Archiv der Kategorie: Sünger Berge

Flora der Sünger Berge (Früjahr 2021)

Alle Fotos entstanden in den Monaten April und Mai 2021 bei Lindlar-Stelberg, -Bonnersüng, -Hartegasse, -Oberbüschen, -Unterbüschem, -Ohl, -Kapellensüng sowie auf dem Sünger Berg, dem Löhberg und dem Stelberg.

Veilchen am Wegesrand bei Stelberg (Mitte April 2021, bei 11 Grad C)
… am Wegesrand bei Bonnersüng (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
… am Wegesrand bei Bonnersüng (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
… am Wegesrand bei Bonnersüng (Anfang Mai 2021)
Vogelmiere am Wegesrand auf dem Stelberg (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
Vogelmiere am Wegesrand auf dem Stelberg (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
Immergrün am Wegesrand auf dem Stelberg (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
Immergrün am Wegesrand auf dem Stelberg (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
Schlehenblüten (Schwarzdorn) am Wegesrand bei Hartegasse (Mitte April 2021, bei 12 Grad C, Ende April waren die Blüten fast alle Weg, die Blätter war da). Blüten im April vor dem Laub, beim Verwandten Weißdorn, die im Mai blühen, sieht man Blüten zusammen mit Laub.
Schlehenhecke (Schwarzdorn) am Wegesrand bei Hartegasse (Mitte April 2021, bei 12 Grad C). Gut besucht von Bienen und Hummeln.
Schlehenblüten (Schwarzdorn) am Wegesrand bei Hartegasse (Mitte April 2021, bei 12 Grad C)
Schlehen (Schwarzdorn) am Wegesrand bei Hartegasse (Anfang Mai 2021)
Sumpfdotterblumen im sumpfiges Gelände beim Büschener Bach (April 2021)
Sumpfdotterblumen im sumpfiges Gelände beim Büschener Bach (April 2021)
Sumpfdotterblumen im sumpfiges Gelände beim Büschener Bach (April 2021)
Brennnesseln oberhalb von Hartegasse (Mai 2021)
Brennnesseln oberhalb von Hartegasse. Hier sieht man auch die Brennhaare (Mai 2021)
Weiße Taubnesseln am Wegesrand beim Büschemer Bach (April, 2021)
Weiße Taubnesseln am Wegesrand beim Büschemer Bach. Sind den Brennnesseln im Aussehen ähnlich, aber nicht verwandt (April, 2021)
[320] Weiße Taubnessel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[319] Blüte einer Weiße Taubnessel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[318] Käfer (meine Vermutung: Bibernellen Blütenkäfer) auf einer Blüter einer Weißen Taubnessel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
Gewöhnliche Goldnesseln am Wegesrand an der Sülz bei Ohl (Mai 2021)
Gewöhnliche Goldnesseln am Wegesrand an der Sülz bei Ohl (Mai 2021)
Gewöhnliche Goldnesseln am Wegesrand an der Sülz bei Ohl (Mai 2021)
Silberblättrige Goldnessel (Gartenpflanze, wahrscheinlich wurde diese Art aus der „echten“ Gewöhnliche Goldnessel) am Straßenrand in Kapellensüng (Mai 2021)
Silberblättrige Goldnessel (Gartenpflanze) am Straßenrand in Kapellensüng (Mai 2021)
Obstbaum am Fuß des Stelberg (April 2021)
Obstbaum am Fuß des Stelberg (Mitte Mai 2021)
[302] Obstbaum am Fuß des Stelberg (Ende Mai 2021)
Obstbaum am Fuß des Stelberg (April 2021)
Fahn am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
Fahn am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
Fahn am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
Fahn am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
[328] Fahn am Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
Löwenzahn und Pusteblume am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
Pusteblume am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
Pusteblume am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
[331] Pusteblume bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)

Löwenzahn am Wegesrand oberhalb von Unterbüschem (Mai 2021)
Löwenzahn mit Hummel am Wegesrand bei Oberbüschem (Mai 2021)
[323] Löwenzahn bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
Gänseblümchen auf einer Wiese bei Stelberg (Mai 2021)
Ginster am Löhberg (Mai 2021)
Ginster am Löhberg (Mai 2021)
Ginster am Löhberg (Mai 2021)
Ginster am Löhberg (Mai 2021)
[324] Ginster bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[325] Ginster bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[327] Ginster bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
Moos auf dem Löhberg. Rechts von der Buche wächst Frauenhaarmoos (Mai 2021)
Frauenhaarmoos auf dem Löhberg (Mai 2021)
Frauenhaarmoos auf dem Löhberg (Mai 2021)
Frauenhaarmoos auf dem Löhberg (Mai 2021)
Wiesenschaumkraut an der Straße beim Löhberg (Mitte 2021)
Wiesenschaumkraut an der Straße beim Löhberg (Mitte 2021)
Wiesenschaumkraut an der Straße beim Löhberg (Mitte 2021)
Wiese bei Stelberg (Mai 2021)
Wiese bei Stelberg (Mai 2021)
Frauenmantel am Wegesrand bei Oberbüschem (Mai 2021)
Frauenmantel am Wegesrand bei Oberbüschem (Mai 2021)
Obstbaum am Sünger Berg, „In der Hütte“ beim Sünger Bach (Mai 2021)
Sauerklee (früher auch als „Kuckucksmmos“ bezeichnet) bei Bonnersüng (Mai 2021)
Weißklee bei Bonnersüng (Mai 2021)
[272] Klee (Wiesenklee, Rotklee) am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[273] Klee (Wiesenklee, Rotklee) am Sünger Berg (Mitte Mai 2021), wie [272]
[274] Klee (Wiesenklee, Rotklee) am Sünger Berg (Mitte Mai 2021), wie [272]
[293] Klee (Wiesenklee, Rotklee) oberhalb von Hartegasse (Mai 2021)
[294] Klee (Wiesenklee, Rotklee) oberhalb von Hartegasse (Mai 2021)
[295] Klee (Wiesenklee, Rotklee) oberhalb von Hartegasse (Mai 2021)
Sauerampfer bei Bonnersüng (Mai 2021)
Sauerampferblüten bei Bonnersüng (Mai 2021)
[250] Zypressen-Wolfsmilch am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021)
[249] Zypressen-Wolfsmilch am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021), wie [250]
[248] Zypressen-Wolfsmilch am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021), wie [250]
[251] … am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021)
[252] … am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021), wie [251]
[253] … am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021), wie [251]
[254] Wiesen-Kerbel am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021)
[296] Wiesen-Kerbel am Straßenrand bei Unterbüschem (Mai 2021)
[314] Wiesen-Kerbel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[315] Wiesen-Kerbel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[316] Wiesen-Kerbel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[317] Wiesen-Kerbel bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[255] … am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021)
[256] Buche am Wegesrand bei Bonnersüng (Mai 2021)
[265] Buche am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[291] Buchenwald auf dem Westhang des Sünger Bergs (Mai 2021)
[259] … am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[262] Rinder einer Eiche am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[264] Rinder einer Fichte am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[263] Kleine Fichte am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[328] Fichtenzweig bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[329] Fichtenzweig bei Stelberg (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[266] Stamm einer Birke auf dem Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[322] Birke bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[267] Stamm einer Kiefer auf dem Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[268] Rinder einer Kiefer auf dem Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[269] Rinder einer Kiefer auf dem Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[290] Pilz (Rotrandiger Baumschwamm, Fichtenporling, vgl. https://pilzbuch.pilzwelten.de/rotrandiger-baumschwamm/fomitopsis-pinicola.html, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Baumschwammverwandte) an einer Kiefer auf dem Sünger Berg (Mai 2021)
[270] Wilde Brombeere am Sünger Berg (Mitte Mai 2021)
[271] Wilde Brombeere am Sünger Berg (Mitte Mai 2021), wie [270]
[280] Waldbeeren bei Unterbüschem (Mai 2021)
[281] Waldbeeren bei Unterbüschem (Mai 2021)
[282] Wiese bei Stelberg mit Sauerampfer (Mai 2021)
[283] Wiese bei Stelberg mit Sauerampfer (Mai 2021)
[285] Am Weg nm Löhberg nach Kapellensüng (Mai 2021)
[286] Am Weg nm Löhberg nach Kapellensüng (Mai 2021)
[287] Am Weg nm Löhberg nach Kapellensüng (Mai 2021)
[288] Am Weg nm Löhberg nach Kapellensüng (Mai 2021)
[289] Am Weg nm Löhberg nach Kapellensüng (Mai 2021)
[297] Pilz an einem Kirchbaum (?) bei Oberbüschem (Mai 2021)
[298] Pilz an einem Kirchbaum (?) bei Oberbüschem (Mai 2021)
[299] Acker-Stiefmütterchen bei Stelberg (Ende Mai 2021)
[300] Acker-Stiefmütterchen bei Stelberg (Ende Mai 2021)
[301] Bei Stelberg (Ende Mai 2021)
[307] Bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[308] Bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[309] Bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[310] Bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[311] Bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[312] Gundermann bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[313] Gundermann bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)
[321] Hahnenfuß bei Oberbüschem (Foto: Karoline Sahler-Wirz, Ende Mai 2021)

