mit vier Beinen, die alle Tisch nennen.

Wer sich mit der Natur beschäftigt, eignet sich zwangsläufig, ja manchmal geradezu zwanghaft, diese Namen an. Besser noch man kennt die wissenschaftlichen Namen, dann ist man auf jedem Fall auf der sicheren Seite. Reden wir also vom Anthriscus sylvestris (Wiesenkerbel) und vom Saponaria (Seifenkräutern).

Wenn man die Namen nicht kennt, dann ist es leicht, von anderen auf den Arm genommen zu werden. So beispielsweise mit dem Nelkenfalter, den Bleiläusen, dem Rheinischen Zankapfel oder den invasiven Sumatraschaben („Sie mal dort eine Sumatraschabe, die sind in den letzten Jahren zu uns eingeschleppt worden …“). Weiß mans?

Andreas Maier und Christine Büchner zeigen dies nochmal am Beispiel des Kleibers.

„Da, ein Kleiber!“

„Da, ein Kleiber!
Unser Bekannter klappte sein Buch zu […], schaute uns an und sagte plötzlich sehr unvermittelt: Wißt ihr, manchmal glaube ich, ihr erfindet das alles. Ihr erfindet alle diese Namen. Nein, sagten wir, da sei er doch, der Kleiber. […] Er: Das ist ein Spatz. Das ist bestimmt ein Spatz oder sonst etwas Banales, und jetzt habt ihr bloß wieder so einen Namen erfunden, so wie
Hechelgelbling oder Lümmeldolde.“ (S. 10/11)

Von der Unkenntnis über die Namen von „unbestimmten“ Pflanzen, Tieren oder Pilzen leben ganze Internetforen. Ein fiktives Beispiel: „Nun ist Schwarmwissen gefragt. Schaut ich habe dies bei uns fotografiert. Was könnte das für einer sein? Mein Mann meinte, dass sei eine Rotmeise. Das glaub ich nicht. Was meint ihr?“ – 2 Minuten später: „[ Bling ] Ein Rotkehlchen“ – 3 Minuten später: „[ Bling ] Nein, das ist ein Dompfaff“. Wenig später: „[ Bling ] Ja stimmt.“ Dann: „[ Bling ] Ich meine es wäre ein Gimpel … (unsicher)“. Eine Stunde später: „[ Bling ] Jetzt erst gesehen. Gimpel, auch Dompfaff genannt. Definitiv!“. Am Tag danach: „[ Bling ] Danke! Wieder was gelernt (und mein Mann auch 😉 ).“ Ja, etwas gelernt und darum geht es doch schließlich.

Im alten Botanischen Garten in Göttingen. Der Name steht gleich neben der Pflanze.

„Was könnte das für einer sein? Mein Mann meinte, dass sei eine Rotmeise.“

Vordergründig reagiert der Bekannte in der zitierten Passage etwas komisch. Was er namentlich nicht kennt bzw. noch nie gesehen hat und namentlich nicht kennt, gibt es für ihn auch nicht. Aber dadurch bleibt die Passage mit dem Kleiber doch witzig, finde ich. Auch wegen der beiden Wortschöpfungen „Hechelgelbling(später gab es einen Blog mit diesem Namen) undLümmeldolde“ (beide Maier/Büchner, 2006).