Wird fortgesetzt mit Flora der Sünger Berge (Sommer 2021).

Der Wald verschwindet? Dürre nach 2018

Die Dürre begann im Jahr 2018. „Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) fiel im Oktober mit 28 Litern pro Quadratmeter nur halb so viel Regen wie im langjährigen Durchschnitt.“ [1] Diese Entwicklung hatte aber bereits im Frühjahr begonnen. Im April fielen nur 35 Liter/qm statt den üblichen 58 Liter/qm, also 60 % weniger [1]. „In Wittenberg in Sachsen-Anhalt fiel im Mai nur 0,4 Liter Regen pro Quadratmeter, ein Prozent der üblichen Menge. Ähnlich war es im Juni, Juli und August: Vor allem in der Mitte und im Norden Deutschlands war es viel zu trocken.“ [1] 2019 ging es so weiter, weltweit war beispielsweise der Juni 2019 „der wärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“ [2]. Und 2020 fing das trockene Wetter bereits im März an. Hier im Bergischen Land konnte man den Fichtenwäldern beim Austrocknen zusehen. Die ersten Rodungsarbeiten begannen. Es wurde von „285.000 Hektar verlorenen Wald“ [3] gesprochen (vgl. Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft [4] und [5]. Also rund 285.000 Hektar von 11,4 Millionen Hektar [6] Wald in Deutschland haben ein Problem.

Dürrefotos

Beim Brungerst oberhalb von Lindlar (September 2020)
Fichten oberhalb von Lindlar (September 2020)
Fichten beim Industriepark Klause (September 2020)
Fichte bei Lindlar (September 2020)
Fichten beim Brungerst (September 2020)
Gefällte und noch nicht gefällte Fichten im Sülztal (September 2020)
Gefällte Fichten auf dem Löhberg bei Süng (Mai 2021)
Rodungsfläche Pefferköver Holz (Mai 2021)
Rodungsfläche Pefferköver Holz (Mai 2021)
Rodungsfläche am Stelberg bei Roderwiese (April 2021)
Rodungsfläche bei der Ruine Neuenberg, Blick nach Ruine Eibach (Februar 2021)
Blick von Stelberg auf die Rodungsflächen auf dem Vogelsberg im Breuntal (Frühjahr 2021)

Forschungen und Planungen, wie der Wald in der Zukunft aussehen könnte, haben begonnen. Aber dies ist gar nicht so einfach, den während „sich die Landwirtschaft mit ihren einjährigen Kulturen relativ schnell auf Trockenheit einstellen kann, rechnet die Forstwirtschaft mit Planungszeiträumen von 100 Jahren und mehr. Bereits heute müssen Entscheidungen gefällt werden, die das Aussehen des Waldes der Zukunft betreffen (Thünen-Institut – Bundesforschungsinstitut für
Ländliche Räume, Wald und Fischerei, https://www.thuenen.de/de/thema/wasser/wassermangel-in-deutschland/wassermangel-gefahr-fuer-den-wald/).

Wassermanagement

Zum Wassermanagement im Wald sagte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland:

„Wir können kurzfristig nicht beeinflussen, wie viel Regen fällt. Wir können allerdings das verfügbare Wasser besser in der Landschaft halten, um so die die Widerstandsfähigkeit des Waldes zu stärken und Waldbränden vorzubeugen. Dafür müssen wir Entwässerungsgräben im Wald schließen, Wälder in Laubmischwälder umbauen und mehr Totholz im Wald belassen“ (https://www.wwf.de/2020/maerz/mehr-wasser-fuer-den-wald). Durch Schließen der Entwässerungsgräben könne so Heinrich der Grundwasserspiegel angehoben werden. Als Beispiel wird der naturnahe Wald des Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin genannt. Entwässerungsgräben sind in Norddeutschland verbreitet. In den Mittelgebirgen eher weniger. „In den Mittelgebirgen, wird sehr viel Wasser abgeleitet durch die von Lkw befahrbaren Wege und die Gräben, die es dazu gibt, aber auch über Rückegassen zum Beispiel. Und langfristig hilft auch Totholz, Wasser zu binden, weil aus Totholz wird Humus, und Humus ist wie ein wunderbarer Schwamm, der sehr lange Wasser halten kann und dann eben auch langsam abgeben kann“ (https://www.deutschlandfunk.de/zustand-deutscher-waelder-auch-buchenwaelder-und-eichen.694.de.html?dram:article_id=475483), meint Stefan Adler vom Nabu.

Nicht nur in Dürrezeiten gibt es Probleme, sondern auch bei feuchten Monaten wie es der Juli 2021 in der ersten Hälfte war oder bei lang anhaltenem Regenfällen wie am 14. Juli 2021. Die Bäche müssen dann zuviel Wasser befördern, soviel das sie sich in Flüsse verwandeln und über die Ufer treten. Zuwenig Wasser und zuviel Wasser erscheinen so als zwei Seiten einer Medaille. Das Halten des Wassers für Dürreperioden könnte auch in Regenphasen helfen.

Der „See“ bei Bonnersüng zwei Tage nach dem Hochwasser vom 14. Juli. Dieses Wasser lief nicht weiter zur Sülz, sondern versickerte hier.

[1] Trockenheit in Deutschland (Süddeutsche Zeitung, 14.11.2018)
[2] Der heiße Juni und seine Folgen (Süddeutsche Zeitung, 03.07.2019)
[3] Die verborgene Dürre (Der Spiegel-Online, 20.12.2020)
[4] 285.000 Hektar Wald in Deutschland geschädigt (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, 26.08.2020)
[5] Massive Schäden – Einsatz für die Wälder (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, gesehen 21.05.2021)
[6] Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020: Schäden haben weiter zugenommen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, , gesehen 21.05.2021)

Aufschluß bei Untersteinbach

Ein Aufschluß zeigt einen Anschnitt des geologischen Untergrunds. Solche Aufschlüsse können ganz natürlich entstehen, z.B. sieht man sie an Steilküsten oder durch Eingriffe in die Natur beim Straßenbau oder in Steinbrüchen und Baugruben. Hier ist ein kleiner Steinbruch (vgl. https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276881) an der Straße zwischen Lindlar-Untersteinbach und -Heibach.

Relief der Sünger Berge

Das Höhenprofil stellt die Sünger Berge dar, als würde man die Erde aufschneiden und frontal vom Sülz- bzw. Breuntal gegen die Berge schauen.

Sünger Berge Höhenprofil: Schlüsselberg, Hammen, Löhberg. Sünger Berg und Stelberg (erstellt unter Zuhilfenahme eines Tools auf: https://www.geoportal.nrw/themenkarten)
Übersichtskarte der Sünger Berge mit den Bächen.
Die Erhebungen bei Schlüsselberg und Hammen. Unterhalb von Schlüsselberg hat der Ohler Siefen sein Quellgebiet. Im Gegensatz zu den Bächen bei Kapellensüng, Löhsüng, Bonnersüng und Roderwiese ist das Quellgebiet nicht hinten den Sünger Berg, sondern davor (von der Sülz aus gesehen), daher ist die Kerbe in den beiden Erhebungen bei Schlüsselberg und Hammen weniger tief als beispielsweise die rechts im Bild beim Löhberg (dort fließt der Bach nach Kapellensüng vorbei).
Sülztal-Panorama: Schlüsselberg (2020).
Sülztal-Panorama: Hammen (2020).
Hier sieht man wie drei Bäche die Sünger Berge eingekerbt haben. Links vom Löhberg kommt der Bach (hat keinen Namen, wird auf amtlichen Karten nur mit „Graben“ bezeichnet) der nach Kapellensüng fließt. Zwischen Löhberg und Sünger Berg fließt der Sünger Bach und rechts zwischen Sünger Berg und Stelberg fließt der Büschemer Bach.

Der Löhberg und der Sünger Berg sind die beiden markanten Berge der Sünger Berge. Der Sünger Berg ist etwas niedriger als der Löhberg, aber dafür etwas markanter. Wie man auf dem Bild sieht, ist die Landschaft um den Sünger Berg tiefer eingeschnitten. Von ca. 230 m NN geht es von mehreren Seiten hoch auf 259 m NN. In Richtung Unterbüschem ist es aber weniger steil. Hier ist eine Fläche („Steg“) die auf dem 248 m NN-Niveau bleibt, wie man auch auf den topografischen Karten an den Höhenlinien sehen kann. Bei Bonnersüng, als auch am hinteren Ende des Sünger Bergs ist man auf 226 m NN. Beim Löhberg ist dies ähnlich, in Richtung Pefferköver Holz, sinkt die Höhe nicht wieder auf die Höhenwerte wie auf der Kapellensüngerseite.

Vorderseite des Sünger Bergs mit Bonnersüng.
Rückseite des Sünger Bergs. Die Wiesen links nenne ich „Steg“, hier bleibt man auf 248 m NN bis nach Unterbüschem (2021)
Ost-Hang des Sünger Bergs mit Fichten (2021)
Vorderseite des Löhbergs mit Kapellensüng.
Die Rückseite des Löhbergs (auch Lühberg, der Teil hinter dem Berg trägt die Bezeichnung Auf’m Bockshorn, Name laut https://www.geoportal.nrw/themenkarten = Geografische Bezeichnungen, Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS)). Bei den Büchen in Bildmitte ist das Quellgebiet des Bachs der nach Kapellensüng fließt (2021)
Sülztal-Panorama: Kapellensüng mit Löhberg, Sünger Berg und Hügel bei Stelberg. Oben im Bild Oberbüschem (2020).
Sünger Berge im Hintergrund. Linker Hügel Löhberg, davor Kapellensüng. Daneben Sünger Berg und Stelberg (2009).
Der Stelberg ist der längste Berg und etwas höher als der Löhberg. Hier hat man 282 m NN. Die Erhebung rechts bei Roderwiese kommt auf 268 m NN. Zwischen diesen Erhebungen fließt ein Bach, der bei Roderwiese seine Quellen hat. Auf den Karten hat der Stelberg keinen Namen, es gibt nur den Ort Stelberg. Auf einer amtlichen Karte fand ich aber die Bezeichnung „Im Stelberg“ (Name laut https://www.geoportal.nrw/themenkarten = Geografische Bezeichnungen, Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS)).
Topografische Karte aus dem frühen 19. Jahrhundert mit den Sünger Bergen. Den Kartenausschnitt habe ich etwas gedreht. Ganz links ist Schlüsselberg. Der Löhberg ist mit Namen genannt. Der Sünger Berg ist ohne Bezeichnung. Ganz rechts die Erhebung mit dem Namen „Stell B“ und der Ort Stellberg. Der Ort Unterbüschem wird hier mit „Büschem“ genannt.
Landschaft bei Stelberg mit Blick nach Kapellensüng.
Nackenberg (Name laut https://www.geoportal.nrw/themenkarten = Geografische Bezeichnungen, Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS)) bei Roderwiese von der Straße von Oberfeld nach Roderwiese fotografiert (April 2021)
Diese Karte gibt einen Überblick über die Sünger Berge und die Bäche die alle in die Lindlarer Sülz fließen. Die Bäche beim Löhberg und Sünger Berg verschwinden in Kapellensüng und bei Bonnersüng im Untergrund und fließen dort in einer Höhle weiter und kommen an der Sülz wieder raus. Mit eingezeichnet ist die sog, „Breuner Talung“, die einen spekulativen Verlauf der Sülz in der Urzeit darstellt (vgl. hierzu meinen Beitrag „Die Breuner Talung zwischen Bonnersüng und Oberfeld„)

Kammschnake wartet auf die Sonne

So eine Kammschnake sieht mit ihrer Warntracht schon gefährlich aus. Ein Körper wie eine Wespe und dazu Spinnenbeine. Nur beißen oder stechen kann sie nicht, ist also harmlos. Als sie los flog nahm ich trotzdem Abstand.

Eine Gelbe Kammschnake (Ctenophora ornata)
Hier sieht es so aus, als wären die beiden Flügel an den Beinen.
Hier sieht man wie die Flügel wirklich aussehen.

Kleiner Aufschluß beim Sünger Bach

Ein Aufschluß zeigt einen Anschnitt des geologischen Untergrunds. Solche Aufschlüsse können ganz natürlich entstehen, z.B. sieht man sie an Steilküsten oder durch Eingriffe in die Natur beim Straßenbau oder in Steinbrüchen und Baugruben. Hier ist es wohl ein ganz kleiner Steinbruch.

Bild 1 (Mai 2021)
Bild 2 (Mai 2021)
Bild 3 (Mai 2021)
Bild 4 (Mai 2021)
Bild 5 (Mai 2021)
Bild 6 (Mai 2021)
Bild 7 (Mai 2021)

Steine bei Stelberg

Wegen der Rodungsarbeiten am nordöstlichen Hang des Stelbergs zwischen Roderwiese und Oberfeld wurde ein einfacher Fahrweg für die Maschinen angelegt. Hierdurch entstand ein Aufschluß in die oberen Bodenschichten. Ein Aufschluß zeigt einen Anschnitt des geologischen Untergrunds. Solche Aufschlüsse können ganz natürlich entstehen, z.B. sieht man sie an Steilküsten oder durch Eingriffe in die Natur beim Straßenbau (oder wie hier beim Wegebau) oder in Steinbrüchen und Baugruben.

Blick vom Hang des östlichen Stelbergs Richtung Breun. Links der Nackenberg bei Roderwiese. Im Hintergrund der Vogelsberg (April 2021)
Blick vom Hang des östlichen Stelbergs Richtung Oberbüschem. Hier standen Fichten, die der Trockenheit (2017 – 2020) und dem Borkenkäfer zum Opfer fielen (April 2021)
Blick auf Hang des östlichen Stelbergs Richtung Oberfeld. Links der Nackenberg (2021)
[284] Der Stelberg von Oberbüschem aus gesehen. Der Aufschluß ist ganz links (Mai 2021)
Östlicher Hang des Stelbergs mit Strombauwerk an der Straße von Oberfeld nach Roderwiese (April 2021)
Für die Rodungsarbeiten musste an der östlichen Spitze des Stelbergs ein Fahrweg angelegt werden. Hier kamen Steine zum Vorschein (April 2021)
Obere Bodenschichten an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Obere Bodenschichten an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Obere Bodenschichten an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Obere Bodenschichten an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Obere Bodenschichten an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Trockene obere Bodenschicht an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Lemige, leicht feutche zweite Bodenschicht an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Steine an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)
Stein von der östlichen Spitze des Stelbergs. 6 cm breit, 4.7 cm hoch, 0,5 cm dick (April 2021)
Stein von der östlichen Spitze des Stelbergs. 6 cm breit, 4.7 cm hoch, 0,5 cm dick (April 2021)
Stein von der östlichen Spitze des Stelbergs. (April 2021)
Stein von der östlichen Spitze des Stelbergs. (April 2021)
Fichtenwurzel am Hang des östlichen Stelbergs Richtung Breun (April 2021)
Boden unter der Wurzel einer Fichte am östlichen Stelberg (2021)
Stein an der östlichen Spitze des Stelbergs (April 2021)

Die Breuner Talung zwischen Bonnersüng und Oberfeld

Bevor ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrags komme, möchte ich zunächst zur Einführung einen Text plus Fotos von 2006 einfügen. Im Frühjahr 2006 machte ich eine Wanderung entlang der oberen Sülz.

Die obere Lindlarer Sülz von Siemerkusen bis Heibach.

Von Obersiemeringhausen nach Leiberg

Die Quelle der Lindlarer Sülz liegt auf einer Wiese bei Obersiemeringhausen (Gemeinde Marienheide). Von der Straße ist der Quellbereich, der dicht bei dem Bauerhof von Obersiemeringhausen liegt, nicht sichtbar. Erst wenn man die Straße hinab nach Siemerkusen geht, sieht man die Sülz zum ersten mal. Im Dorf kreuzt dann die Straße in Richtung Kempershöhe die Sülz, die hier quasi zum ersten mal in die Öffentlichkeit kommt. Das obere Bild zeigt die Sülz in Richtung Quelle. Das untere Bild zeigt die Sülz wie sie an Siemerkusen vorbei fließt.

Obersiemeringhausen (2006)
Obersiemeringhausen (2006)

Siemerkusen liegt in einer Senke. Es führen schmale Straßen hinauf in Richtung Marienheide, in Richtung Gimborn und nach Kempershöhe. Um in der Nähe der Sülz zu bleiben, ist der Weg von Siemerkusen nach Eiringhausen zu empfehlen. Der Weg führt zunächst noch etwas entlang der Sülz. Wenn man den Bogen durch Eiringhausen gegangen ist, begegnet man einem weiteren Bach, der von Kempershöhe kommt und unterhalb von Eiringhausen in die Sülz fließt, die hier zum ersten mal etwas breiter wird.

Auf dem oberen Bild sieht man die aus einem Rohr fließende Sülz. Wenig später fließt der Bach aus Kempershöhe in die Sülz. Das unter Bild zeigt die breiter geworderne Sülz auf dem Weg zu den Wochenendhäusern bei der Schnipperinger Mühle.

Auf beiden Seiten der Sülz sind nun Wanderweg. Im Prinzip ist es zunächst auch egal auf welcher Seite man bleibt, da im Bereich der Schnipperinger Mühle und kurz dahinter einfache Holzbrücken noch ein überqueren der Sülz ermöglichen.

Sülz auf dem Weg zu den Wochenendhäusern bei der Schnipperinger Mühle.

Wenig später erreicht man die Wochenendhäuser und die Schnipperinger Mühle, ein kleines Lokal, in dem nun in den ersten Frühlingstagen (laut Kalender, tatsächlich lag immer noch Restschnee und die Wege waren vereist und kaum begehbar) nichts los war. Wer nun auf der anderen Seite der Sülz steht, kann ein kleine Holzbrücke benutzen und gelangt so mitten durch die Siedlung der Wochenendhäuser zur Rückseite der Mühle. Einige 100 Meter weiter kommt eine etwas größere, baufällige Holzbrücke (Bild unten) und anschließend ein Steg, der über eine feuchte Wiese zur Mühle führt.

Bei der Schnipperinger Mühle (2006)

Will man weiter entlang der Sülz gehen, dann muß man auf dem Weg gegenüber der Mühle gehen. Dieser führt dann zur Ortschaft Leiberg, direkt an der Sülz entlang. In Leiberg fließt der von Oberholl kommende Holler Siepen in die Sülz.

Die obere Lindlarer Sülz von Siemerkusen bis Oberhabbach.

Genau genommen beginnt hier nun erst die Lindlarer Sülz. Denn bisher floßt die Sülz in Marienheide bzw. bildete etwa von der Schnipperinger Mühle, die auf dem Stadtgebiet von Wipperfürth liegt, bis Leiberg die Grenze zwischen Wipperfürth und Marienheide. Von Leiberg an ist die Sülz die Grenze zwischen Wipperfürth und Lindlar. Später fließt sie kurz durch Wipperfürther Gebiet und fließt bei Oberhabbach nach Lindlar.

Die Sülz zwischen Leiberg und Orbach

Bei Leiberg (2006)
Bei Leiberg (2006

Auf dem unteren Bild ist die Sülz nur links im Hintergrund zu sehen. Rechts sieht man den Bach der von Berrenberg kommt und hier nun in die Sülz fließt. Wenig später kommen der Wingenbacher Siefen hinzu, der zuvor durch kleine Bäche aus Fähnrichstüttem, Unterdierdorf bzw. Oberdierdorf (Dierdorfer Siefen) gespeist wurde. Die Sülz fließt nun vorbei an Frielingsdorf und durch Brochhagen. In Steinenbrücke fließt der Bach Breun in die Sülz.

Bei Orbach.

Die Breuner Talung zwischen Bonnersüng und Oberfeld

Verlauf der Lindlarer Sülz heute (2021)

Der Geologe und Lehrer Herbert Nicke erwähnte 1983 in seiner Doktorarbeit einen alten Verlauf des Sülzbachs. Unter der Überschrift „Die Breuner Talung als Beispiel vor – bzw . frühpleistozäner Talnetzveränderungen“ skizzierte Nicke den möglichen Verlauf (Pleistozän, ein Zeitabschnitt der Erdgeschichte, der vor 2,5 Millionen Jahren begann und vor rund 11.700 Jahren endete).

Nicke schrieb:

„Nun setzt sich allerdings von Hartegasse talaufwärts die oHT nicht nur im Sülztal fort, sondern auch in das Breuntal hinein, aber sie hat einen von diesem ganz und gar abweichenden Verlauf. In Form einer Talung , die mit dem heutigen Sülztal nur an zwei Stellen in Verbindung steht , zieht sie sich […] über Bonnersüng – Stelberg – Oberfeld und Breun bis nördlich vom Müllerhof. […] Bei dieser Talung muß es sich um einen alten Tallauf der oberen Sülz handeln, den diese zugunsten des Umweges über Frielingsdorf aufgegeben hat (vgl. FEY, 1974, 108). Zwischen der Breuner Talung und dem heutigen Sülztal ragt der Vogelberg (322 m NN) als markante Erhebung heraus, ähnlich wie ein Umlaufberg.“ (Nicke, H.: Reliefgenese des südlichen Bergischen Landes zwischen Wupper und Sieg, 1983, S. 109 – 111)

Dies ist die genannte Quelle FEY (Manfred Fey):

Fey, M.: Geomorphologische Untersuchungen im Bergischen Land (Rheinisches Schiefergebirge) Düsseldorfer Geogr. Arb. 1, Düsseldorf, 1974.

Die Lindlarer Sülz bei Bühlstahl. Im Hintergrund der Vogelsberg, dessen Fuß die Sülz möglicherweise in Urzeiten überwunden hat (2006).

Dies würde heißen, dass die Sülz von Bühlstahl aus nicht über Frielingsdorf und Brochhagen geflossen sei, sondern die Abkürzung über das heutige Breuntal genommen hätte. Des Weiteren hätte die Sülz nicht das Bett des heutigen Breunbachs benutzt, sondern wäre etwas nordwestlicher parallel zu den Sünger Bergen, vorbei an Stelberg in Richtung Bonnersüng und Hartegasse geflossen.

Herbert Nicke hielt diese Theorie auch in einer Zeichnung fest, die man auch gut mit heutigen topografischen Karten nachvollziehen kann. Geht man davon aus das die Sülz die Erhebung bei Bühlstahl überwunden hat, dann könnte sie einen 15 bis 20 Meter höheren Pegel gehabt haben und wäre so auch gut über die Erhebungen auf den Wiesen bei Stelberg gekommen. Zwischen Stelberg und Kremberg wäre dann ein breiter Fluss geflossen, der sich bei Bonnersüng und Hartegasse ins heutige Sülztal ergossen hätte.

Die Lindlarer Sülz bei Oberhabbach zwischen Bühlstahl und Frielingsdorf (2006).

Bei diesem hohen Pegel könnte die Sülz den Vogel(s)berg auf beiden Seiten umflossen haben und das Bett des heutigen Breunbachs mitbenutzt haben. Dann könnte man sich den Kremberg (239 m NN) als Sülzinsel vorstellen.

Spekulation: Die Sülz zu Urzeiten

In Hartegasse wären dann gleich mehrere Bäche aufeinander getroffen: Aus den Sünger Bergen der Sünger und der Büschemer Bach, die Sülz aus Breun kommend und der Scheelbach, der aus Richtung Brochhagen kam, denn Nicke schrieb auch: „Der heutige Sülztalabschnitt Frielingsdorf – Hartegasse ist demnach wohl vom Scheelbach in seiner Frühform angelegt worden. Die Sülz mag dann diesen vorgegebenen Abschnitt übernommen haben, nachdem der Scheelbach zur Leppe umgeleitet war.“ (Nicke, H.: Reliefgenese des südlichen Bergischen Landes zwischen Wupper und Sieg, 1983, S. 111) Diese Ecke in Hartegasse wird bei dem gedachten höheren Pegel ziemlich wasserreich gewesen sein.

Breunbach an der Landstraße L284 (2006). Im Hintergrund sieht man den Stelberg (mi.), und den Berg bei Roderwiese (re. über der Wiese). Die Sülz soll laut der Theorie nicht das Bett des heutigen Breunbachs benutzt haben, sondern auf der anderen Seite der Sülztalstraße, zwischen Kremberg und Sünger Bergen geflossen sein.
Weg am Stelberg zur Ortschaft Stelberg. Stelberg (li.), im Hintergrund der Vogelsberg im Breuntal (2021). Heute schwer vorstellbar, dass hier im rechten Bereich in Urzeiten evtl. die Sülz geflossen sein soll.
Blick auf die Wiesen beim Kremberg (unbewaldet in Bildmitte). Links im Hintergrund der Vogel(s)berg. Rechts das Sülztal in Richtung Brochhagen (2021)

Zur Entstehung der Sünger Berge

Alfred Wegners Plattentektonik „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ (1915)

Alfred Wegener war einer derjenigen denen aufgefallen war, dass die Küstenlinien verschiedenen, weit entfernter Kontinente zusammenpassten, sodass er die Annahme formulierte, dass diese Landmasse einmal zusammengehört haben mussten. Alfred Wegeners Theorie, die er 1915 in „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ veröffentlichte, besagte, „dass die scheinbar feste Oberfläche der Erde in Wahrheit aus großen Gesteinsplatten besteht, die sich gegeneinander verschieben. Ausgangspunkt für Wegeners große Idee war, dass verschiedene Landmassen, etwa Nord- und Südamerika, wenn man sie neben Afrika und Europa schob, zusammenzupassen schienen wie Puzzleteile. Wegener bemerkte auch Ähnlichkeiten in den Fossilfunden auf Kontinenten, die inzwischen durch Meere getrennt waren, als seien sie einmal eine durchgehende Landmasse gewesen.“ (Cleeg, B.: Bücher, die die Welt veränderten, S. 188/198) Es dauerte noch Jahrzehnte bis seine Theorie allgemein anerkannt wurde.

Vor Millionen von Jahren gab es auf der Erde nicht die heutigen Kontinente. Durch den Kontinentaldrift bildeten sich immer wieder neue Landmassen, denen die heutige Wissenschaft Namen gab. Etwa Gondwana im Süden oder später gab es einen Kontinent mit dem Namen Pangaea, der sich durch Zusammenschluß des Kontinents Laurussia (auch Euramerika oder Old-Red-Kontinent genannt) und Gondwana bildete. Um dies zu verdeutlichen müssen die Phasen der geologische Zeitskala der Erdgeschichte beachtet werden (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Geologische_Zeitskala). Da in der Wissenschaft nachträglich für diese ehemaligen Kontinente verschiedene Namen gegeben wurden, so wird mal von Laurussia, ein anderes mal von von Euramerika oder vom Old-Red-Kontinent gesprochen, und teilweise auch mit heutigen Namen von Kontinenten vermischt werden, so wird Gondwana auch mal für den Laien als Afrika bezeichnet, ist diese Sprache der Erdgeschichtler zunächst verwirrend. Klar ist mir geworden, dass ein Ort oder eine Region, beispielsweise das Bergische Land, in der der Erdurzeit auf einem ganz anderen Kontinet gewesen ist und möglicherweise ganz andere Regionen als Nachbar hatte. Des Weiteren kann es durch Gebirgsbildungen bzw. Abtragungen dieser Gebirge zu großen Veränderungen gekommen sein.

Die genaue Rekonstruktion der alten Kontinente stelle ich mir sehr schwer vor. Mit Hilfe des Paläomagnetismus konnten die früheren Positionen der Kontinente auf der Erde rekonstruiert und so Wegeners Theorie bewiesen werden. „Der remanente Magnetismus in Gesteinsmineralen erlaubt es, die lokale Richtung der erdmagnetischen Feldlinien zur Entstehungszeit des Gesteins zu rekonstruieren.“ (Ahnert, F.: Einführung in die Geomorphologie, 3. Aufl., 2003, S. 53) vgl. Don und Maureen Tarling „Continental Drift“.

Mit verschiedenen Quellen und den dort verwendeten Abbildungen habe ich geschaut, wo denn das Bergische Land im Laufe der Erdgeschichte gelegen hat.

Auf dem Kontinent >Avalonia<

Im Jahrbuch „Rheinisch-Bergischer-Kalender“ gibt es einige Artikel zur Erdgeschichte. Einige wurden von Hans Dieter Hilden, dem ehemaligen Direktor des Geologischen Dienstes NRW, verfasst. Als gebürtiger Bergisch Gladbacher und studierter Geologe und Paläontologe hatte er auch die Erdgeschichte des Bergischen Landes im Blick. Über die Lage der Region vor über 480 Millionen Jahren schrieb Hilden:

„Damals lag das Bergische Land im Nordwesten der afrikanischen Kontinentalplatte, nahe des Südpols. Vor 480 Millionen Jahren spaltete sich dann aber ein Mikrokontinent namens Avalonia — benannt nach der Insel der Seligen — und mit ihm das Bergische Land von Afrika ab und begann eine Wanderung nach Norden. […] Vor 430 Millionen Jahren hat Avalonia im Norden an andere Landmassen angedockt — ein riesiger Nordkontinent (Old-Red-Kontinent [Anm GS: = Laurussia]) entsteht, der von Nordamerika bis Sibirien reicht. Zwischen 390 und 360 Millionen Jahren, im Devon-Zeitalter, lag die Südküste des Nordkontinents im Bergischen Land.“ (Hilden, H. D.: Bergische Erdgeschichte im Zeitraffer, In: Rheinisch-Bergischer-Kalender 2004, S. 254/255)

Nordrhein-Westfalen vor 450 Millionen Jahren (Ordovizium) auf dem Kontinent Avalonia. Nach Geologischer Dienst NRW.

Hier sind kurz ein paar Phasen skizziert die Avalonia durchlief:

  • Avalonia löst sich von Gondwana.
  • Avalonia kollidierte mit Baltica.
  • Baltica/Avalonia kollidieren mit Laurentia und es entstand der Kontinent Laurussia (Old-Red-Kontinent).
    Dadurch kam es zur Kaledonische Gebirgsbildung (Rumpfgebirge Britische Inseln, skandinavischen Grundgebirge, die Appalachen, Ostküste Grönlands, die Bäreninsel, die Orkney- und Shetlandinseln und West-Spitzbergen).
  • Laurussia kollidierte mit Gondwana und so entstand der Kontinent Pangaea.
    Dies führte zur für Bergische Land bedeutenden Varistische Gebirgsbildung. Auf Pangaea gab es ein langes Kettengebirge: Dies erstreckte sich quer durch den damaligen Pangaea und wird Herzynisches System genannt.

Ost-Avalonia wurde der Untergrund des heutigen Mitteleuropas nördlich des variskischen Gebirges. Im Süden Deutschlands sind Teile des Kontinents Armorica, der sich nach Avalonia ebenfalls von Gondwana gelöst hatte. Lange trennte der Rhenohercynischer Ozean (ein Meeresbecken) Avalonia und Armorica von einander.

Nordrhein-Westfalen vor 400 Millionen Jahren (Devon) auf dem Kontinent Laurussia (Red-Old-Kontinent). Nach Geologischer Dienst NRW.

In einem Artikel über die Lindlarer Grauwacke und die Lindlarer Fossilien zum ältesten Wald der Welt schrieb Sven von Loga:

„Der Bereich des heutigen Bergischen Landes befand sich im frühen Mitteldevon in einem ausgedehnten Übergangsbereich zwischen Flachmeer und Küstenbereich am Südrand des Old-Red-Kontinents [Laurussia]. Ein großes Flussdelta mündete in den variszischen Ozean [Paläotethys]. […] Vom im Norden gelegenen Old-Red Kontinent wurden riesige Sedimentmassen in einen südlich davon gelegenen Flachmeerbereich verfrachtet. Dieses Gebiet glich einem heutigen Wattenmeer.“ (v. Loga, S.: Die Lindlarer Grauwacke. In: Fossilien — Erdgeschichte erleben, 5/2020, S.32/33)

Das Variszische Gebirge

Wie erwähnt kollidierten Laurussia mit Gondwana und es entstand der Kontinent Pangaea und zur Varistische Gebirgsbildung. Dies soll in diesem Abschnitt etwas näher betrachtet werden.

„An der Grenze Unter-/Oberkarbon begann vor etwa 325 Mill. Jahren eine neue Geschichte, die etwa 20 Ma währte. Damals wurde der Rheinische Trog auf etwa 50 – 60 % seiner ehemaligen Breite eingeengt. Das führte zur Faltung der vorher horizontal abgelagerten Schichten. Als Ursache gilt eine Kontinent/Kontinent-Kollision weiter im Süden. Der dortige Kontinent Gondwana näherte sich Laurussia, und beide wurden bis zum Perm zu dem Riesenkontinent Pangaea verschweißt.“ (v. Koenigswald/Simon (Hg.): GeoRallye – Spurensuche zur Erdgeschichte, 2007, S. 80)

Appalachen und Varisziden auf Pangäa (Unterkarbon, 356 MA) Nach: Walter 2013, S. 161, bzw. scotese.com
Nordrhein-Westfalen vor 310 Millionen Jahren (Karbon) auf dem Kontinent Pangäa. Nach Geologischer Dienst NRW.

„Bei der Kollision der Erdplatten werden die über 10 km dicken verfestigten Ablagerungen, die sich seit Jahrmillionen am Meeresboden gesammelt haben, über dem Meeresspiegel angehoben, gefaltet, zerschert, zerbrochen, gegeneinander verschoben und übereinander gestapelt. Vulkane brechen aus.“ (Hilden, H. D.: Bergische Erdgeschichte im Zeitraffer, In: Rheinisch-Bergischer-Kalender 2004, S. 256)

Die Spuren solcher Faltungen etc. sieht man heute, wenn man die Gesteinschichten in Steinbrüchen oder an sonstigen Aufschlüssen betrachtet.

„Während der Faltung und im Anschluss daran hob sich der neu geschaffene Gebirgskörper über den Meeresspiegel. Doch hat dieses Gebirge wohl nie alpine Ausmaße erreicht.“ (v. Koenigswald/Simon (Hg.): GeoRallye – Spurensuche zur Erdgeschichte, 2007,S. 81)

„Einige zehn Millionen Jahre später, in der Perm-Zeit, ist das Varistische Gebirge fast wieder eingeebnet. Im Bergischen Land breitet sich eine Wüste aus …“ (Hilden, H. D.: Bergische Erdgeschichte im Zeitraffer, In: Rheinisch-Bergischer-Kalender 2004, S. 256)

Erosion und Witterung haben das ursprünglich hohe Gebirge zu einem Rumpfgebirge abgetragen, sodass das Bergische Land nur noch aus den Rümpfen des Gebirges besteht.

Nordrhein-Westfalen vor 260 Millionen Jahren (Perm) auf dem Kontinent Pangäa. Nach Geologischer Dienst NRW.

„Die Vereinigung von Laurussia und Gondwana mit den anderen selbständigen Kontinenten bildet im Perm eine riesige, zusammenhängende Landmasse: Pangaea […] zusammengehalten von einer großen Gebirgsnaht, den Varisziden.“ (Goßmann, R./Jungheim, H. J.: Landpflanzen im Verlauf der Erdgeschichte, Teil 7: Das Perm. In: Fossilien, 5/2009, S. 308)

Kontinent „Pangaea […] zusammengehalten von einer großen Gebirgsnaht, den Varisziden. (Skizze nach Abbildung 1 in Goßmann, R./Jungheim, H. J.: Landpflanzen im Verlauf der Erdgeschichte, Teil 7: Das Perm. In: Fossilien, 5/2009, S. 308.) Variszischen Gebirge: Auf Pangaea gab es ein langes Kettengebirge: Dies erstreckte sich quer durch den damaligen Pangaea und wird Herzynisches System genannt.
Nordrhein-Westfalen vor 220 Millionen Jahren (Trias) auf dem Kontinent Pangäa. Nach Geologischer Dienst NRW.
Nordrhein-Westfalen vor 170 Millionen Jahren (Jura )vor dem Kontinent Laurasia. Nach Geologischer Dienst NRW.

„Im Mesozoikum und Tertiär wurde das variszische Strukturstockwerk Mittel- und Westeuropas durch Bruch- und Scherprozesse in ein im Einzelnen komplex gestaltetes Schollenmosaik zerlegt.“ (Walter, R.: Erdgeschichte, 2016, S. 31)

Mesozoikum = Trias, Jura, Kreide

Nordrhein-Westfalen vor 105 Millionen Jahren (Kreide) vor dem Kontinent Eurasien. Nach Geologischer Dienst NRW.
Nordrhein-Westfalen vor 35 Millionen Jahren (Tertiär) auf dem Kontinent Eurasien. Nach Geologischer Dienst NRW.
Nordrhein-Westfalen vor 250 000 Jahren (Quartär) auf dem Kontinent Eurasien. Nach Geologischer Dienst NRW.
Wurzel einer Eiche im felsigen Untergrund auf der Straße nach Stelberg (2021).
Wurzel einer Eiche im felsigen Untergrund auf der Straße nach Stelberg (2021).
Gestein am Sünger Berg.
Steine auf dem Grat-Pfad auf dem Sünger Berg schauen aus dem Waldboden heraus (April 2021).
Geröllstein vom Grat-Pfad auf dem Sünger Berg.
Geröllstein vom Grat-Pfad auf dem Sünger Berg.
Steine am Sünger Berg. Von einer umgefallenen Fichte aufgeworfen (April 2021)
Gestein an einer Wurzel einer umgestürzten Fichte auf dem Sünger Berg (April 2021)
Ost-Hang am Sünger Berg (April 2021)

Zusammenfassend und wiederholend noch dieser Abschnitt vom Bergisch Gladbacher Geologen und Paläontologe Ulrich Jux:

„Das Bergische Land gehört zum Rheinischen Schiefergebirge, das sich vor allem aus mächtigen sandigen und tonigen Gesteinsfolgen aufbaut, die im wesentlichen während der Devon-Periode des Erdaltertums abgelagert und in der Karbon-Periode als Faltengebirge [„Das Variszische Gebirge“] aus dem vorausgegangenen Meeresraum herausgepresst worden sind. […] Von der ursprünglichen Morphologie des Faltengebirges ist allerdings heute nur noch wenig zu erkennen; denn es ist seit seiner Entstehung vor 330 Millionen Jahren bis auf die Fundamente abgetragen und in ein „Rumpfgebirge“ umgestaltet worden.“ (Jux, U.: Kalksteine in der mitteldevonischen Schichtenfolge. In: Jacobi, G.: Als die Steinhauer in Lindlar ihre Zunft aufrichteten und den Marmor brachen“, 2007, S. 26)

Eiszeiten

Für die Landschaftsbildung hatten auch die Eiszeiten und die aus dem Norden sich vorschiebenden Gleitscher eine Auswirkung.

„In mehreren großen Eiszeiten schoben sich von Norden her gewaltige Gletscher in Richtung Süden. Dabei hobelten sie die norddeutsche Tiefebene platt und hinterließen eine flache Landschaft. In der Saaleeiszeit im Drenthe-Stadium vor 300 000 Jahren schob sich Eis bis vor unsere Haustür [in der Quelle: Hönnetal im Sauerland].“ (Kolarik, A.: Die Entstehung des Hönnetals. In: Naturhistorischer Verein Hönnetal (Hg.): 100 Jahre Schutzaktion – Die Rettung der Schönheit des Hönnetals, 2020, S. 48/49)

In der Saale-Eiszeit hatte sich das Eis von Norden her bis zur Linie Hameln — Detmold — Ruhr — Düsseldorf — Xanten vorgeschoben.

„Auch in den späteren Eiszeiten (Riß, Eem und Weichsel) gab es immer wieder Warmphasen, in denen sich die Gletscher wieder ein Stück weit zurückzogen.“ (Kolarik, A.: Die Entstehung des Hönnetals. In: Naturhistorischer Verein Hönnetal (Hg.): 100 Jahre Schutzaktion – Die Rettung der Schönheit des Hönnetals, 2020, S. 48/49)

Das in Schnee und Eis gebundene Wasser senkte während der letzten Eiszeit (Weichsel-Glazial, Weichsel-Kaltzeit; die vor 10000 Jahren endete) den Meeresspiegel um 130 Meter im Vergleich zu heute.

„Als das letzteiszeitliche Maximum überschritten war, begann der Eisschild über Nordeuropa vor zirka 16000 bis 18000 Jahren abzuschmelzen. Der Merresspiegel stieg allmählich und überspülte im Lauf von 10000 Jahren das Flachland. […] Die nachzeitliche Landschaft in Nordeuropa formte sich dabei noch durch einen weiteren Prozess neu, den Fachleute als postglaziale Landhebung bezeichnen. […] Über weite Teile von Nordeuropa hatte zuvor ein riesiger Eisschild gelastet — an der mächtigsten Stelle über dem Nordosten von Schweden, so schätzen die Forscher, war er rund 2,7 Kilometer dick. Als das Eis zurückging, verringerte sich auch das Gewicht, das auf die Erdkruste drückte und diese in den Erdmantel presste. Die Folge: Die Erdkruste hob sich nun wieder an. So stieg das Land in den ehemals vereisten Regionen nach oben, doch im Gegenzug sackten die Regionen am einstigen Gletscherrand ab — und beschleunigten somit den Meeresspiegelanstieg vor allem in den Regionen an den westlichen und südlichen Eisrändern.“ (Spektrum Geschichte, 5/2020, S. 18)

Das Bergische Land lag nicht unter dem Eis, allenfalls kam es bis „vor unsere Haustür“. Aber wie sah es hier hinter dem Eis aus?

„Stellt man sich den äußersten Norden und den äußersten Süden Deutschlands mit Eis bedeckt vor, kommt man beinahe „automatisch“ auf die Frage, wie denn die Landschaften dazwischen ausgesehen haben mögen. Nun, es wird eine … sehr unwirtliche Region gewesen sein. Kurze, eher kühle Sommer und lange Winter prägten den Jahrelauf. Ausgedehnte Wälder gab es nicht, dafür ist es zu kühl gewesen, und die Vegetationsperiode war zu kurz. In der Tundrenzone wäre – selbst wenn es die Entwicklungsstufe des Menschen schon damals ermöglicht hätte – nie ein ertragreicher Feldbau möglich gewesen. In den Höhenlagen der Mittelgebirge herrschte gar Eisklima.
Aber auch in dieser Landschaft gab es Landschaftsveränderungen, ausgelöst durch natürliche, durch die atmosphärischen Bedingungen gesteuerte Kräfte und Prozesse.“ (Fraedrich, W.: Spuren der Eiszeit, 1996, S. 2/3)

Das Bergische Land lag also im Eisrandgebiete, einem sog. Periglazialgebiete (Periglazial = am Rande des Eises; Glazial = durch das Eis geprägt. Fraedrich, W.: Spuren der Eiszeit, 1996, S. 96 ff.)

Boden

Die Entstehung des heutigen Bodes begann nach diesen Eiszeiten. Daher hier ein paar Einwürfe zum Boden, des Entsteung und Verändeung.

„Lockere und feste Gesteine sind das Ausgangsmaterial für die Bildung des Bodens. Durch physikalische Verwitterung werden die an der Erdoberfläche befindlichen festen Gesteine allmählich zerkleinert, so daß lockeres Gesteinsmaterial in einer mehr oder weniger mächtigen Schicht das Ausgangsgestein überdeckt. Zahlreiche Minerale unterliegen dem Einfluß der Atmosphärilien (Wasser, Sauerstoff, Kohlendioxid) und der Strahlung mehr oder weniger stark der chemischen Verwitterung. Hierbei entstehen durch einfache Umwandlung oder durch Aufbau aus den Zerfallsprodukten zum Teil neue Minerale. Die so gebildete Verwitterungsschicht dient niederen und höheren Organismen als Standort und Lebensraum.“ (Scheffer – Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde, 6. Aufl. 1966, S. 1)

Physikalische (mechanische) Verwitterung

Temperaturverwitterung […] Durch den raschen Temperaturwechsel werden die äußeren und inneren Teile der Gesteine infolge ihrer geringen Wärmeleitfähigkeit unterschiedlich erwärmt und abgekühlt. Dadurch entstehen Spannungen, die zu Rissen und Spalten und schließlich zum Zerfall der Gesteine führen.“ (Scheffer – Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde, 6. Aufl. 1966, S. 17)

Frostverwitterung durch Spaltenfrost. Sie ist in der Eigenschaft des Wassers begründet, beim Gefrieren sein Volumen um 9% zu erhöhen. In Gesteinsspalten und -risse eindringendes Wasser vermag somit beim Gefrieren eine erheblichebSprengwirkung zu entfalten und die Gesteine zu zertrümmern.“ (Scheffer – Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde, 6. Aufl. 1966, S. 17)

Quellung, Schrumpfung, Slaking … In tonhaltigem Material verursacht die Zufuhr von Wasser Quellung, das Wiederaustrocknen Schrumpfung […] Die Schrumpfung … verursacht Trockenrisse, die bei neuen Niederschlägen ein tieferes Eindringen des Wassers in den Boden erlauben. An der Oberfläche tonhaltiger Gesteine (Tonsteine, Schiefertone, Sandsteine mit tonigem Bindemittel) kann die Quellung des Tons durch Nässe zu einem Zerfall des Gesteins führen [Slaking].“ (Ahnert, F.: Einführung in die Geomorphologie, 3. Aufl., 2003, S. 95)

„Schließlich können auch Pflanzen einen mechanischen Zerfall der Gesteine bewirken, indem die Wurzeln in Risse und Spalten eindringen und durch ihr Dickenwachstum die Gesteine auseinandersprengen […] Die durch die genannten Vorgänge gebileten Gesteinstücke werden beim Transport durch sich bewegendes Eis, durch fließendes Wasser oder durch Wind weiter zerkleinert. Dies erfolgt durch mechanischen Abrieb an der Oberfläche, durch den die Gesteine im Verlauf ihres Transportweges abgerundet werden und erhebliche Mengen feinen Materials liefern.“ (Scheffer – Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde, 6. Aufl. 1966, S. 18)

Chemische Verwitterung

  • die Prozesse der chemischen Verwitterung bewirken „Stoffänderungen des Gesteinsmaterials, d.h. Zersetzung (Korrodsion) der Substanz und Bildung neuer Verbindungen.“ (Ahnert, F.: Einführung in die Geomorphologie, 3. Aufl., 2003, S. 90)
  • „Die chemische Verwitterung beruht im wsentlichen auf Lösungs-, Zersetzungs- und Hydrationsvorgängen, durch die die Gesteine und Minerale viel weitgehender Verändert werden als bei der physikalischen Verwitterung.“ (Scheffer – Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde, 6. Aufl. 1966, S. 18)
  • „Das wichtigste Agens der chemischen Verwitterung ist das Wasser, das als Lösungsmittel und bei der hydrolytischen Zersetzung schwer löslicher Verbindungen wirksam wird.“ (Scheffer – Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde, 6. Aufl. 1966, S. 18)

Bodenentstehung nach der Eiszeit

Das Bergische Land war ein Eisrandgebiet. Die Bodenentstehung setzte nach den Eiszeiten wieder ein. Dazu schrieb 1979 Peter Burschel (damals Lehrstuhlinhaber für Waldbau und Forsteinrichtung an der Uni München):

„Das zentrale Ereignis auch für die Bodenentstehung in unserem Raum war die Eiszeit. In ihrem Verlauf traten auf riesigen Flächen tiefgreifende Veränderungen ein. Alte Böden wurden durch Eis weggehobelt und zusammen mit Brocken unverwitterten Gesteins als Moränen abgelagert. Der ganze Alpenraum und sein Vorland sind dadurch ebenso geprägt worden, wie das norddeutsche Tiefland. Die dazwischenliegenden Gebiete blieben zwar eisfrei, doch gab es dort nur niedrige Tundra-Vegetation, die wenig Schutz gegen Niederschläge, Eisbildungen und Tempertaturextreme bieten konnte. In gewaltigen Erosions- und Fließvorgängen wurde daher auch hier der aus alter Verwitterung stammende Boden abtransportiert oder umgelagert. Und schließlich konnte in Trockenperioden der Wind den vegetationsarmen Boden angreifen, seine feineren Teile emporwirbeln und über weite Strecken transportieren. Als Ergebnis solcher Sand- und Staubstürme hat sich auf großen Flächen Löß abgelagert, oft in beachtlicher Mächtigkeit.
Ihrer alten Bodendecken beraubte Gebirge, große Moränengebiete, Fließerden und Löß auf riesigen Flächen bildeten daher das Rohmaterial für die Bodenentwicklung. Diese begann, als das Klima vor fünfzehntausend Jahren wärmer wurde, die großen Eismassen sich zurückzuziehen begannen und Vegetation unseren mitteleuropäischen Raum wieder besiedeln konnte.“ (Burschel, P.: Der Wald in seiner Umwelt, In: Stern, H. (Hg.): Rettet den Wald, S.108)

Wurzel einer umgestürzten Fichte auf dem Sünger Berg.
Wurzel einer umgestürzten Fichte auf dem Sünger Berg.

Bauern aus dem Fruchtbaren Halbmond besiedeln Europa

Die Eiszeiten und die darauf folgenden Perioden hatten Einfluß auf die Bodenbildung und -qualitäten und somit auch auf die Besiedlung der Regionen. In den beiden folgenden Quellen wird betrachtet, wie die neue Bevölkerungsgruppen nach Europa wanderten und dort Regionen mit guten böden besiedelten.

„Vor ungefähr 11 500 Jahren endete in Europa und im Nahen Osten die Eiszeit. Als sich Klima allmählich erwärmte und die Natur mehr Nahrung bot, gingen Wildbeuter in der Region des Fruchtbaren Halbmondes — einem Bebiet, das von Euphrat und Tigris bis an die Mittelmeerküste, der Lavante reichte — langsam dazu über, sesshaft zu werden. […] Gesichert ist …, dass die Pioniere ungefähr 7000 v. Chr. gen Europa wanderte, auf der Suche nach neuem Ackerland.“ (Spinney, L.: Wie die Bauern Europa eroberten. In: Spektrum Geschichte, 1/2021, S. 18)

„Die im Fruchtbaren Halbmond ständig wachsende Bevölkerung war gezwungen, nach neuen akzeptablen Ackerböden Ausschau zu halten. Erst ging es durch Anatolien, dann über die Dardanellen nach Griechenland, bald in den Balkanraum und schließlich nach Mitteleuropa, das in der Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus innerhalb von weniger als 200 Jahren von den ersten Bauern […] in Besitz genommen wurde.
[…] Europa war zu großen Teilen mit Urwäldern bedeckt. Vor allem Flüsse taugten als Leitbahnen durch die Wildnis […] Die Wanderer tasteten sich von den Flüssen langsam ins Landesinnere vor; oft ließen sie sich gerade dort nieder, wo sie beim Graben auf keine Steine mehr stießen. Dort war die Erde leicht zu bearbeiten — selbst mit Gersät aus Stein, Knochen oder Holz. Und es war ein guter Ort zum Siedeln. […]
Die steinlosen Böden waren überaus fruchtbar […]. Denn die steinlosen Böden bestanden aus Löss, einem Produkt der Eiszeit. Gletscher hatten Berge und Felsen zu Geröll und feinem Gesteinsstaub zermahlen. Leichte Beute für den Wind, der das, was heute Gartencenter als „Urgesteinsmehl“ zur Bodenverbesserung verkaufen, durch die trockene, vegitationslose Kälte-Ödnis blies. Der Staub lagerte sich im Windschatten der Gebirge ab. Das geschah in Nordamerika, in China und in Europa, wo der Wind den Löss in den Börden am Nordrand der Mittelgebirge anhäufte, im Pariser und im Karpatenbecken, aber auch in den süddeutschen Gäulandschaften.
Ein Blick auf moderne Bodenkarten zeigt, das Gebiet im Windschatten des Harzes gehört zu den fruchtbarsten Böden Europas, insbesondere die Magdeburger Börde und die Leipziger Tieflandbucht bis in das Thüringer Becken hinein, mit Weimar und Erfurt als südlicher Begrenzung. Der Löss hat sich hier zu tiefgründigen Schwarzerden gewandelt, mit einer Mächtigkeit von über einem Meter. […] In den steppenartigen Gebieten waren unzählige Bodenwühler aktiv: Regenwürmer, Feldhamster, Steppenmurmeltiere, die alle besten Humus produzierten.“ (Meller, H, & Michel, K.: Die Himmelsscheibe von Nebra, 2020. S. 158 — 160)

Die Sünger Berge

Betrachtet man die Sünger Berge von oben, zeichnet die Erhebungen, die Tiefen und die Bäche ein, so sieht man, dass die Bäche zur heutigen Reliefbildung beigetragen haben. Peter Burschel schrieb, dass während der Eiszeit „in gewaltigen Erosions- und Fließvorgängen […] der aus alter Verwitterung stammende Boden abtransportiert oder umgelagert“ wurde (Burschel, P.: Der Wald in seiner Umwelt, In: Stern, H. (Hg.): Rettet den Wald, S.108) Dies scheint auch hier der Fall gewesen zu sein.

Die Bäche durchschneiden die Sünger Berge.
Dort wo die Bäche fließen ist die „Gebirgskette“ zerschnitten. Mehr dazu hier („Relief der Sünger Berge“).

Aufschluß am Sünger Berg

Ein Aufschluß zeigt einen Anschnitt des geologischen Untergrunds. Solche Aufschlüsse können ganz natürlich entstehen, z.B. sieht man sie an Steilküsten oder durch Eingriffe in die Natur beim Straßenbau oder in Steinbrüchen und Baugruben. Hier am Sünger Berg ist es wohl ein ganz kleiner Steinbruch.

Gestein am Sünger Berg bei Löhsüng (2021).
Gestein am Sünger Berg bei Löhsüng (2021).
Gestein am Sünger Berg bei Löhsüng (2021).
Gestein am Sünger Berg bei Löhsüng (2021).
Gestein am Sünger Berg bei Löhsüng (2021).
Gestein am SüngerBerg bei Löhsüng (2021).
Gestein am Sünger Berg bei Löhsüng (2021).